Unsichtbar und vergessen

CBM und IDDC fordern Sichtbarkeit für Menschen mit Behinderungen

Michael Herbst, Leiter der politischen Arbeit bei der CBM ist umringt von Menschen, die er auf einem Projektbesuch in Indonesien kennenlernte. © CBM
Michael Herbst, Leiter der politischen Arbeit bei der CBM (hinten, Mitte), auf einem Projektbesuch in Indonesien. Die Errungenschaften dieser Selbsthilfegruppe, die viel für Menschen mit Behinderungen erreicht, haben ihn beeindruckt.

Bensheim/Berlin, 9. Mai 2019. Vier Jahre nach Verabschiedung der 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung ist noch immer nicht klar, wie weltweit Chancengleichheit für Menschen mit Behinderungen sichergestellt werden kann. Das bemängeln die Christoffel-Blindenmission (CBM) und das Netzwerk International Disability and Development Consortium (IDDC). Das IDDC ist ein Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen. Neben der CBM gehören dazu zum Beispiel Handicap International, Bezev und Plan International.

„Leave no one behind“, niemanden zurücklassen – das ist eines der Leitprinzipien der 2030-Agenda, doch in der Realität zeigt das Prinzip noch keine Wirkung. Denn die meisten Staaten erheben nach wie vor ihre Daten ohne spezielle und einheitliche Indikatoren für Menschen mit Behinderungen. Wer aber nicht gezählt wird, wird als Folge auch vergessen. „Wir wissen weder genau, wo es wie viele Menschen mit Behinderungen gibt, noch was sie konkret daran hindert, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“, bemängelt Michael Herbst, Leiter der politischen Arbeit bei der CBM auf der IDDC-Jahrestagung am Donnerstag (9.5.). „Und das scheint auch niemanden zu interessieren. Die Verantwortlichen verlieren sich nur in technischen Diskussionen“, ergänzt Herbst.

Dabei beinhaltet „leave no one behind“ eindeutig das Versprechen, Menschen mit Behinderungen und all jene besonders zu unterstützen, die bislang nachweislich benachteiligt wurden. Durch die spezielle Förderung soll Ungleichheit reduziert werden, und die Betroffenen sollen die gleichen Chancen bekommen wie alle in der Gesellschaft. Wenn Menschen mit Behinderungen und andere benachteiligte Gruppen nicht aufholen können in der Entwicklung, wird die Schere zwischen ihnen und dem Rest der Gesellschaft immer weiter auseinanderklaffen.

Hilfe zur Selbsthilfe dank Statistik

In Indonesien brachte das schwere Erdbeben auf der Insel Java 2006 nicht nur viele Tote. Zahlreiche Menschen erlitten schwere Verletzungen, die zu Behinderungen führten. Besonders betroffen war die Region östlich der Hauptstadt Jakarta, in der die Bevölkerung sehr arm ist. Die indonesische Regierung hat erhoben, dass 1.508 Menschen in Folge des Erdbebens mit einer Behinderung leben. Behinderte Menschen werden in Indonesien häufig ausgegrenzt, die Infrastruktur ist mangelhaft. Gerade in ländlichen Regionen leben sie deshalb oft isoliert. Die CBM und ihr Projektpartner riefen nach der Katastrophe Selbsthilfegruppen für Menschen mit Behinderungen ins Leben. Michael Herbst hat das Projekt besucht. „Die Mitglieder haben heute die Chance, sich gegenseitig zu unterstützen und sich zu helfen, weil die Katastrophe offenlegte, dass es besonders große Ungleichheit für Menschen mit Behinderungen in der Region gibt“, sagt Herbst. „Jeder einzelne von ihnen profitiert davon“, betont er.

Mehr als 110 Jahre Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit mehr als 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 530 Projekte in 54 Ländern.

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  • Der 21-jährige Loukmane aus Niger hatte früher Kinderlähmung. Heute kann er sich dank Operation und Therapie eigenständig bewegen und hat ein eigenes Fahrradgeschäft.

    Themenpaket "2030 Agenda für nachhaltige Entwicklung"

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    Im September 2015 verabschiedeten die Vereinten Nationen die 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung. Hier finden Sie Hintergrundinformationen zur Entstehung und Umsetzung der Agenda und darüber, wie sich durch die neuen nachhaltigen Entwicklungsziele das Leben von Menschen mit Behinderungen verbessern kann.

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