Weltweite Armut bis 2015 halbieren

Was sind „inklusive MDGs“?

Grafik zum Zusammenhang von Armut und Behinderung
Arm sein und eine Behinderung haben hängt in Entwicklungsländern zusammen. Die meisten Behinderungen entstehen aufgrund von Armut und unsicheren Lebensumständen.
© CBM
Die Millenniumsentwicklungsziele ("Millennium Development Goals"/MDGs) umfassen 8 Ziele, die die internationale Staatengemeinschaft sich im Jahr 2000 gesetzt hat, um die weltweite Armut bis 2015 zu halbieren.
Zum ersten Mal haben sich rund 190 Länder weltweit auf konkrete und messbare Ziele zur Armutsbekämpfung geeinigt. Die MDGs umfassen die unterschiedlichsten Bereiche: neben Hunger sind andere wichtige armutsbezogene Themen wie Bildung und die Gleichstellung der Geschlechter Bestandteile der MDGs.
Menschen mit Behinderungen bleiben unerwähnt
Obwohl Behinderung insbesondere in Entwicklungsländern sehr stark mit Armut zusammenhängt, sind Menschen mit Behinderungen nicht in den MDGs erwähnt. Dabei bestehen bei jedem der MDG-Ziele Zusammenhänge mit Behinderung.

Die Millenniums- entwicklungsziele im Einzelnen

MDG 1: den Anteil der Weltbevölkerung, der unter extremer Armut und Hunger leidet, halbieren
MDG 2: allen Kindern eine Grundschulausbildung ermöglichen
MDG 3: die Gleichstellung der Geschlechter fördern und die Rechte von Frauen stärken
MDG 4: die Kindersterblichkeit verringern
MDG 5: die Gesundheit der Mütter verbessern
MDG 6: HIV/AIDS, Malaria und andere übertragbare Krankheiten bekämpfen
MDG 7: den Schutz der Umwelt verbessern
MDG 8: eine weltweite Entwicklungspartnerschaft aufbauen
Beispielsweise wirkt sich eine verbesserte Mutter-und-Kind-Gesundheit (MDG 4 & 5) dahingehend aus, dass Krankheiten bei Neugeborenen, die zu Behinderungen führen, schneller erkannt und behandelt werden. Wenn ein Klumpfuß bei kleinen Kindern rechtzeitig erkannt wird, ist er wesentlich leichter zu behandeln als bei älteren Kindern.

Gleichzeitig sollten Menschen mit Behinderungen von allen Aktivitäten profitieren, die nötig sind, um die MDGs zu erreichen. Oftmals werden jedoch gerade sie bei diesen Planungen „vergessen“. Zum Beispiel sind behinderte Kinder immer noch extrem benachteiligt beim Schulbesuch: weltweit ist der Anteil an Kindern mit Behinderungen, die die Grundschule beenden, rund 10 Prozent niedriger als der nicht behinderter Kinder (World Disability Report 2011) (MDG 2).

Ziele ohne Menschen mit Behinderungen unerreichbar
Die CBM ist, genauso wie der frühere Weltbankchef Wolfensohn, der Meinung, dass die MDGs ohne die Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen nicht erreicht werden können. Wir setzen uns für "inklusive MDGs" ein, das heißt, dass behinderte Menschen in den Zielen berücksichtigt werden. Denn gerade wenn eine der größten Gruppen, die sowieso schon benachteiligt und ausgegrenzt wird, weiterhin unbeachtet bleibt, dann wird man in der Armutsbekämpfung sehr schnell an Grenzen stoßen. Rund 7000 CBM-Spender haben sich bei unserer Unterschriftenaktion 2010 dafür engagiert.

Erste positive Veränderungen sind erkennbar: der MDG-Fortschrittsbericht 2010 hat erstmals Menschen mit Behinderungen thematisiert. Auch die UN-Generalversammlung hat 2011 in einer eigenen Resolution das Thema behandelt. Für die Zukunft wird jedoch entscheidend sein, ob es gelingt, die Interessen behinderter Menschen in den MDG-Folgeprozess nach 2015 einzubringen.
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