Ein großes langgestrecktes Gebäude mit vielen Fahnen davor. © anaglic-stock.adobe

UN-Generalversammlung: Gas geben für eine gerechte Welt

CBM fordert schnellere und konsequentere Umsetzung der 2030-Agenda

New York/Bensheim, 19. September 2019. Mitte nächster Woche treffen sich die Staats- und Regierungschefs der Vereinten Nationen (UN) zum Nachhaltigkeitsgipfel in New York. Dort überprüfen sie erstmals, ob die 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung gut umgesetzt wird und die Etappenziele erreicht wurden.

Die Agenda wurde vor vier Jahren verabschiedet. Doch die aktuellen Zahlen und Berichte deuten darauf hin: Die Staatengemeinschaft hat stellenweise versagt, zumindest für einen Teil der Menschen. „Bei Hunger sieht es heute sogar schlechter aus als 2015. Auch die Ungleichheit ist nach wie vor massiv. Einige Menschen sind reich, verdienen viel Geld und haben mehr Chancen im Leben, andere nicht. Sie haben meist leere Teller, keine finanziellen Rücklagen und keine Chancen“, kritisiert Michael Herbst, Leiter der politischen Arbeit bei der Christoffel-Blindenmission (CBM). „Die UN müssen jetzt auf den richtigen Weg abbiegen und endlich Gas geben, sonst kommen sie bis 2030 nicht einmal in die Nähe der Ziellinie.“

Geplante und gefahrene Route stimmen nicht überein

Die Route auf der Landkarte ist eingezeichnet, aber die Staatengemeinschaft folgt ihr nicht. Noch immer wird beispielsweise das zentrale Versprechen der Agenda in der Praxis weitestgehend ignoriert: Das Versprechen „Niemanden zurückzulassen“ und die, die am weitesten hinten stehen, zuerst zu erreichen. Im Vorfeld des Gipfeltreffens haben sich die Regierungen darauf geeinigt, sich mehr zu bemühen, dieses Prinzip zu realisieren. Doch Herbst ist das nicht genug: „Es ist schön, dass sie es erneut anerkennen, aber bemühen reicht schlichtweg nicht. Das zeigen die Zwischenergebnisse der vergangenen vier Jahre.“

Ohne Sprit keine Fahrt

Konkret heißt das: Es muss mehr Programme geben für die Menschen, die besonders benachteiligt sind. Zu ihnen zählen Mädchen und Jungen mit Behinderungen, die nicht zur Schule gehen können. Aber auch Erwachsene, die vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt werden und daher kein eigenes Geld verdienen können. „All diejenigen benötigen extra Hilfe. Wenn sie die nicht schnell bekommen, bleiben sie auf der Strecke“, betont Herbst. Die CBM fordert deshalb, dass alle staatlichen Entwicklungsprojekte eine Art TÜV durchlaufen: Richten sich die Programme wirklich an alle Menschen? Können auch Menschen mit Behinderungen von den Projekten profitieren und teilhaben?

Außerdem müssen schnell neue Projekte entwickelt werden, die es Menschen mit Behinderungen ermöglichen aufzuholen. Das funktioniert am besten, wenn sie selbst ans Steuer dürfen. Partizipation heißt das Stichwort. Dann kommt zum Beispiel ein barrierefreies Ausbildungscenter heraus, in dem sie einen Beruf lernen können. Oder sie gründen gemeinsam ein Unternehmen, mit dem sie für ihren Lebensunterhalt sorgen können.

Für echte Chancengerechtigkeit muss von der Politik aber auch Geld zur Verfügung gestellt werden. Ohne entsprechende Budgets fehlt der Treibstoff, der nachhaltige und inklusive Entwicklung anschiebt.

Mehr als 110 Jahre Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit mehr als 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 525 Projekte in 55 Ländern.

Zum kostenlosen Download

  • Der 21-jährige Loukmane aus Niger hatte früher Kinderlähmung. Heute kann er sich dank Operation und Therapie eigenständig bewegen und hat ein eigenes Fahrradgeschäft.

    Themenpaket "2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung"

    pdf3.2MB, barrierefrei

    Im September 2015 verabschiedeten die Vereinten Nationen die 2030-Agenda für nachhaltige Entwicklung. Hier finden Sie Hintergrundinformationen zur Entstehung und Umsetzung der Agenda und darüber, wie sich durch die neuen nachhaltigen Entwicklungsziele das Leben von Menschen mit Behinderungen verbessern kann.

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