Deutscher Arzt untersucht afrikanische Frau an den Augen © CBM

"Sie stecken in einem Teufelskreis."

Seit 26 Jahren ist Dr. Martin Kollmann im Einsatz für die CBM. In Afrika bekämpft er unermüdlich die sogenannten vernachlässigten Tropenkrankheiten wie Trachom und Flussblindheit. Selbst durch die Corona-Pandemie lässt er sich nicht aufhalten ...

Deutscher Arzt bildet afrikanische Studentin aus © CBM
Am liebsten bildet Dr. Kollmann angehende Ärztinnen und Ärzte aus: "Ich mache das, weil ich davon überzeugt bin, das Richtige zu tun."

Herr Dr. Kollmann, erinnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit Trachom?

Ja, das weiß ich noch sehr genau! Ich habe in den 80er-Jahren in einem kleinen Krankenhaus in Äthiopien gearbeitet – und links und rechts von mir wurden Menschen blind durch Trachom. 

Was hat das mit Ihnen gemacht?

Ich habe meine Ausbildung zum Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe abgebrochen – ob-wohl ich fast fertig war! Zurück in Deutschland habe ich mich auf Tropenmedizin und Augenheilkunde spezialisiert, um wieder nach Afrika gehen zu können und zu helfen. 

Wie helfen Sie seitdem?

1994 wurde ich Ausbilder an der Universität in Nairobi/Kenia. Seit 2000 bin ich für die CBM tätig, seit 2010 als Fachberater für vernachlässigte Tropenkrankheiten. Als Mastertrainer für Trachom-OPs habe ich z.B. das globale Ausbildungsprogramm und eine Übungspuppe für die OPs mit entwickelt.

Operieren Sie auch noch selbst?

Ja, und das fühlt sich immer gut an! Aber am allerliebsten ist es mir, wenn ich jemanden ausbilde. Dann komme ich meinem Ziel näher: mich überflüssig zu machen!

Sie reisen für die CBM oft in Gebiete mit Tropenkrankheiten.  Stecken Sie sich nie an?

Doch. Bei Trachom passiert das schnell. Auch der Biss der Kriebelmücke, die Flussblindheit überträgt, lässt sich kaum vermeiden.

Und dann?

Als Arzt weiß ich, worauf ich achten muss, wenn ich krank werde. Aber das Wichtigste ist: Ich reise meist in Regionen, in denen die CBM Tropenkrankheiten bekämpft, etwa mit dem Medikament Mectizan gegen Flussblindheit. Wer das nimmt, wird nicht mehr blind! Das fühlt sich an wie ein Schutzschirm.

Wenn es Schutz gibt, warum sind noch 1,5 Milliarden Menschen von Tropenkrankheiten bedroht?

Weil es viele arme Menschen gibt. Vernachlässigte Tropenkrankheiten sind Krankheiten vernachlässigter Menschen. Sie entstehen dort, wo die Systeme schwach sind. Ganz schlimm ist es, wenn Katastrophen dazukommen wie die Heuschreckenplage in Ostafrika oder Kriege. Es trifft die Ärmsten in den Slums und Dörfern. Sie stecken in einem Teufelskreis.

Wie sieht dieser Teufelskreis aus?

Wer blind wird, kann sein Feld nicht mehr bestellen. Dann müssen die Kinder zu Hause helfen, statt zur Schule zu gehen. Sie stecken sich immer neu z.B. mit Trachom an und werden dadurch selbst blind. Ohne Hilfe gibt es für diese Menschen kein Entrinnen!

Die nächsten Generationen haben eine echte Chance, dass Trachom dort kein Problem mehr ist. Wir dürfen jetzt nicht lockerlassen!

Dr. Martin Kollmann

Macht Sie die riesige Zahl der Erkrankten nie mutlos?

Mich motivieren die Begegnungen mit den Menschen. Und die Erfolge! In der Region Amhara in Äthiopien, wo mir Trachom erstmals begegnete, ist die Zahl infizierter Kinder jetzt viel geringer. Die nächsten Generationen haben eine echte Chance, dass Trachom dort kein öffentliches Problem mehr ist. Nur: Wir dürfen jetzt nicht lockerlassen!

Und wenn die Arbeit wie zuletzt durch Corona ins Stocken kommt?

Dann riskieren wir einen Teil des Erreichten, die Menschen sind weiter bedroht. Kurzzeitig brachte Corona unsere Arbeit zum Erliegen. Jetzt passen wir die Hilfe an das Virus an. Denn Corona wird in Afrika wohl noch lange existieren. Als Erstes werden wir wieder Medikamente verteilen, indem Helfer von Tür zu Tür gehen. Dann folgen die OPs. Das alles geht Hand in Hand mit der Corona-Bekämpfung.

Wenn Sie wählen könnten:  Welche Krankheit sollte zuerst von der Erde verschwinden?

Trachom! Wir wissen, dass es geht. Wir haben die Mittel dazu in der Hand. Jetzt müssen wir Trachom so bekämpfen, dass es nie mehr wiederkommen kann.

Schenken Sie blinden Menschen eine bessere Zukunft!

Dass Dr. Kollmann im Auftrag der CBM in armen Ländern arbeiten kann, um das Augenlicht vieler Menschen zu retten, ist nur dank Spenderinnen und Spendern wie Ihnen möglich. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit auch weiterhin, damit wir gemeinsam Augenlicht schenken können!

  • Frau mit Augenverband hält ein Baby im Schoß
    20
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    Trachom-Operation

    Bewahren Sie einen Menschen vor Blindheit! Spenden Sie eine Trachom-Operation.

  • Schulkinder stehen in einer Schlange
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    Medizinische Untersuchungen

    Mit dieser Spende finanzieren Sie den Außeneinsatz eines Arztes oder einer Ärztin in einer Schule oder einem abgelegenen Dorf.

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    Medikamente

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