Äthiopien

Rettung in letzter Minute

Medina aus einem kleinen Dorf in Äthiopien hat Trachom. Auch bei ihren Kindern zeigen sich bereits erste Anzeichen der Augenerkrankung. Mitarbeiter einer Gesundheitsstation finden sie.

Porträt einer Frau
Medina: Sie hofft, dass die geplante Trachomoperation ihr das Sehvermögen erhält.
© CBM / Hartung
Nachdenklich sitzt Medina Aussi in der Gesundheitsstation von Dawe Langano/Äthiopien und blickt aus dem Fenster. Projektmitarbeiter hatten sie in ihrem kleinen Dorf abgeholt und dorthin gebracht. Die mitten im Nirgendwo liegende Station wird vom christlichen CBM-Projektpartner "Society of International Missionaries" (SIM) betrieben. Medina ist eine der rund 3.000 Patientinnen und Patienten, die hier pro Jahr behandelt werden. Tendenz steigend.

Als Medina an der Reihe ist, untersucht Abera Kiada, der Leiter der Gesundheitsstation, ihre Augen. Er stellt fest, dass ihr Augenlicht wenigstens teilweise gerettet werden kann. Ein Strahlen geht über Medinas Gesicht. Für eine Lid-Operation ist es allerdings höchste Zeit: Ihr linkes Auge ist an der Augenkrankheit Trachom bereits völlig erblindet – unwiederbringlich. Doch das rechte Auge ist glücklicherweise noch zu retten. Trachom ist eine tückische Krankheit. Der Erreger löst eine permanente Bindehautentzündung aus. Im Verlauf der Erkrankung entstehen Narben auf der Bindehaut des Oberlids. Die Narben führen zu einer Bindehautschrumpfung und ziehen den Lidrand des Oberlids mit seinen Wimpern nach innen zum Augapfel. Dadurch scheuern die Wimpern bei jeder Bewegung der Augen und bei jedem Lidschlag auf der Hornhaut des Auges. Das ständige Scheuern verletzt die Hornhaut und trübt sie immer mehr. Ohne Behandlung würde Medina völlig erblinden.
Eine Frau auf einer Liege, im Hintergrund ein Mann im weißen Kittel
Vor der Trachom-Operation: Der Mitarbeiter der Gesundheitsstation trifft die nötigen Vorbereitungen.
© CBM / Hartung
Dreißig Minuten retten Augenlicht
Am nächsten Nachmittag ist es so weit. Rund dreißig Minuten braucht Abera Kiada, um Medinas Augenlicht zu retten. Routiniert macht er die entscheidenden Schnitte, mit denen er das Augenlid wieder nach oben stülpt. Als die Betäubung nachlässt, spürt Melinda Schmerzen. Erst nach einigen Stunden kann Medina wieder lachen. Assistent Negesso Tubesso bringt sie unmittelbar nach der Operation nach Hause in ihr Dorf. Dort wartet bereits ihr 40-jähriger Mann Gemedu Tubulo mit ihren fünf Töchtern und ihrem Sohn. Die Jüngste ist zwei, der Älteste 14 Jahre alt. Assistent Negesso Tubesso besucht sie am nächsten Tag in ihrem Zuhause. Fröhlich wirft Medina das Moskitonetz nach oben, unter dem sie gelegen hat und schaut strahlend nach draußen.

Augensalbe für die Familie
Negesso bringt mehrere Tuben Tetracycline-Augensalbe mit. Die Salbe reicht nicht nur für Medina, sondern auch für ihre sechs Kinder. Dann träufelt ihr Negesso Tubesso Salbe in die Augen. Meist erkranken ganze Familien an Trachom. Auch bei Medinas Kindern finden sich erste Anzeichen der Krankheit. Die Salbe dient der Vorbeugung. Trachom ist deshalb eine Familien - erkrankung, weil sie beispielsweise durch die Tücher übertragen wird, in denen Mütter ihre Kleinkinder tragen. Viele Mütter wischen mit diesen Tüchern erst sich über die Augen und anschließend ihren Kindern. Sie wissen nicht, dass sie dadurch die Erreger weitergeben.
Frau sitzt mit Kleinkind vor bunten Tüchern an einer gemauerten Wand
Die OP ist gelungen: Medina, hier mit einem ihrer Kinder, strahlt!
© CBM / Hartung
Medina strahlt vor Glück
Als sich Negesso wieder auf den Weg zur SIM-Gesundheitsstation macht, hinterlässt er eine lachende Frau. Vorher war Medina bei der Hausarbeit eingeschränkt und sie konnte sich nicht mehr so gut um ihre Kinder kümmern. „Ich bin froh und dankbar, dass ich nicht völlig erblinden muss und dass meine Kinder rechtzeitig behandelt wurden.
Meinen Kindern kann ich so die Augenerkrankung ersparen“, strahlt Medina.

Eine Trachom-Operation, mit der ein Patient vor einem Leben in Dunkelheit bewahrt wird, kostet 20 Euro.

Zithromax (das die Tetracyline-Salbe ersetzt) schützt die ganze Familie vor Trachom; seine Verteilung kostet nur wenige Euro.
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Kennwort: Trachom
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