Mit den Ohren sehen

Schüler aus Berlin gewinnen Jugend-forscht-Sonderpreis der CBM

Zwei Jugendliche haben ein Gerät entwickelt, mit dem die Umgebung über Töne wahrnehmbar ist. © Ralf Dorn
(v.l.) Yorick Zeschke (15) und Jonas Wanke (17) haben ein Gerät entwickelt, mit dem die Umgebung über Töne wahrnehmbar ist. Dafür erhalten sie den Jugend-forscht-Sonderpreis der CBM für Berlin.

Berlin/Bensheim, 15. Mai 2018. Sich in einem Raum zu orientieren ist für Menschen mit Sehbehinderung schwierig. Jonas Wanke (17) und Yorick Zeschke (15) haben ein Gerät entwickelt, mit dem man die Umgebung über Töne wahrnehmen kann. Dafür erhalten die Schüler des Heinrich-Hertz-Gymnasiums in Berlin den Sonderpreis "Innovationen für Menschen mit Behinderungen" der Christoffel-Blindenmission (CBM). Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs Berlin der Stiftung "Jugend forscht" vergeben.

Aus Bildern werden Töne

Yorick Zeschke hat selbst eine Sehbehinderung. Aktuell nimmt er mit dem linken Auge noch 30 Prozent wahr, eines Tages sieht er vielleicht gar nichts mehr. Mit "Dosuas", das der Neuntklässler Yorick gemeinsam mit dem Zwölftklässler Jonas entwickelt hat, kann er den Raum künftig akustisch erkunden. "Dosuas" steht für "Device for Orientation in Space Using Audio Signals" (Gerät zur Orientierung im Raum durch Audiosignale).

Eine 3D-Kamera zeichnet dazu die Umgebung auf, auch Entfernungen kann sie errechnen. Die entwickelte Software der beiden jungen Erfinder wandelt die Daten der Kamera in Töne um, die über Stereokopfhörer dem Träger wiedergegeben werden. Dabei sind Frequenz, Spieldauer, Position und Lautstärke von Bedeutung. Eine Wand ist beispielsweise ein gleichmäßiger und ununterbrochener Ton. Eine Ecke oder ein spitzer Gegenstand ruft einen Sprung zu einer anderen Tonhöhe hervor. Je lauter ein Ton, desto näher ist das Objekt.

"Gerade für Späterblindete kann Dosuas eine tolle Möglichkeit sein, sich weiterhin selbständig zu bewegen", lobt Dr. Rainer Brockhaus, Vorstand der CBM. "Das Gerät kann vor einem Regal warnen, das in den Raum ragt, oder vor einem offenen Fenster. Solche Gefahren kennen auch Menschen mit Sehbehinderungen in Entwicklungsländern, wo die CBM tätig ist. Deshalb klingt das Konzept für uns vielversprechend."

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird im Oktober bei den Science Days in Rust vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Seit über 100 Jahren Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit über 100 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 628 Projekte in 59 Ländern.