Unfallfrei dank Handy

Schüler aus Bickenbach gewinnt Jugend-forscht-Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission

Ein Junge sitzt an einem Schreibtisch, vor ihm verschiedene elektronische Geräte. Vor seine Augen hält er sich zwei kleine Vergrößerungsgläser. © Merck
Sarthak Saxena (15) aus Bickenbach hat ein Smartphone-basiertes Navigationssystem für blinde Menschen entwickelt. Dafür er erhält er den CBM-Sonderpreis Jugend forscht Hessen.

Bensheim/Bickenbach, 12. Juni 2019. Ein entgegenkommender Fußgänger oder ein Bürgersteig, der zu stark abgeflacht ist und mit dem Taststock nicht wahrgenommen wird – beides kann für Menschen mit Sehbehinderung gefährlich werden. Sarthak Saxena (15) aus Bickenbach hat sich dieses Problems angenommen und eine Smartphone-basierte Lösung entwickelt. MAVIN heißt sein Navigationssystem für blinde Menschen. Dafür erhält der Schüler der State International School in Seeheim-Jugenheim den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) „Innovationen für Menschen mit Behinderungen“. Der Preis wurde im Rahmen des Landeswettbewerbs Bremen der Stiftung „Jugend forscht“ verliehen.

Handy und Sensoren statt Taststock

Für sehende Menschen ist es nur schwer vorstellbar mit geschlossenen Augen durch die Stadt zu laufen, zu groß ist die Angst, von einem Fahrzeug erfasst zu werden oder vom Weg abzukommen. Menschen mit Sehbehinderungen sind es hingegen gewohnt, sich mit Taststock oder Blindenhund fortzubewegen, für beides benötigen sie aber eine freie Hand. Sarthak Saxena findet das unpraktisch und hat deshalb ein Smartphone modifiziert. Allgemein gelten Handys im Straßenverkehr eher als Gefahr, nicht so Sarthaks Erfindung MAVIN: Das Handy und ein zusätzlicher Sensor werden am Gürtel befestigt, um die Hände frei zu haben. Um zu funktionieren, müssen auf dem Bürgersteig QR-Codes verlegt werden. Das Handy entschlüsselt die QR-Codes und gibt die darin enthaltenen Informationen an den Träger per Sprachausgabe weiter. So weiß er, wo er sich befindet. Der Ultraschallsensor alarmiert zusätzlich vor Hindernissen. Für eine breite Anwendung will Sarthak künftig statt der QR-Codes Telefonmasten und GPS als Navigationspunkte einsetzen und so sicherstellen, dass Menschen mit Sehbehinderung auch ohne Taststock sicher durch den Verkehr kommen.

„Die Gedanken, die sich Sarthak gemacht hat, sind großartig. Er hat sich eines Problems ganz neu angenommen und mit moderner Technik in Verbindung gebracht. Nur so entstehen Innovationen, und nur mit Innovationen kann es Verbesserungen geben“, lobt CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus. „Auch die CBM setzt aktuell verstärkt auf Innovationen bei ihrer Arbeit für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Zum Beispiel nutzen wir eine Smartphone-App, mit der Laien zuverlässig das Sehvermögen von Menschen testen können. Auch die Idee von Sarthak hat großes Potential.“

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus, die bei Jugend forscht eingereicht werden. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird im Oktober bei den Science Days in Rust vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Mehr als 110 Jahre Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit mehr als 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 530 Projekte in 54 Ländern.