Mit dem Rollator in die Freiheit

Schüler-Duo aus Güby gewinnt Jugend-forscht-Sonderpreis der CBM

Zwei junge Männer stützen sich mit einem Arm auf die Griffe eines Rollators. Auf dem Rollator sind verschiedene elektronische Teile zu sehen. © Lycka Albers
Thule Reeps und Carl Schreiber (v.l.), Schüler der Stiftung Louisenlund, gewinnen den CBM-Sonderpreis "Innovationen für Menschen mit Behinderungen".

Bensheim/Güby, 2. Juli 2021. Menschen, die zugleich Seh- und Gehprobleme haben, sind zur sicheren Fortbewegung bisher auf menschliche Unterstützung angewiesen. Denn mit einem Rollator können sie nicht gleichzeitig einen Taststock nutzen. Ein smarter Rollator überwindet jetzt auch diese Hürde und überzeugt als Geh- und Orientierungshilfe in einem. Mit dem "Rollator für Sehbehinderte" erfindet das Jungforscherteam aus Carl Jacob Schreiber (16) und Thule Reeps (18) das Rad tatsächlich nochmal neu. Für die Entwicklung der Kombination aus Blindenstock und Rollator erhalten die Schüler der Stiftung Louisenlund den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) "Innovationen für Menschen mit Behinderungen". Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs Schleswig-Holstein der Stiftung "Jugend forscht" verliehen.

Die interaktive Gehhilfe erfasst Hindernisse in der Fahrbahn mithilfe von Ultraschall. Die Sensoren an der Rollator-Front ersetzen die Augen und vermitteln die Messwerte an den Mikrocontroller, einen einfachen Computer mit intelligenter Programmierung. Der Clou: Werden Abstände zu knapp, warnen vibrierende Handgriffe ihre Nutzer vor dem potenziellen Hindernis. Dank dieses haptischen Feedbacks können Personen trotz Geh-, Seh- und sogar Hörproblemen sturzsicher mobil bleiben. Noch erkennt der Rollator Treppen nicht zuverlässig, doch die Schüler des Internats und Ganztagsgymnasiums arbeiten weiter daran und wollen ihre Erfindung noch optimieren.

"Diese Innovation aus Lowtech-Elementen und intelligenter Programmierung ist so einfach wie genial", lobt CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus. "Solche Lösungen brauchen wir, um bei unseren CBM-Projekten weltweit Menschen mit Behinderungen bezahlbar und nachhaltig zu unterstützen." Mehr als 80 Prozent der Menschen mit Behinderungen leben in Armut. Und wo kein Sozialsystem greift, droht ihnen der Verlust ihrer Selbstständigkeit und damit wirtschaftliche Not. "Mit wenigen und simplen Bauteilen sowie entsprechendem Know-how lässt sich jede rollende Gehhilfe zum smarten Rollator umrüsten", erklärt Brockhaus, warum der Entwicklungsorganisation diese Erfindung gefällt. "So kommen wir unserem Ziel näher, körperlich benachteiligten Menschen zu mehr Freiheit, Chancengleichheit und Inklusion zu verhelfen. Daher freuen wir uns sehr über diese vielversprechende Erfindung."

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis 

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus, die bei Jugend forscht eingereicht werden. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird pandemiebedingt online verliehen und ist mit 300 Euro dotiert.

Über die CBM

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den international führenden Organisationen für inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt – und das seit mehr als 110 Jahren. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt sie dafür, dass sich das Leben von Menschen mit Behinderungen grundlegend und dauerhaft verbessert. Sie leistet medizinische Hilfe und setzt sich für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ein. Ziel ist eine inklusive Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Fähigkeiten einbringen können und niemand zurückgelassen wird. Im vergangenen Jahr förderte die CBM 460 Projekte in 48 Ländern.