Besser zu Fuß

Schüler aus Cottbus gewinnt Jugend-forscht-Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission

Junge mit Schuheinlagen in der Hand © Kühn

Bensheim/Cottbus. Wer Rückenproblemen auf den Grund geht, landet oft bei den Füßen: Fehlstellungen und ungleichmäßige Belastungen der Füße führen häufig zu Verspannungen. Sensomotorische Einlagen in den Schuhen sollen da dauerhaft Abhilfe schaffen, doch ihre Wirkkraft ist umstritten. Felix Kühn (17) aus Cottbus hat die Füße solcher Einlagenträger genauer unter die Lupe genommen und eine Muskelstärkung festgestellt. Dafür erhält der Schüler des Max-Steenbeck-Gymnasiums den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) „Innovationen für Menschen mit Behinderungen“. Der Preis wurde im Rahmen des Landeswettbewerbs Brandenburg der Stiftung „Jugend forscht“ verliehen.

Veränderungen nachgewiesen

Für eine gute Fußstellung spielen das Quer- und das Längsgewölbe des Fußes eine Rolle. Ist das Quergewölbe abgesenkt, hat man einen Spreizfuß, der vorne breiter ist. Beim Senkfuß ist das Längsgewölbe abgesenkt. Sensomotorische Einlagen erheben den Anspruch, die Muskulatur zu stärken. So werden die Fußgewölbe dauerhaft gehoben und die Einlagen überflüssig. Aktuell sind sensomotorische Einlagen jedoch keine Kassenleistung, weil ihre Wirkung nicht ausreichend belegt ist.

Der 17-jährige Felix Kühn hat deshalb die Länge der Fußgewölbe von zehn Patienten vor der Einlagen-Therapie gemessen und ein halbes Jahr später erneut. Er konnte so nachweisen, dass die Muskulatur gestärkt wurde. Der Jungforscher gibt zu bedenken, dass die Versuchsdauer sehr kurz war und Schlussfolgerungen deshalb nur bedingt möglich sind. Eine Wirkung kann er aber dennoch ableiten und empfiehlt größer und länger angelegte Studien mit ähnlichem Aufbau.

„Die Forschung von Felix ist spannend und sollte auf jeden Fall weitergeführt werden – auch für Menschen mit Behinderungen“, befindet CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus. „In unseren Projekten in Entwicklungsländern behandeln wir Fußfehlstellungen aller Art – vor allem solche, die gravierend die Lebensqualität der Betroffenen beeinflussen. Felix‘ Untersuchung gibt Hoffnung, dass ihnen dauerhaft geholfen werden kann und dass sie langfristig ohne Hilfsmittel durchs Leben gehen können.“

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus, die bei Jugend forscht eingereicht werden. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird im Oktober bei den Science Days in Rust vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Mehr als 110 Jahre Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit mehr als 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 530 Projekte in 54 Ländern.