Alarm für gehörlose Menschen

Schülerinnen aus Bremen gewinnen Jugend-forscht-Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission

Zwei junge Frauen sitzen vor einer Bücherwand an einem Schreibtisch und zeigen die Bauteile und Utensilien, die sie für ihr vibrierendes Armband benötigen. © Hassan Mahmoud
(v.l.) Nusyba Al-Semadi und Zeinab Ali haben ein vibrierendes Armband entwickelt, das den Träger vor Gefahren warnt. Dafür erhalten sie den CBM-Sonderpreis Jugend forscht Bremen.

Bensheim/Bremen, 7. Juni 2019. Die Vorstellung ist erschreckend: Es gibt ein Feuer, der Alarm geht los und man kann ihn einfach nicht hören. Nusyba Al-Semadi und Zeinab Ali haben sich das ausgemalt und sofort auf die Suche nach einer Lösung gemacht. Sie entwickelten ein vibrierendes Armband. Die Schülerinnen des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums in Bremen erhalten dafür den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) „Innovationen für Menschen mit Behinderungen“. Der Preis wurde im Rahmen des Landeswettbewerbs Bremen der Stiftung „Jugend forscht“ verliehen.

Vibration als Warnung

Ein Feuer in der Küche, das Klingeln des Postboten an der Tür oder schlichtweg der Wecker – Menschen mit Hörbehinderungen können mit einem gewöhnlichen Alarm nichts anfangen. Nusyba und Zeinab aus Bremen haben deshalb etwas entwickelt, das hier Abhilfe schafft: Ein Armband, das vibriert und damit gehörlose Menschen, selbst wenn sie schlafen, auf die Gefahr oder das Ereignis aufmerksam macht. Damit der Armbandträger eine akute Warnung von einem Türklingeln unterscheiden kann, vibriert das Armband jeweils anders. Befestigt wird es ganz einfach am Handgelenk. Über die eingebaute Antenne empfängt es die Funksignale des speziellen Rauchsensors und der extra angefertigten Türklingel. Das Armband selbst ist als Wecker programmiert. Hier wollen die zwei noch eine Uhr einbauen, die dann die reale Zeit anzeigt und die Weckfunktion noch praktikabler macht.

„Nusyba und Zeinab haben sich nicht nur in die Lage gehörloser Menschen hineinversetzt, sie haben auch ein Hilfsmittel entwickelt, das gleich drei Alltagsprobleme löst“, lobt CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus die Entwicklung der Schülerinnen. „Die CBM arbeitet in Entwicklungsländern für die Eigenständigkeit und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen. Das Armband mit Vibrationsalarm kann einen großartigen Beitrag zur Selbstständigkeit der Betroffenen leisten.“

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus, die bei Jugend forscht eingereicht werden. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird im Oktober bei den Science Days in Rust vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Mehr als 110 Jahre Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit mehr als 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 530 Projekte in 54 Ländern.