"Der Gesichtsschutz ist selbstgebastelt"

Auch in den CBM-Projekten ist das Virus angekommen und beeinflusst nicht nur die Arbeit unserer Ärztinnen und Ärzte, sondern auch das alltägliche Leben. Wir haben mit zwei Ärztinnen gesprochen, um zu erfahren, wie sie in den letzten Wochen die Situation in den Kliniken erlebten, wie ihr Alltag aussah und welche Konsequenzen sie ziehen mussten.

© CBM/Hayduk
Dr. Fröschl (re.) bei den Vorbereitungen zu einer Operation – bevor die Pandemie Äthiopien erreichte.

Dr. Uta Fröschl arbeitete bis März als HNO-Ärztin in Äthiopien, bevor sie aus Sicherheitsgründen vorübergehend nach Deutschland zurückgekehrt ist. Die Lage in Äthiopien beschreibt sie so: "Die Stimmung ist schon angespannt und COVID-19 ist überall ein Thema." Jetzt ist der Ausnahmezustand ausgerufen worden – mit weitreichenden Folgen. Von ihrem Krankenhaus berichtet die Ärztin, dass es "bis auf Weiteres die Behandlung von selektiven Fällen einstellt und nur noch Notfälle gesehen werden.“

Mangel an Schutzausrüstung

Inzwischen gibt es Notfallpläne für die Dienste von Schwestern und Ärzten auf Coronastationen. Dr. Uta Fröschl: "Aber weiterhin mangelt es an Schutzausrüstung. Der verwendete Gesichtsschutz ist selbst gebastelt und beschlägt ständig, es gibt nur einfache OP-Masken, keine N95. Dabei sind HNO-Ärzte oft die ersten, die Patienten mit einer Corona-Erkrankung untersuchen."

Sorge um Patienten ist groß

Dr. Fröschl sorgt sich um "viele Patienten, die Behandlung brauchen und operiert werden müssen und jetzt nicht behandelt werden und weiter warten – obwohl sie schon so lange warten." Und außerdem: "Die Ausbildung der angehenden HNO-Ärzte stoppt erst einmal und sie sind mehr oder weniger auf sich allein gestellt."

Ich mache mir Sorgen um die Menschen in Tansania.

Dr. Karin Knoll, Augenärztin

In Tansania hat bis vor Kurzem noch Dr. Karin Knoll als Augenärztin an einer CBM-geförderten Klinik gearbeitet. Sie ist ebenfalls aus Sicherheitsgründen wieder in Deutschland. Auch in Tansania sei das Virus ein sehr präsentes Thema gewesen, berichtet die Ärztin. "Das öffentliche Leben wurde schon sehr eingeschränkt. Alle Schulen und Universitäten sind geschlossen und es gibt ein Versammlungsverbot. Ich denke, die Menschen machen sich sicher Sorgen wegen des Virus, dass sie oder jemand aus der Familie erkranken könnten."

Schwerwiegende Folgen für das gesamt Land

Dr. Knoll hofft, dass sich das Virus nicht weiter in Tansania ausbreitet, denn: "Wenn es sich massiv ausbreiten würde, hätte das gravierende Folgen für die Bevölkerung, das öffentliche Leben, das Gesundheitssystem, die Wirtschaft, die Sicherheitslage."

Insbesondere betroffen sind jedoch die Menschen, die sich von der CBM-geförderten Klinik und den Ärzten dort Hilfe erhofften. Denn für "die Menschen, die Hilfe in CBM-Projekten suchen, würde es sehr schwierig werden. Sie haben es unter 'normalen' Umständen oft schon nicht leicht und die Gefahr ist, dass sich durch die Corona-Krise ihre Situation noch deutlich verschärfen könnte. Deswegen mache ich mir schon Sorgen um die Menschen in Tansania."

Wie es weitergeht, weiß die Ärztin nicht. Gleichwohl hofft sie, dass sie "bald nach Tansania zurückkehren kann."

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