Vier Frauen in bunten Saris auf einem Feldweg © CBM

"Sie gehen meilenweit, um zu helfen!"

Dennis Hehr, CBM-Mitarbeiter in Bensheim, staunt: "Das persönliche Engagement unserer Partner in Sri Lanka berührt mich sehr. Ich traf Mitarbeiterinnen, die meilenweit gehen, um behinderte Menschen an den abgelegensten Orten zu besuchen!" In dem Inselstaat südlich von Indien hat er die fünf CBM-Projektpartner besucht. Dabei lernte er beeindruckende Menschen kennen, die eine Behinderung haben – und sich mit viel Mut ihre Selbstständigkeit erkämpften.

Ein Mann mit Dreirad und zwei Passagieren © CBM
Dennis Hehr und seine Kollegin Laura Deichfuß freuen sich, dass Singarajah Kantharuban eine Probefahrt mit ihnen macht. Eine CBM-Schulung bewirkte, dass der gehbehinderte junge Mann sich sein motorisierte Tricycle eigenständig kaufen konnte. Mit seinen Taxidiensten verdient er jetzt seinen Lebensunterhalt.

Dennis, was ist Dein stärkster Eindruck von Deiner Reise durch Sri Lanka?

Sri Lanka ist ein extrem krisengeschütteltes Land. 26 Jahre lang herrschte dort Bürgerkrieg. Und doch sind die Menschen voller Tatkraft und so lebenszugewandt! Ich habe Sozialarbeiterinnen beim sogenannten "Barefoot Counselling" kennengelernt, die meilenweit zu Fuß in abgelegene Dörfer wandern. Weil sie dort nach Menschen suchen, die ihre Hilfe brauchen! Und ich habe Menschen mit Behinderungen oder behinderten Familienmitgliedern getroffen, die allen Widrigkeiten in ihrem Leben zum Trotz erfolgreich ihr eigenes kleines Unternehmen gründeten.

Gibt es Schicksale, die Dich besonders berührten?

Oh ja, viele! Zum Beispiel das eines 26-Jährigen, der eine schlimme Zeit als Kindersoldat hinter sich hat. Er muss mental und körperlich Schreckliches durchgemacht haben. Durch Workshops und die psychosoziale Beratung eines CBM-Partners hat er sich gut stabilisiert. Jetzt arbeitet er als Angestellter in einem Eisenwarengeschäft und verdient sich seinen Lebensunterhalt selbst. Er ist super motiviert. Sein Werdegang ist eine absolut tolle Erfolgsgeschichte!

Wie ist die Situation behinderter Menschen in Sri Lanka? Hilft die UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) dabei, ihre Rechte durchzusetzen?

Durch die UN-BRK sind jedenfalls Behindertenverbände entstanden. Menschen mit Behinderungen bekommen vom Staat rund 3.000 Rupien im Monat, das sind nur etwa 15 Euro. Aber es ist nicht klar, wer als Mensch mit Behinderung gilt. Der Großteil der Menschen mit Behinderungen bekommt gar nichts. Deshalb ist es gut, dass behinderte Menschen sich zusammenschließen und für ihre Rechte kämpfen.

Was ist der Schwerpunkt der CBM-Arbeit in Sri Lanka?

Mit unseren fünf Partnern fördern wir Menschen mit Behinderungen sozial und wirtschaftlich – und damit Inklusion. Die Programme bieten psycho-soziale Beratung, fördern medizinische Versorgung und unterstützen behinderte Menschen, sich mit kleinen Unternehmen selbstständig zu machen. Aber wir helfen auch dabei, Selbsthilfegruppen zu gründen, z. B. für Menschen, die schwere Bürgerkriegserlebnisse verarbeiten müssen.

Hast Du ein Projekt in Sri Lanka kennengelernt, das Dir besonders am Herzen liegt?

Ich bewundere unseren Partner – Achtung, langer Name! – "Community Association for Child Protection and  Development", kurz CAPCD. Die CBM ist sein einziger Förderer. Mit 30.000 Euro im Jahr leistet er extrem viel: Er ist superaktiv z. B. bei der Identifizierung von Menschen mit Behinderungen, d. h. Mitarbeiter kommen zu den Menschen und erarbeiten mit ihnen zusammen einen Förderplan und die Umsetzung. CAPCD berät Menschen mit Behinderungen, bietet Workshops an, ist visionär, wenn es um die Verbesserung der Lebensqualität behinderter Menschen geht. Die Mitarbeiter sind fast ausschließlich im Feld unterwegs, in einer Region, in der die Arbeitslosenquote bei 60 Prozent liegt! Und unter denen, die Arbeit haben, sind viele Saisonarbeiterinnen und -arbeiter. Die Menschen sind sehr vorsichtig, wenn die CAPCD-Mitarbeiter ins Dorf kommen. Kein Wunder: Sie haben eine lange Kriegszeit hinter sich. Trotzdem: Ein Psychologe und drei Sozialarbeiterinnen sind unermüdlich unterwegs – zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Das ist dort wirklich krass! Nicht zu vergleichen mit unserem öffentlichen Nahverkehr. Denn die Infrastruktur war komplett zerstört und ist noch nicht wieder aufgebaut. Für kürzeste Distanzen ist man extrem lang unterwegs. Und wenn gar nichts mehr geht, dann laufen die CAPCD-Mitarbeiterinnen in die Dörfer!

Eine Frau in einem Dreirad mit Rücksitz für zwei Beifahrer © CBM
Sarojathevi Kitnan ist eine stolze Taxifahrerin. Jetzt spart sie auf ein motorisiertes Lastenrad, um damit Kinder zur Schule bringen und abholen zu können.

Gibt es Erfolge der Arbeit für und mit Menschen mit Behinderungen?

Auf jeden Fall. Dazu noch eine Schicksalsgeschichte: In dem kleinen Dorf Cirupity trafen wir Sarojathevi Kitnan. Sie ist mehrfach behindert infolge einer Meningitis bzw. Hirnhautentzündung. Aber mit ihrem Tricycle, einem großen Dreirad mit Platz für Lasten, fährt sie glatt zehn Kilometer in die Stadt, kauft Gewürze ein und fährt zurück in die Dörfer, um sie zu verkaufen. Mit dem verdienten Geld schafft sie es sogar, auch noch ihre jüngere, 36-jährige Schwester zu versorgen, die unverheiratet ist. Sarojathevi war so positiv und demütig. Sie meinte: "Anderen geht es ja teilweise deutlich schlechter!" Dabei hat sie auch noch Ideen, wie sie ihr Geschäft weiter ausbauen kann: Um schneller fahren zu können, spart sie auf ein motorisiertes Lastenrad. Dann will Sarojathevi als Taxifahrerin für Schüler unterwegs sein!

Was muss in Sri Lanka noch passieren, damit alle Menschen mit Behinderungen die volle Teilhabe bekommen?

Die Behindertenverbände spielen im Land eine zentrale Rolle. Wenn sie gestärkt werden, dann ist das eine gute Voraussetzung, der Ausgrenzung entgegenzuwirken. Viele Menschen mit Behinderungen verstecken sich noch in den Häusern – wo zum Glück inzwischen ebenfalls viele  von unseren Partnern gefunden werden!

Was bedeutet die Reise für Deine Arbeit mit Unterstützern in Deutschland?

Ich bin wirklich mit dem starken Gefühl nach Hause gekommen, dass die Arbeit, die wir dort machen, extrem notwendig und wichtig ist, da wir besonders im Norden eine von ganz wenigen international erfahrenen Organisationen sind. Die Reise motiviert mich sehr, für die CBM zu arbeiten, da sie mir zeigt, dass sich die Arbeit der CBM auch wirklich nachhaltig und positiv auf die Lebenssituation unserer "Beneficiaries" auswirkt.

Helfen Sie Menschen mit Behinderungen in Entwicklungsländern!

  • Afrikanische Frau gebärdet mit beiden Händen
    25
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    Eine Stimme für Menschen mit Behinderungen

    Mit dieser Spende können Sie nachhaltige Veränderung bewirken. Sie unterstützen Menschen mit Behinderungen, zum Beispiel bei der Durchsetzung politischer Forderungen.

  • Frau mit Augenverband
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    Graue-Star-OP: Erwachsener

    Mit einer Grauen-Star-OP helfen Sie einem blinden Menschen, wieder zu sehen.

  • Ein Mann repariert ein Fahrrad.
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    Existenzgründung

    Indem Sie für Existenzgründung spenden, unterstützen Sie einen Menschen mit Behinderung bei der Umsetzung seiner Geschäftsidee.