Corona-Pandemie als Krise in der Krise: Hilfe für Flüchtlinge in Nigeria

Christoffel-Blindenmission verteilt Essenspakete an Binnenvertriebene mit Behinderungen

Ein Mann sitzt auf dem Boden und lehnt an eine Hauswand. Daneben kniet ein Mann, der auf einem Block Notizen macht. © GAMMUN
Der 64-jährige Nigerianer Mall Koni Hoki hat durch die Boko Haram sein Zuhause verloren. Die Pandemie trifft den Mann mit Sehbehinderung besonders hart. Mit Hilfe der CBM bekommt er Nahrungsmittel.

Bensheim, 14. Juli 2020. Den Nigerianer Mall Koni Hoki treffen die Auswirkungen der Corona-Pandemie besonders hart. Der 64-Jährige lebt als Binnenflüchtling im nigerianischen Bundesstaat Borno. Die Terrormiliz Boko-Haram verübt dort seit 2009 immer wieder Anschläge und Gräueltaten an der Zivilbevölkerung. Das Ergebnis: Armut, Trümmer, Tod – und Menschen, die alles verloren haben. Die Anzahl der Binnenvertriebenen stieg zeitweise auf über drei Millionen Menschen an. "Die Pandemie und ihre Auswirkungen kommen nun noch obendrauf", weiß Dr. Rainer Brockhaus, Vorstand der Christoffel-Blindenmission (CBM). "Nigeria steht auf Platz drei der Liste afrikanischer Länder mit den meisten Corona-Fällen. Das Land in Westafrika ist gleichzeitig eines der Länder, in denen eine Flüchtlingskrise herrscht, die zu den zehn am meisten vernachlässigten Flüchtlingskrisen auf der Welt zählt. Das heißt vor allem: Wenig internationale Hilfe für die Betroffenen. Die Pandemie ist eine Krise, die die Menschen in Nigeria in der Krise trifft."

Social Distancing auf beengtem Raum

Wie in vielen Ländern weltweit gab es in Nigeria einen Lockdown: Schulen sind geschlossen, der Reiseverkehr auf den Transport von Lebensmitteln und Industriegüter beschränkt, die Menschen sind zum Social Distancing aufgefordert. Für Vertriebene wie Mall Koni Hoki ein großes Problem: Eine kleine Behelfsunterkunft ist wenig geeignet für einen Rückzug und wer kein Geld hat, ausreichend Lebensmittel zu horten, den treibt der Hunger nach draußen.

Gleichzeitig lebt Mall Koni Hoki mit einer Sehbehinderung und ist auf Unterstützung von anderen angewiesen. "Unser Partner GAMMUN hilft ihm deshalb, so wie vielen Binnenvertriebenen und Bewohnern der Dörfer und Gemeinden, die die Flüchtenden beherbergen", erklärt Brockhaus. Das Projekt richtet sich vor allem an Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen, gefährdete Kinder sowie Frauen, die für viele Familienangehörige sorgen müssen, seit ihre Ehemänner und Söhne dem Terror zum Opfer gefallen sind.

CBM stockt Hilfsfonds auf drei Millionen Euro auf

Mall Koni Hoki und mehr als 4.000 weitere Menschen erhalten durch den CBM-Projektpartner im Norden Nigerias Essenspakete und Hygienekits. 50 Kilo Reis, sieben Kilo Bohnen, zwei Liter Öl, Nudeln, Suppenwürfel, Curry und Tomatenmark sollen den Betroffenen über die Zeit helfen und sie mit dem Nötigsten versorgen. Mit Einweghandschuhen und Masken können sie sich und andere schützen, an Covid-19 zu erkranken. Die Hilfe finanziert die CBM mit Mitteln aus dem eigenen Corona-Fonds. CBM-Vorstand Brockhaus: "Dank unserer Spenderinnen und Spender konnten wir den Fond gerade um eine Millionen Euro auf insgesamt drei Millionen erhöhen. So können wir noch mehr Menschen mit Behinderungen in dieser schwierigen Zeit unterstützen."

Mehr als 110 Jahre Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit mehr als 110 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 540 Projekte in 51 Ländern.