Vom Breisgau nach Kenia

Eindrücke des Augenarztes Dr. Heiko Philippin
aus seinem ersten Jahr in Afrika

Marenka und Heiko Philippin
Dr. Heiko und Marenka Philippin
Foto: CBM
"Wenn in Deutschland Februar ist, ist es in Kenia heiß wie im Juni – nicht frostig-kühl wie zu Hause in Mitteleuropa.
Und so waren wir doch etwas verwundert, als wir kurz nach unserer Ankunft von Nairobi nach Sabatia fuhren und die Händler am Straßenrand für die "kühlen Tage" dicke Fellmützen und Schaffelle verkauften!
Kenianer empfinden die Jahreszeiten eben ganz anders.

Nicht nur klimatisch sind für uns ungewohnte Zeiten angebrochen. Seit Anfang 2007 arbeite ich für die CBM im Augenhospital von Sabatia. Es war für uns ein großer Schritt, unsere Stellen als Augenarzt und Physiotherapeutin am Uni-Klinikum Freiburg aufzugeben, um in das "Abenteuer Kenia" aufzubrechen. Doch wir bereuen nicht, dass wir uns den lang gehegten Traum erfüllten, bedürftigen Menschen in Afrika zu helfen.

Drei Augenärzte – vier Millionen Menschen
Mein neuer Wirkungsort, das "Sabatia Eye Hospital", ist die drittgrößte Augenklinik in Kenia. Rund 3.800 Patienten wurden 2006 hier operiert. In der Universitäts-Augenklinik Freiburg kamen wir auf knapp 11.000 Operationen pro Jahr – allerdings mit einer anderen Personalstruktur.
Leider gibt es in Kenia viel zu wenige Augenärzte. Meine Kollegen Dr. Tadesse, Dr. Wanjala und ich sind die einzigen Augenärzte für ein Gebiet mit rund vier Millionen Menschen. Trotzdem decken wir alle für die Region wichtigen Bereiche der Augenmedizin ab. Der Standard ist gut, die Arbeit professionell.

Frau mit Tumor am Auge
Jeredinah nach der Operation
Foto: CBM
Erschütternde Schicksale
In Sabatia bekomme ich häufig tragische Fälle zu sehen. Die Not in Kenia ist groß. Mehr als die Hälfte der Menschen lebt unterhalb der Armutsgrenze, das Durchschnittseinkommen liegt unter einem Euro pro Tag. Kein Wunder, dass die Patienten oft zu lange zögern, uns aufzusuchen - und dann froh sind, dass sie dank der CBM behandelt werden können.
So ging es auch Jeredinah Chanyisa.
Ihre Geschichte erschütterte mich. Die 59-Jährige bemerkte vor sieben Jahren ein Geschwür am Auge. Just zu diesem Zeitpunkt verstieß ihr Mann sie, weil sie ihm keine Kinder geboren hatte. Da stand Jeredinah nun – ohne Arbeit und Versorgung, mit einem Tumor, der stetig wuchs. Irgendwann flüchtete sie vor ihren Schmerzen in den Alkohol. Der Tumor war so groß, dass sie ihn beim Laufen mit der Hand stützen musste. Als er zu bluten anfing, kam sie endlich ins Hospital. Gemeinsam mit Dr. Tadesse habe ich Jeredinah operiert – zum Glück war der Tumor gutartig!

Perspektiven für ganze Familien
Natürlich ist nicht jeder Fall so spektakulär – doch berührend ist die Arbeit hier immer. Meist wenden wir nicht nur das Leben der Patienten, sondern auch das der zugehörigen Familie zum Besseren – wie bei den Owinos. Der 52-jährige Vitalis Owino war seit fünf Jahren durch Grauen Star auf beiden Augen fast blind. Seinen Job hatte er deswegen verloren und so verdingte sich seine Frau als Tagelöhnerin – unterstützt von ihren sechs Kindern, die deswegen nicht mehr zur Schule gehen konnten. Ein Teufelskreis. Doch wir konnten Vitalis’ Augenlicht retten, er sieht wieder gut.

Es ist sehr befriedigend, Menschen so helfen zu können – sie nicht nur von ihrem Augenleiden zu befreien, sondern der ganzen Familie wieder Zukunftsperspektiven zu schenken. Besonders wichtig ist natürlich die Behandlung von Kindern.
Viele leiden hier an angeborenem Grauem Star. Je später die Kleinen zu uns kommen, umso schlechter stehen die Chancen auf eine normale Sehentwicklung. Dank unserer mobilen Augencamps werden aber immer mehr blinde Kinder rechtzeitig entdeckt, sodass wir erfolgreich operieren können.

Bild eines Löwen
Safari
Foto: CBM
Safari und Sukuma Wiki
Wir arbeiten von Montag bis Freitag im Hospital, manchmal auch am Wochenende. Oft werden wir gefragt, was wir eigentlich in unserer Freizeit so machen. Dauersafari vielleicht? Ja, auf Safari waren wir schon, die Tierwelt Kenias ist faszinierend! Elefanten, Zebras, Löwen fast hautnah zu sehen – das ist schon etwas ganz Besonderes.
Wir schließen auch neue Freundschaften und gehen mit kenianischen Kollegen aus: Über unbefestigte, staubige Straßen fahren wir dann in den nächsten größeren Ort, Chavakali. Dort gibt es ein Hotel mit einer Art Biergarten. Zu Bier oder Cola (auf Wunsch auch lauwarm) bekommt man Gerichte wie Ugali, einen polentaähnlichen Maisbrei, mit Sukuma Wiki, einem spinatähnlichen Gemüse, serviert.

Hühner nur als Lebendware
Oder wir laden Kollegen zu uns nach Hause ein. Meine Frau backt dann Marmorkuchen – im Gegenzug erhalten wir kenianische Speisen, darunter auch mal ein ausgenommenes Huhn.
Dafür sind wir besonders dankbar, denn man kann in Sabatia Hähnchen nur lebend erstehen. Und als Stadtmenschen haben wir noch gewisse Probleme mit dem Schlachten und Ausnehmen der "Lebendware".
Wir fühlen uns wohl in Kenia – wenn wir uns an viele Dinge und Eigenheiten auch nach einem Jahr noch gewöhnen müssen. Die tiefe Zufriedenheit, die wir aus unserer Arbeit schöpfen, die Dankbarkeit der Patienten und die schon entstandenen Freundschaften mit Kenianern bestätigen uns täglich, dass wir die richtige Entscheidung getroffen haben.

Mit Ihrer Hilfe kann die CBM viel erreichen!
Link: Grauer Star Simulator der CBM
Link: Brailleübersetzer der CBM
Link: Fingeralphabet
Link: Wissenstest zum Thema Katarakt
Link: Auslegung der Monatsandacht durch Mitarbeiter der CBM
Link: Bereich für Schulen, Kirchen und Gemeinden
Link: Nothilfe für Philippinen
Link: CBM auf Facebook
Link: CBM auf YouTube
Link: Newsletter der CBM bestellen
Link: RSS der CBm abonnieren
Link: CBM Kinderpate werden