Herz aus dem Takt

Schüler gewinnen Jugend-forscht-Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission in Nordrhein-Westfalen

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(v.l.) Jonas Dilchert (19) aus Aachen und Janno Schade (19) aus Würzburg haben für das EKG ein T-Shirt entwickelt, das ohne Nebenwirkung funktioniert und die Körpertemperatur misst. Dafür erhalten sie den CBM-Sonderpreis Jugend forscht Nordrhein-Westfalen.

Bensheim/Aachen, 11. Juni 2019. Wenn das Herz aus dem Takt gerät – und das nicht im übertragenen Sinn – setzen Ärzte ein Langzeit-EKG ein, um dem Problem auf die Spur zu kommen. Das tut zwar nicht weh, kann aber zu Hautreaktionen bei Patienten führen. Jonas Dilchert (19) aus Aachen und Janno Schade (19) aus Würzburg haben für das EKG ein T-Shirt entwickelt, das ohne diese Nebenwirkung funktioniert und sogar noch die Körpertemperatur misst. Dafür erhalten die beiden jungen Männer vom Schüler-Forschungszentrum-Nordhessen in Kassel den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) „Innovationen für Menschen mit Behinderungen“. Der Preis wurde im Rahmen des Landeswettbewerbs Nordrhein-Westfalen der Stiftung „Jugend forscht“ verliehen.

T-Shirt misst Vitalfunktionen

Beim EKG werden Elektroden mit Saugknöpfen und einem Gel auf die Brust geklebt und bleiben dort für 24 Stunden. Ein kleines Gerät zeichnet die Herzaktivitäten auf. Einige Patienten bekommen von den Saugknöpfen und dem Elektroden-Gel eine Kontaktallergie – nicht so bei dem EKG von Jonas Dilchert und Janno Schade: Die beiden haben die Mess-Elektroden so in ein T-Shirt eingearbeitet, dass weder Saugknöpfe noch Gel erforderlich sind. Auch die Kabel verlaufen sicher durch Schlaufen zu einem Gerät, dass am Gürtel befestigt wird. Das Shirt misst außerdem noch regelmäßig die Körpertemperatur und ist mit einem Notrufsystem ausgestattet. Die Daten werden auf einer kleinen Speicherkarte im Gerät gesammelt. Somit kann das Shirt auch präventiv getragen werden und den Rettungskräften im Ernstfall wichtige Informationen liefern.

Die Wahrscheinlichkeit an einer Herzerkrankung zu versterben, steigt mit zunehmendem Alter: „Herz-Kreislauf-Probleme sind laut Weltgesundheitsorganisation die häufigste Todesursache überhaupt, und die Anzahl der Erkrankungen steigt an. In 75 Prozent der Fälle leben die Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern“, weiß CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus. „Gleichzeitig ist die Gesundheitsversorgung gerade in abgelegenen Regionen in Afrika oder Asien sehr schlecht. Das sehen wir täglich in unserer Arbeit für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern.“ Allein deshalb erachtet Brockhaus die Erfindung der beiden Schüler als weitsichtig. „Ich kann mir gut vorstellen, dass so ein Shirt nicht nur hierzulande zum Einsatz kommt und auch dort genauere Untersuchungen erlaubt, wo es keine Spezialisten vor Ort gibt.“

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus, die bei Jugend forscht eingereicht werden. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird im Oktober bei den Science Days in Rust vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Mehr als 110 Jahre Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit mehr als 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 530 Projekte in 54 Ländern.