Presseinformation zum Welttag des Sehens am 8.10.2009

Blindheit in Afrika bedeutet Armut

CBM weist auf Situation blinder Menschen hin

Ein Mann sitzt in einer Hütte, durch die  offene Tür sieht man, dass draußen die Sonne scheint
Leo T. ist blind: Durch eine Kataraktoperation könnte er sein Augenlicht zurückerlangen.
© CBM / argum / Einberger
Bensheim. Weltweit besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Behinderung, Armut und sozialer Ausgrenzung. Besonders stark wirkt sich das in Entwicklungsländern aus. Darauf weist die CBM (Christoffel-Blindenmission) aus Anlass des Internationalen Welttags des Sehens am Donnerstag (8. Oktober) hin. Gemeinsam mit dem Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit und dem Hilfswerk der Deutschen Lions engagiert sie sich im Rahmen der Woche des Sehens vom 8. bis 15. Oktober für blinde und sehbehinderte Menschen weltweit.
Weniger als ein US-Dollar am Tag
In Entwicklungsländern gelten 80 Prozent der Menschen mit Behinderungen als absolut arm, das heißt, sie haben weniger als einen US-Dollar am Tag zum Leben. Neun von zehn blinden Menschen leben in Entwicklungsländern. Der Hauptgrund für Blindheit dort ist der Graue Star, eine zunehmende Trübung der Linse. 17 Millionen Menschen sind daran erblindet, das ist rund die Hälfte aller blinden Menschen weltweit. Damit ist der Graue Star die häufigste Blindheitsursache überhaupt.
In Ländern wie Deutschland wird den Betroffenen in der Regel frühzeitig mit einer Routine-Operation geholfen, die 15 Minuten dauert. Anders sieht das in Afrika aus: Wer hier am Grauen Star erkrankt, verliert meist zuerst seine Arbeit und dann die Wertschätzung der Mitmenschen. Der soziale Abstieg ist somit vorprogrammiert. Eine Operation am Grauen Star kostet durchschnittlich 30 Euro und kann Leben verändern.
Hoffnung durch Katarakt-Operation
So wie bei Leo T. Er war einmal Farmer – damals als seine Augen gesund waren. Der 75-Jährige aus Uganda erzählt: „Die Blindheit hat mich in die Armut geführt.“ Die grünen Bananenstauden sind nicht nur das Grundnahrungsmittel von Leos Familie, sondern wurden auch von seinen Kindern auf dem Markt verkauft. Fünf Söhne hatte er, erzählt Leo traurig, doch alle sind gestorben. Die einzige Tochter heiratete und zog weit weg. Plötzlich war Leo mit seiner Frau und den vier kleinen Enkelkindern alleine. Leo sah immer schlechter, wo er den vier Meter langen Holzstock mit der Klinge ansetzen musste, um die Bananenblätter an der Baumspitze zurückzuschneiden. Dann schließlich konnte er gar nichts mehr sehen. Die Bananenbäume verwahrlosten und brachten keine Erträge mehr. Die Familie hatte kein Geld mehr, um die Schulgebühren für die Enkelkinder zu bezahlen. Er selbst saß Tag für Tag nur noch vor seiner Lehmhütte und starrte ins Leere, konnte sich ohne Hilfe nicht bewegen. Eine Operation, die 15 Minuten dauerte, half ihm. Das erste, was Leo machte, nachdem er seiner Familie von der Operation im CBM-geförderten Krankenhaus berichtete: Er schnappte sich sein Messer und ging in den Bananenhain, um endlich wieder seine Bäume zu stutzen.
Woche des Sehens – bundesweite Aktionstage seit acht Jahren
„Wenn die Augen schwächer werden, folgt in Afrika oft der soziale Absturz“ lautet daher das Thema der Hilfswerke in der diesjährigen Woche des Sehens, deren Auftakt der Welttag des Sehens am Donnerstag (8. Oktober) ist und die mit dem Tag des weißen Stocks (15. Oktober) endet.
Die Woche des Sehens macht seit dem Jahr 2002 mit vielfältigen Aktionen bundesweit auf die Bedeutung guten Sehvermögens, die Ursachen vermeidbarer Blindheit sowie die Situation blinder und sehbehinderter Menschen in Deutschland und in den so genannten Entwicklungsländern aufmerksam. Schirmherrin der Woche des Sehens ist Gundula Gause. Für die Nachrichtenfrau spielen Bilder Tag für Tag eine große Rolle. „Als Fernsehjournalistin weiß ich, wie wichtig gesunde Augen und gutes Sehen sind“, sagt die 44-Jährige.
Getragen wird die Aktionswoche von der CBM, dem Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband, dem Berufsverband der Augenärzte, dem Deutschen Komitee zur Verhütung von Blindheit, der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft, dem Deutschen Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf, dem Hilfswerk der Deutschen Lions sowie der PRO RETINA Deutschland. Unterstützt wird die Woche des Sehens von der Aktion Mensch und der Carl Zeiss Meditec AG.
Die CBM, 1908 gegründet, folgt noch heute den Zielen von Pastor Ernst Jakob Christoffel, allen Menschen mit Behinderungen ohne Ansehen von Nationalität oder Religionszugehörigkeit zu helfen. Derzeit fördert die CBM rund 1.000 Projekte in mehr als 100 Ländern. Im vergangenen Jahr wurden durch die CBM 21 Millionen Menschen mit Behinderungen behandelt, gefördert oder betreut. Die Unterstützung umfasst besonders Kliniken, Programme zur Vorsorge oder Behandlung von Blindheit und Gehörlosigkeit sowie orthopädische Spezialabteilungen. In der Rehabilitation fördert die CBM Schul- und Berufsausbildung sowie Programme zur gemeindenahen Rehabilitation behinderter Menschen. Nähere Informationen unter www.woche-des-sehens.de .
Link: Grauer Star Simulator der CBM
Link: Brailleübersetzer der CBM
Link: Fingeralphabet
Link: Wissenstest zum Thema Katarakt
Link: Auslegung der Monatsandacht durch Mitarbeiter der CBM
Link: Bereich für Schulen, Kirchen und Gemeinden
Link: Nothilfe für Philippinen
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