Smarte Therapie: App hilft MS-Patienten

Schüler aus Papenburg gewinnen Jugend-forscht-Sonderpreis der CBM

Zwei Jugendliche, Junge und Mädchen, sind die Gewinner des Jugend forscht Sonderpreises 2018 (Niedersachsen) für die Entwicklung einer Smartphone App, die die Behandlung von MS-Patienten unterstützt. © CBM/Andreas Bauer
Lilian Jasmina Rieke und Tim-Lorenz Depping (v.l.) haben eine Smartphone-App entwickelt, die die Behandlung von MS-Patienten unterstützt. Dafür erhalten sie den Jugend-forscht-Sonderpreis der CBM für Niedersachsen.

Bensheim/Papenburg, 24. April 2018. Multiple Sklerose (MS) kann zwar nicht geheilt, aber behandelt werden. Und genau diese Behandlung unterstützt die Smartphone-App von Lilian Jasmina Rieke (18) und Tim-Lorenz Depping (18) vom Gymnasium Papenburg. Dafür erhalten die Schülerin und der Schüler den Sonderpreis "Innovationen für Menschen mit Behinderungen" der Christoffel-Blindenmission (CBM). Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs Niedersachsen der Stiftung "Jugend forscht" vergeben.

App kann Standarttests ersetzen

Die Symptome von MS sind bei jedem Menschen anders. Die Nervenkrankheit verläuft schubartig, hat viele Symptome und kann zu dauerhaften Behinderungen führen. Häufig haben Betroffene Gefühlsstörungen in Armen und Beinen, sie werden kraftlos und können ihre Arme und Beine immer weniger bewegen. Krankengymnastik lindert die Beschwerden und erhält die Beweglichkeit. Durch regelmäßige Tests ermitteln Neurologen das Krankheitsstadium und den Erfolg der Therapie. Mit der von den beiden Gymnasiasten entwickelten App "MSHealth" können Patienten sich selbst überprüfen und gezielt ihren Arzt über die Ergebnisse informieren. CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus betont den Mehrwert dieser Erfindung: "Gerade in Regionen, wo es wenig Spezialisten gibt, bietet die App die Chance auf eine bessere Versorgung und Behandlung. In Entwicklungsländern, in denen die CBM tätig ist, könnte die Smartphone-Anwendung in kleineren Gesundheitsstationen auf dem Land eingesetzt werden und die Therapie beim weiter entfernten Spezialisten unterstützen."

Bei einem der Standardtests müssen Patienten neun Stäbchen jeweils einzeln aus einer Mulde greifen, in ein Loch eines Steckbrettes einstecken und anschließend die Stäbchen einzeln wieder in der Mulde ablegen. Die App simuliert diese Kontrolle der Feinmotorik mit einem Kreis, der auf dem Bildschirm des Smartphones mit den Fingern an einen anderen Ort bewegt werden muss. Tim-Lorenz und Lilian Jasmina konnten nachweisen, dass die Daten ihres Tests ebenso aussagekräftig sind wie die Daten der herkömmlichen Untersuchungen.

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird im Oktober bei den Science Days in Rust vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Seit über 100 Jahren Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit über 100 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 628 Projekte in 59 Ländern.