Die Kappe für den Überblick

Schüler aus Neunkirchen gewinnt Jugend-forscht-Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission

Ein Junge sitzt an einem Schreibtisch auf dem eine Computermonitor, eine Tasse, eine Flasche und ein Stoffbär liegen. In der rechten Hand hält der Junge eine Schirmkappe auf der eine Kamera montiert ist. © Dr. Michael Münchhofen
Dominik Münchhofen (15) hat eine spezielle Schirmkappe entwickelt, die Gegenstände erkennt und dem Träger die Position verrät. Dafür erhält er den Jugend-forscht-Sonderpreis der CBM für das Saarland.

Bensheim/Neunkirchen, 4. Juni 2019. Etwas zu suchen, ist für Sehende nervig, für einen Menschen mit Sehbehinderung kann es wirklich aufreibend werden. Dominik Münchhofen (15) hat dafür eine Lösung entwickelt: Eine Schirmkappe, die Gegenstände erkennt und dem Träger die Position verrät. Dafür bekommt der Schüler des Gymnasiums am Steinwald in Neunkirchen den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) „Innovationen für Menschen mit Behinderungen“. Der Preis wurde im Rahmen des Landeswettbewerbs Saarland der Stiftung „Jugend forscht“ verliehen.

Künstliche Intelligenz und eine Kamera ersetzen die Augen

Für Menschen mit Sehbehinderungen ist ein unaufgeräumter Tisch ein Graus. Wenn etwas nicht auf dem gewohnten Platz ist, müssen sie alles ertasten, um zum Beispiel die Kaffeetasse wiederzufinden. Mit der Schirmkappe von Dominik Münchhofen hat das nun ein Ende. Der 15-Jährige hat künstliche Intelligenz mit einer Tiefenkamera kombiniert und an einer Schirmkappe befestigt. Die Kamera nimmt ein Bild auf und überträgt die Aufnahme. Die künstliche Intelligenz übernimmt die Objekterkennung und definiert die Gegenstände. Eine Software filtert schließlich die Dinge nach vorgegebenen Parametern als relevant und die Sprachausgabe benennt sie mit ihrem Standort. Auch in einer ungewohnten Umgebung oder auf dem unaufgeräumten Esstisch kann ein blinder oder sehbehinderter Mensch die Tasse zielsicher finden.

„Dominiks Erfindung ist praktisch und ermöglicht blinden Menschen, sich selbstständig einen Überblick zu verschaffen“, erklärt CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus. „Sein digitaler Assistent, wie er die Innovation nennt, erleichtert blinden Menschen den Alltag und ist eine wichtige Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Auch wir wollen mit unserer Arbeit Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern ein eigenständiges Leben ermöglichen, deshalb begrüßen wir das Engagement von Dominik.“

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus, die bei „Jugend forscht“ eingereicht werden. Als Entwicklungshilfe-Organisation für Menschen mit Behinderungen legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird im Oktober bei den Science Days in Rust vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Mehr als 110 Jahre Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit mehr als 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 530 Projekte in 54 Ländern.