Hoch hinaus – praktisch und inklusiv

Schüler aus Rottweil gewinnt Jugend-forscht-Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission

Ein junger Mann klettert in einer Kletterwand, die viele unterschiedlich große, buntbeleuchtete Griffe hat. © Jürgen Gräber
Johannes Zill (16) hat eine Kletterwand entwickelt, die mit Licht den Weg zeigt, und dadurch Menschen mit Sehbehinderungen ein selbständiges und gezieltes Training ermöglicht. Dafür er erhält er den CBM-Sonderpreis Jugend forscht Baden-Württemberg.

Bensheim/Rottweil, 5. Juni 2019. Eine Kletterwand, die mit Licht den Weg zeigt, ermöglicht Menschen mit Sehbehinderungen ein selbständiges und gezieltes Training – und damit die Teilhabe an vielfältigen Aktivitäten. Auch für die Rehabilitation nach Verletzungen oder einem Schlaganfall ist die Kletterwand von Johannes Zill (16) bestens geeignet. Dafür erhält der Schüler des Leibniz Gymnasiums in Rottweil den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) „Innovationen für Menschen mit Behinderungen“. Der Preis wurde im Rahmen des Landeswettbewerbs Baden-Württemberg der Stiftung „Jugend forscht“ verliehen.

Sensoren und Leuchtgriffe sind der Clou

Individuell steuerbare LEDs machen die Griffe an der Kletterwand gut sichtbar. So finden Menschen, die Farben nicht erkennen oder nur hell und dunkel unterscheiden können, trotzdem eigenständig den festgelegten Trainingsweg. Der Weg lässt sich so auch gemeinsam und auf Augenhöhe von Menschen mit und ohne Sehbehinderungen erklettern.

Dank Sensoren, die unter den Klettergriffen installiert sind, werden die Kräfte gemessen, die der Kletterer auf die Griffe ausübt. So kann er feststellen, ob er zum Beispiel zu viel mit den Beinen arbeitet und die Arm-Arbeit gezielt ausbauen muss. Das ist vor allem dann interessant, wenn Klettern als Reha-Maßnahme nach einem Schlaganfall oder einer Gelenkverletzung eingesetzt wird. Zusätzlich lässt sich die Wand einfach umgestalten. So kann die relativ kleine Fläche individuell an das Trainingsniveau und die Körpergröße des Nutzers angepasst werden.

„Sport eignet sich hervorragend für Inklusion und die Kletterwand von Johannes bietet ja noch viel mehr“, lobt Dr. Rainer Brockhaus Vorstand der CBM die Entwicklung des 16-Jährigen. „Wie motivierend Spaß bei der Rehabilitation ist, sehe ich auch beim Besuch unserer Projekte für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Gerade bei Kindern kann es zu großen und schnellen Fortschritten führen, wenn die Therapie kreativ ist und Freude macht.“

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus, die bei Jugend forscht eingereicht werden. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird im Oktober bei den Science Days in Rust vergeben und ist mit 300 Euro dotiert.

Mehr als 110 Jahre Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit mehr als 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 530 Projekte in 54 Ländern.