Ein junger Mann steht zwischen einen Servierwagen und einem Tisch an dem eine Puppe sitzt und übergibt einen Teller mit Essen. © Finn Holzhauer

Essen auf autonomen Rädern

Schüler aus Schauenburg gewinnt Jugend-forscht-Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission

Bensheim/Schauenburg, 30. August 2021. Laufen und tragen – und das möglichst schnell – das ist der Alltag von Servicekräften in der Gastronomie, wie in der Pflege. Darunter leidet die Gesundheit der Angestellten. Um ihnen Wege und Lasten zu ersparen, entwickelt Finn Noah Holzhauer (18) den "TransPod ", ein autonomes Transportfahrzeug zur Entlastung von Service- und Pflegepersonal. Seine Hoffnung: Pflegekräfte, die wieder mehr Zeit für ihre Arbeit mit den Menschen haben. Dafür erhält der Achtzehnjährige, der das Schüler-Forschungszentrum Nordhessen Kassel besucht, den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) "Innovationen für Menschen mit Behinderungen". Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs Hessen der Stiftung "Jugend forscht" verliehen.

Der Jungforscher hat für seine Erfindung Feldforschung beim Restaurantbesuch betrieben: 56 Servicevorgänge analysierte er in 10 Gastronomiebetrieben. Finn Noah Holzhauer erhebt statistische Werte über Wege, Zeiten und Vorgänge. Und er zieht ökonomische und gesundheitliche Aspekte der Tätigkeit in Betracht. Das alles lässt er in die Entwicklung des TransPod fließen. Der selbstfahrende Transportwagen fährt mit dem Antrieb eines Akkuschraubers. Infrarotsensoren ermöglichen die Navigation mithilfe von Linienverfolgung, die das Gerät durch Markierungen am Boden erkennt. Ergänzt wird das ganze durch ein GPS-System zur autonomen Navigation im Außenbereich. Außerdem kann es per Handy oder Tablet ferngesteuert werden. Die autonome Steuerung ist wie das ganze System modular, alles ist also leicht auszuwechseln. So kann Finn Noah Holzbauer das Transportfahrzeug den verschiedenen Nutzungsanforderungen der Servicetätigen in Gastronomie oder der Pflege anpassen. Eines ist ihm aber wichtig: Das Gerät soll die Menschen nicht ersetzen, sondern sie ergonomisch unterstützen.

Pflegekräfte entlasten

CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus: "Wenn Pflegekräfte am Belastungslimit arbeiten, leidet der menschliche Kontakt. Dass Finn Noah Holzhauer sich dieses Problems annimmt und eine fundierte, praxisnahe Lösung präsentiert, ist preiswürdig und wir gratulieren ihm zu dieser Leistung." CBM-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind in den ärmsten Regionen der Welt im Einsatz, um Menschen mit Behinderungen zu helfen - auch in Krankenhäusern und Rehabilitationseinrichtungen. Brockhaus erläutert: "Aus der Arbeit in den Projekten vor Ort wissen wir, wie viel Kraft die Pflege erfordert. Daher begrüßen wir jede Innovation, die die Pflegenden entlastet, damit sie mehr Zeit für ihre unersetzliche Arbeit mit den Menschen haben."

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus, die bei Jugend forscht eingereicht werden. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird pandemiebedingt online verliehen und ist mit 300 Euro dotiert.

Über die CBM

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den international führenden Organisationen für inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt – und das seit mehr als 110 Jahren. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt sie dafür, dass sich das Leben von Menschen mit Behinderungen grundlegend und dauerhaft verbessert. Sie leistet medizinische Hilfe und setzt sich für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ein. Ziel ist eine inklusive Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Fähigkeiten einbringen können und niemand zurückgelassen wird. Im vergangenen Jahr förderte die CBM 460 Projekte in 48 Ländern.