"Unser Thema trennt die Spreu vom Weizen"

Interview mit dem Politikexperten der Christoffel-Blindenmission zur Bundestagswahl

Ein Mann in einem dunklen Anzug. © CBM
Michael Herbst leitet die politische Arbeit bei der CBM.

Bensheim, 1. September 2021. Kanzler oder Kanzlerin? Diese Frage klärt sich in Deutschland für die kommenden Jahre am 26. September. Wer auf Bundeskanzlerin Angela Merkel folgen wird, ist offen. Die Meinungsumfragen und Wahltrends zeigen nur eines: Es scheint spannend zu bleiben bis zum Schluss. Was die Wahlprogramme über die künftige Entwicklungszusammenarbeit aussagen, hat sich Michael Herbst von der Christoffel-Blindenmission (CBM) genauer angeschaut. Er leitet die politische Arbeit bei der CBM. Sein Fokus liegt auf Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Regionen der Welt. Welche Unterstützung können sie erwarten? Wir haben mit ihm gesprochen:

Herr Herbst, welche Themen standen für Sie im Mittelpunkt Ihrer Wahlprogramm-Analyse?

Michael Herbst: "Als CBM setzen wir uns dafür ein, dass Menschen mit Behinderungen in der Mitte der Gesellschaft leben, vor allem in den ärmsten Regionen der Welt. Und da ist die Gesundheitsversorgung ein wichtiges Thema, aber auch Bildung und Menschenrechte. Wir haben geschaut, was wollen die Parteien tun, um die Schwächsten der Gesellschaft in der Entwicklungshilfe, der humanitären Hilfe nicht zurückzulassen."

Und wie steht es da um die Programme der großen Parteien?

Michael Herbst: "Bei unserem Thema ‚Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern‘ trennt sich die Spreu vom Weizen. Es gibt Parteien, die sagen ganz klar, wie sie die Menschenrechte für behinderte Menschen sicherstellen wollen. Es gibt Parteien, die beschränken sich darauf zu sagen, wir wollen niemanden zurücklassen in unserer Entwicklungspolitik. Und eine Partei sagt eigentlich nichts dazu."

Wenn Sie sich etwas von der künftigen Regierung wünschen könnten, was wäre das?

Michael Herbst: "Dass aus Worten Taten werden! Wir müssen schauen, dass wir eine wirtschaftliche Existenzgrundlage schaffen und soziale und kulturelle Rechte von Menschen mit Behinderungen gerade in Entwicklungsländern gewährleisten. Und da geht es für die künftigen Regierenden darum, das Geld bereitzustellen, Ziele zu formulieren, Zeitpläne zur formulieren, Daten zu besorgen, verbindliche Vorgaben zu machen, um sich dann gemeinsam mit Menschen mit Behinderungen ans Werk zu machen."

Wie konkret können unsere Leser die CBM unterstützen?

Michael Herbst: "Wir führen noch bis zur Bundestagswahl eine Unterschriftenaktion durch. Da fordern wir etwas, das eigentlich selbstverständlich sein sollte, nämlich ein Recht für alle Menschen, auch und gerade für Menschen mit Behinderungen, auf Wasser, auf Sanitärversorgung, auf Hygiene. Wir wollen die Unterschriften, die wir bis zur Bundestagswahl sammeln, den Abgeordneten des künftigen Parlaments vorlegen und sie somit zum Handeln zwingen. Also bitte unterschreiben Sie! Und das Zweite ist: Wir haben einfach mal zusammengestellt, was sagen die einzelnen Parteien? Bitte schauen Sie sich das an vor Ihrer Wahlentscheidung. Beides findet man unter www.cbm.de/wahlcheck."

 

Über die CBM

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den international führenden Organisationen für inklusive Entwicklungszusammenarbeit. Sie unterstützt Menschen mit Behinderungen in den ärmsten Ländern der Welt – und das seit mehr als 110 Jahren. Gemeinsam mit ihren lokalen Partnern sorgt sie dafür, dass sich das Leben von Menschen mit Behinderungen grundlegend und dauerhaft verbessert. Sie leistet medizinische Hilfe und setzt sich für gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe ein. Ziel ist eine inklusive Welt, in der Menschen mit und ohne Behinderungen ihre Fähigkeiten einbringen können und niemand zurückgelassen wird. Im vergangenen Jahr förderte die CBM 460 Projekte in 48 Ländern.