Roboter als Inklusionshelfer

Schüler aus Darmstadt gewinnen Jugend-forscht-Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission

Zwei Jugendliche stehen vor einer Pinwand. Neben beiden steht eine Schaufensterpuppe mit Roboterarmen. Aus einem der Arme ragen viele Kabel heraus. © Ute Thieme
(v.l.) Daniel Homburg (13) und Mirja Thieme (13), Gewinner des CBM-Sonderpreises „Innovationen für Menschen mit Behinderungen" mit ihrem Gebärdenroboter.

Bensheim/Darmstadt, 24. Juni 2018. Wer nichts hören kann, ist meistens im Alltag ausgeschlossen. Gebärdensprache beherrschen die wenigsten hörenden Menschen. Mirja Thieme (13) und Daniel Homburg (13) haben sich dieses Problems angenommen und einen Roboter entwickelt, der Sprache in Gebärden umwandelt. Er ermöglicht, dass gehörlose Menschen gesprochene Sprache verstehen können. Für diese Erfindung erhalten die beiden Jungforscher der Edit-Stein-Schule in Darmstadt den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) „Innovationen für Menschen mit Behinderungen“. Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs Hessen der Stiftung „Jugend forscht“ in der Alterskategorie „Schüler experimentieren“ verliehen.

Unterricht für hörende und gehörlose Kinder möglich

Der Roboter der beiden Teenager hat zwei bewegliche Unterarme. 16 Motoren bewegen die Finger nach unten und oben, nach links und nach rechts. Damit lassen sich das Gebärdenalphabet und die Zahlen von eins bis 20 darstellen. Auch ganze Worte gebärden kann Robert, wie Mirja und Daniel ihren Gebärdendolmetscher getauft haben. Damit ist der Roboter beispielsweise für den Einsatz in der Schule oder bei Vorträgen geeignet. Robert ist laut Nachforschungen der beiden der erste seiner Art und wirklich etwas Besonderes.

CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus: „Alleine die technisch-wissenschaftliche Arbeit, die die beiden 13-jährigen Schüler abgeliefert haben, ist wirklich großartig. Auf einer anderen Ebene haben die beiden jedoch noch viel mehr geleistet“, lobt Brockhaus: „Mirja und Daniel haben nämlich gezeigt, wie bezahlbarer, inklusiver Unterricht möglich sein könnte. Damit haben die beiden etwas geschafft, was viele Politiker weltweit für unmöglich halten.“ Auch die CBM arbeitet in ihren Projekten in Entwicklungsländern daran, inklusive und qualitativ hochwertige Bildung zu ermöglichen und damit ein globales Ziel der Vereinten Nationen umzusetzen. Die zwei hessischen Schüler haben bereits jetzt dazu beigetragen, diesem Ziel ein ganzes Stück näher zu kommen.

Mirja und Daniel geben sich damit jedoch noch nicht zufrieden und tüfteln weiter, um Robert zu perfektionieren: Sie möchten die Spracherkennung verbessern, weil er in lauter Umgebung nicht alles versteht. Aktuell lösen sie das mit einer Tastatureingabe der Worte. Künftig soll ihr Roboter auch Gebärden erkennen und in gesprochene Sprache übersetzen. Zusätzlich wollen sie einen Oberkörper zu den Armen entwickeln, weil viele Gebärden nicht ohne ihn und speziell ohne einen Kopf auskommen.

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus, die bei Jugend forscht eingereicht werden. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird im Oktober bei den Science Days in Rust vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Mehr als 110 Jahre Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit mehr als 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 530 Projekte in 54 Ländern. Weitere Informationen unter www.cbm.de.