Ohne die Augen sehen

Schüler aus Bendorf gewinnen Jugend-forscht-Sonderpreis der CBM

Zwei Jugendliche haben ein Gerät entwickelt, das Menschen mit Sehbehinderungen vor Hindernissen warnt. © Heike Cordruwisch
(v.l.) Tijan Keffer (12) und Conner Cordruwisch (16) erhalten den Jugend-forscht-Sonderpreis der CBM für Rheinland-Pfalz. Gemeinsam haben sie ein Gerät entwickelt, das Menschen mit Sehbehinderungen vor Hindernissen warnt.

Bendorf/Bensheim, 16. Mai 2018. Menschen mit Sehbehinderungen nutzen ihre übrigen Sinne, um sich zu orientieren, und finden ihren Weg mit dem Taststock. Dieser warnt sie aber nicht vor Hindernissen wie einem offenen Fenster oder anderen Gefahren, die in Körperhöhe auftauchen. Conner Cordruwisch (16) und Tijan Keffer (12) haben ein Gerät entwickelt, das speziell diese Gefahren erkennt und davor warnt. Dafür erhalten die Schüler des Wilhelm-Remy-Gymnasiums in Bendorf den Sonderpreis "Innovationen für Menschen mit Behinderungen" der Christoffel-Blindenmission (CBM). Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs Rheinland-Pfalz der Stiftung "Jugend forscht" vergeben.

Piepsen in verschiedenen Tonlagen zeigt Hindernisse

Ihre Idee war, sehbeeinträchtigten Menschen mit kostengünstiger Technik die Orientierung zu erleichtern und vor Hindernissen zu warnen. Viele Versuche liegen der Arbeit der beiden Jungforscher zugrunde. Verschiedene Kameras und Sensoren haben sie getestet, den jeweiligen Radius gemessen und unterschiedliche Positionen am Körper ausprobiert. Am Ende hat ein Ultraschallsensor das Rennen gemacht, der mit einer Schlaufe am Bauch befestigt wird. Durch einen Motor kann der Sensor hin und her schwenken und so einen größeren Radius erreichen. Wenn der Sensor ein Hindernis wahrnimmt, wandelt ein Computerprogramm die Information in einen Ton um. Ist das Hindernis links, wird auch der Ton links abgespielt. Tonfolgen zeigen die Entfernung an.

"Das Gerät der beiden fördert die Eigenständigkeit von Menschen mit Sehbehinderungen. Gerade für sehbehinderte Menschen wird ein Ast, der in den Weg ragt, schnell zur Gefahr. Hier schützt die technische Hilfe vor Unfällen. Gleichzeitig haben Conner und Tijan darauf geachtet, dass ihr Gerät kostengünstig zu bauen ist. Das ist toll, weil es sich so auch in Entwicklungsländern umsetzen lässt, wo wir tätig sind", lobt CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus.

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird im Oktober bei den Science Days in Rust vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Seit über 100 Jahren Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit über 100 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 628 Projekte in 59 Ländern.