App warnt vor Hindernissen

Schüler aus Dossenheim erhält Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission

Ein junger Mann steht am Straßenrand vor einem Begrenzungsgitter. In der Hand hält er ein Handy. © S. Freudenberg
Gabriel Ben Freudenberg aus Dossenheim hat eine Handy-App entwickelt, die sehbehinderte Nutzer vor Gefahren warnt. Dafür erhält er den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission "Innovationen für Menschen mit Behinderungen".

Bensheim/Dossenheim, 3. August 2021. Schranken sind ein Problem für Menschen mit Sehbehinderungen. Das weiß Gabriel Ben Freudenberg (17). Mit einem Taststock können Hindernisse in einem gewissen Abstand zum Boden oft nicht rechtzeitig erkannt werden. Wer da nichts ahnend hinein läuft, kann sich schnell verletzen. Um dieses Problem zu lösen, hat der Gymnasiast aus Dossenheim eine Anwendung fürs Handy entwickelt, die Barrieren im öffentlichen Raum erkennt. Die App warnt die Nutzer vor Gefahren. Für diese Entwicklung erhält der Schüler des Sankt-Raphael Gymnasiums Heidelberg den Sonderpreis der Christoffel-Blindenmission (CBM) "Innovationen für Menschen mit Behinderungen". Der Preis wird im Rahmen des Landeswettbewerbs Baden-Württemberg der Stiftung "Jugend forscht" verliehen.

Wegsperren sind ein typisches Hindernis. Sie bestehen aus mindestens zwei Pfosten, verbunden durch Stange oder eine Kette. Hunderte dieser Barrieren hat der Gymnasiast im Dossenheimer Stadtraum fotografiert. Damit fütterte er eine Datenbank und "trainierte" so seine selbst entwickelte App "Smart Urban Support 2.0", diese Hindernisse selbstständig zu erkennen. Künstliche Intelligenz in Form einer App, das kann Menschen mit Sehbehinderungen den Alltag erleichtern. Denn die App erkennt nicht nur die Hindernisse, sie meldet ihre Position und den Abstand zum Hindernis über Vibrationen an den Nutzer. Dafür hat der Jungforscher zusätzlich einen Gürtel entwickelt. Über die kabellose Datenübertragungs-Technik Bluetooth ist das Handy-Programm mit mehreren Mini-Motoren an diesem Gürtel verbunden und gibt so die Informationen zum Hindernis an den Träger weiter. Die App kann über eine Sprachfunktion gesteuert werden. Blinde Menschen können sich so noch sicherer selbstständig fortbewegen.

Keine Beschränkung durch Schranken

Die App stellt Gabriel Ben Freudenberg allen Menschen weltweit kostenlos zur Verfügung, und auch der Vibrationsgürtel besteht aus kostengünstigen Bauteilen. "Wir brauchen mehr Menschen, die sich lösungsorientiert mit dem öffentlichen Raum aus der Perspektive von Menschen mit Behinderungen befassen", sagt CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus. "Aus der Arbeit in unseren Projekten weltweit wissen wir, dass eine vermeintlich harmlose Absperrung für Menschen mit Sehbehinderungen großes Verletzungsrisiko birgt. Gabriel Ben Freudenberg hat dieses Problem erkannt, dafür eine Lösung entwickelt und diese bis zur Anwendungsreife gebracht. Die kostengünstige Erfindung ist auch für Menschen in armen Ländern interessant", lobt der Vorstand der CBM.

Landessieger haben Chance auf CBM-Bundespreis

Der CBM-Sonderpreis zeichnet jedes Jahr kreative Studien und Erfindungen aus, die bei Jugend forscht eingereicht werden. Als Organisation für Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern legt die CBM Wert darauf, dass die Arbeiten gerade ihnen den Alltag erleichtern können. Denn von den eine Milliarde Menschen mit Behinderungen leben 80 Prozent in den ärmsten Regionen der Welt. Prämiert werden außerdem Arbeiten, die sich mit dem Zusammenhang von Krankheit und Behinderung befassen oder einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit leisten. Alle ausgezeichneten Landessieger haben die Chance, den von der CBM ausgeschriebenen Bundessonderpreis zu erhalten. Dieser wird pandemiebedingt online verliehen und ist mit 300 Euro dotiert.

Über die CBM

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den international führenden Organisationen für inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt – und das seit mehr als 110 Jahren. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt sie dafür, dass sich das Leben von Menschen mit Behinderungen grundlegend und dauerhaft verbessert. Sie leistet medizinische Hilfe und setzt sich für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ein. Ziel ist eine inklusive Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Fähigkeiten einbringen können und niemand zurückgelassen wird. Im vergangenen Jahr förderte die CBM 460 Projekte in 48 Ländern.