Eine blinde Frau zeigt Indien, was sie kann

Weltfrauentag: Die CBM verbessert das Leben von Frauen mit Behinderungen

Blinde Indische Frau in traditioneller Kleidung arbeitet als Finanzmanagerin © CBM
Rajani Gopalkrishna aus Indien verlor während ihres Studiums nach und nach ihr Augenlicht. Trotz vieler Hindernisse hilft sie heute als Finanzmanagerin anderen benachteiligten Frauen.

Bensheim, 2. März 2018. Rajani Gopalkrishna aus Indien gehört zu den weiblichen Pionierinnen in ihrem Land. Dafür erhielt sie jetzt vom indischen Präsidenten den renommierten "First Ladies Award". Ein Preis, der all diejenigen auszeichnet, die als erste Frau einen Meilenstein für die Gesellschaft gelegt haben: als Astronautin, Taxifahrerin oder wie Rajani als erste sehbehinderte Wirtschaftsprüferin. Die Christoffel-Blindenmission (CBM) hatte schon vor Jahren ihr Potenzial erkannt und ihr Karrierechancen geboten: Seit 2012 arbeitet Rajani als Finanzmanagerin im indischen CBM-Regionalbüro in Bangalore. Für die heute 47-Jährige ist das keine Selbstverständlichkeit. Rajani war neun Jahre alt, als sie durch eine falsche Medikation am lebensbedrohenden Stevens-Johnson-Syndrom, einer Intoleranz-Reaktion, erkrankte. Das Mädchen verlor nicht nur nach und nach ihr Augenlicht, sondern auch all ihre Freunde in der Schule: "Sie mieden mich, weil sie fürchteten, die Krankheit könnte auf sie übergreifen", erinnert sich Rajani.

Frauen mit Behinderungen sind doppelt diskriminiert

Ein Mädchen, und dann noch mit Sehbehinderung – damit war sie in einem Land extremer Gegensätze und Ungleichheiten doppelt diskriminiert. "Hinzu kommt, dass Frauen mit Behinderungen in Indien besonders häufig sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind", berichtet Rajani. Die Eltern drangen darauf, ihre Tochter zu verheiraten, um sie zu schützen. Doch die junge Frau wollte ihr Leben nicht der Gnade anderer überlassen.

Mit viel Ausdauer und Willenskraft absolvierte sie trotz fortschreitender Erblindung ihr Wirtschaftsstudium. Das Lesen fiel Rajani von Jahr zu Jahr schwerer. Immer öfter musste sie Pausen einlegen, die Augen schließen, um so Unmengen von Stoff in ihrem Kopf abzuspeichern. Mit dieser Technik und mit einer speziellen Computersoftware gelang es der jungen Frau später auch nach vollständigem Verlust des Augenlichts, den Abschluss als Wirtschaftsprüferin zu meistern.

Rajani hilft jetzt anderen

Immer noch aber haben unzählige ihrer Schicksalsgenossinnen vor allem in Entwicklungsländern kaum Aussichten auf eine angemessene Bildung, geschweige denn auf Arbeit und ein geregeltes Einkommen. Um das zu ändern, setzt sich die CBM dafür ein, mehr blinde und anders behinderte Frauen beruflich zu qualifizieren – durch Bildungsangebote, Schulungen oder Kleinkredite für den Aufbau eines eigenen Geschäfts. Das gibt ihnen die Chance, Teil der Gesellschaft zu werden und ihren eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten, so wie Rajani. Die Finanzmanagerin ist stolz darauf, heute über ihre Arbeit bei der CBM anderen benachteiligten Frauen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. So wie sie es sich selbst trotz aller Hindernisse aufgebaut hat.

Seit über 100 Jahren Entwicklungshilfe

Die Christoffel-Blindenmission (CBM) zählt zu den größten und ältesten Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit in Deutschland. Sie fördert seit über 100 Jahren Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern. Die Aufgabe der CBM ist es, das Leben von Menschen mit Behinderungen zu verbessern, Behinderungen zu vermeiden und gesellschaftliche Barrieren abzubauen. Die CBM unterstützt zurzeit 628 Projekte in 59 Ländern.