Note "mangelhaft" für Bundesregierung

Die CBM fordert stärkeres Engagement im Bereich der Grundbildung

Finger ertasten Blindenschrift © CBM
An drei Schulen in Madagaskar lernen blinde Kinder die Brailleschrift und erhalten eine fünfjährige Grundbildung. Danach können sie in ein spezielles Berufsbildungsprogramm oder auf weiterführende Regelschulen wechseln.

Bensheim, 28. August 2018. In diesen Wochen beginnt in Deutschland wieder die Schule. Was manche Kinder hierzulande als lästige Pflicht empfinden, ist woanders für viele Altersgenossen ein ferner Traum: Laut UNESCO besuchen derzeit 263 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit keine Schule. Besonders betroffen sind die Ärmsten der Armen, vor allem Kinder mit Behinderungen in Entwicklungsländern: Neun von zehn von ihnen können nicht zur Schule gehen. Vor diesem Hintergrund fordert die Christoffel-Blindenmission (CBM) von der deutschen Bundesregierung ein noch stärkeres Engagement, um das Recht auf Bildung für alle zu gewährleisten. "In einem Schulzeugnis würde die weltweite Bildungsförderung durch Deutschland mit mangelhaft benotet", erklärt CBM-Vorstand Dr. Rainer Brockhaus. "Das Entwicklungsministerium setzt stark auf die Förderung beruflicher Ausbildung. Das hilft aber wenig, wenn Kinder nie eine Schule besucht haben und ihnen wichtige Schlüsselqualifikationen fehlen."

Finanzielle Zusagen reichen nicht aus

Deutschlands finanzielle Zusagen für die Globale Bildungspartnerschaft belaufen sich für das Jahr 2018 auf insgesamt 18 Millionen Euro – der deutschen Wirtschaftskraft angemessen wären jedoch 100 Millionen Euro jährlich. Brockhaus: "Die von der CBM geforderte Aufstockung der Förderung muss vor allem in Programme fließen, die der Grundbildung von Menschen mit Behinderungen und anderen benachteiligten Gruppen zu Gute kommen." Denn noch fehlt es gerade in Entwicklungsländern an barrierefreien Schulen, an geeignetem Lehrmaterial sowie an Fachkräften, die für den Unterricht von behinderten und nicht behinderten Kindern ausgebildet sind.

CBM-Schulprojekt in Madagaskar als positives Beispiel

Wie solche Programme in der Praxis aussehen können, zeigt ein CBM-Projekt in Madagaskar: An drei Schulen in verschiedenen Landesteilen erhalten derzeit rund 100 blinde, seh- oder mehrfach-behinderte Kinder eine fünfjährige Grundbildung. Danach können sie in ein spezielles Berufsbildungsprogramm oder auf weiterführende Regelschulen wechseln. Mit Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wandelt die CBM diese drei Schulen jetzt in Kompetenzzentren für inklusive Bildung um. Zu den Maßnahmen gehören der Bau und die Ausstattung neuer Klassenzimmer, die Anschaffung von Lernmaterial sowie Fortbildungen von Lehrkräften. Ziel ist es, mehr Kinder aufnehmen zu können, die Qualität des Unterrichts zu verbessern sowie die umliegenden Regelschulen beim gemeinsamen Unterrichten von Kindern mit und ohne Behinderungen zu unterstützen. "Die Förderung dieses Projekts durch das Entwicklungsministerium ist ein ermutigendes Signal", betont CBM-Vorstand Brockhaus. "Wir wünschen uns, dass dies kein Einzelfall bleibt und inklusive Grundbildung dauerhaft einen höheren Stellenwert erhält."

Seit 110 Jahren Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 530 Projekte in 54 Ländern.