Gedanken zum Monatsspruch Dezember von Christian Lohse
Verlassen? Nur für eine kleine Weile!
-
- © CBM
Christian Lohse ist Bildredakteur und -dokumentar bei der Christoffel-Blindenmission (CBM). Seine Hauptaufgabe ist die Archivierung und Bereitstellung von Fotos aus der Projektarbeit, z.B. für diese Website oder Presseleute, die über die Arbeit der CBM berichten.
Gott spricht: Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim.
Jesaja 54,7 (Monatsspruch Dezember aus den "Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine für das Jahr 2011")
Jesaja 54,7 (Monatsspruch Dezember aus den "Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine für das Jahr 2011")
Lange habe ich überlegt, wie ich mich diesem Bibelzitat am besten nähern könnte. Die tröstende und versöhnliche Botschaft spricht mich unmittelbar an. So wird es wohl fast jedem ergehen, der diesen Satz liest. Aber zugleich merke ich, dass sich die Bedeutung des Zitats wohl nur dann richtig erschließen lässt, wenn man sich die Mühe macht, es im Textzusammenhang und aus der historischen Situation seiner Entstehung heraus zu betrachten.
Weinend an den Strömen von Babel
Historisch geht es in Jesaja 54 um die Zeit der sogenannten "Babylonischen Gefangenschaft". Um das Jahre 590 v. Chr. wurde das Königreich Juda von den Babyloniern unter König Nebukadnezar unterworfen und ein Großteil der Bevölkerung nach Babylon exiliert. Dort saßen die gefangenen Juden, wie es in Psalm 137 heißt, an "(...) den Strömen von Babel (...) und weinten".
Historisch geht es in Jesaja 54 um die Zeit der sogenannten "Babylonischen Gefangenschaft". Um das Jahre 590 v. Chr. wurde das Königreich Juda von den Babyloniern unter König Nebukadnezar unterworfen und ein Großteil der Bevölkerung nach Babylon exiliert. Dort saßen die gefangenen Juden, wie es in Psalm 137 heißt, an "(...) den Strömen von Babel (...) und weinten".
Gott hatte sein Volk verlassen, um es für seine Untreue ihm gegenüber zu bestrafen, heißt es im 2. Buch Könige. Die Bewohner Jerusalems hatten den Tempel entweiht und die Propheten Gottes verspottet. Um sie zu bestrafen, lieferte der Herr sein Volk den feindlichen Truppen aus.
Exil-Ende, Rückkehr und neuer Bund
Doch im Jahr 539 v. Chr. fand das Exil ein Ende. Die Perser besiegten das Babylonische Großreich, die umgesiedelten Juden durften in ihr Land zurückkehren. Gott hat sich seinem Volk wieder zugewandt und erneuert seinen Bund mit ihm: "Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim." Es ist der zweite Bund Gottes mit den Menschen – nach der Sintflut hatte er erklärt, die Welt fortan zu verschonen. Der neue Bund enthält ein tiefergehendes Versprechen, er ist unauflöslich:
Doch im Jahr 539 v. Chr. fand das Exil ein Ende. Die Perser besiegten das Babylonische Großreich, die umgesiedelten Juden durften in ihr Land zurückkehren. Gott hat sich seinem Volk wieder zugewandt und erneuert seinen Bund mit ihm: "Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen, doch mit großem Erbarmen hole ich dich heim." Es ist der zweite Bund Gottes mit den Menschen – nach der Sintflut hatte er erklärt, die Welt fortan zu verschonen. Der neue Bund enthält ein tiefergehendes Versprechen, er ist unauflöslich:
"Auch wenn die Berge von ihrem Platz weichen und die Hügel zu wanken beginnen – meine Huld wird nie von dir weichen und der Bund meines Friedens nicht wanken, spricht der Herr, der Erbarmen hat mit dir." (Jes. 54,10)
Durch den Kreuzestod Christi hat der Bund Gottes mit den Menschen seine Erneuerung und Bekräftigung erfahren. Der Tod seines Sohnes ist das unvorstellbar große Opfer, das der Herr dafür erbracht hat.
Gott ist da - auch mitten im Unglück
Selbst im größten Unglück, sogar, wenn die Welt untergeht, immer bei den Menschen zu sein, stets zu ihnen zu halten - das geht viel weiter als jede Garantie, die Welt vor Katastrophen zu bewahren.
Selbst im größten Unglück, sogar, wenn die Welt untergeht, immer bei den Menschen zu sein, stets zu ihnen zu halten - das geht viel weiter als jede Garantie, die Welt vor Katastrophen zu bewahren.
Das Versprechen Gottes wirkt seither in unser Leben fort. Wenn wir uns einsam und verlassen fühlen, unsere Probleme unlösbar erscheinen und wir uns nur noch aus der Welt zurückziehen wollen, sollten wir innehalten und uns an den göttlichen Bund erinnern.




