Presseinformation der CBM vom 04. Oktober 2010
Quadriga-Preis für Ehepaar Hennig
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Iris Berben bei der Laudatio für die Quadriga-Preisträger
© Eventpress Herrmann
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v.l.: Kristina Hennig, Iris Berben, Dr. Albrecht Hennig.
Alle Fotos zu diesem Beitrag: © Eventpress Herrmann
Berlin/Bensheim. Kristina und Dr. Albrecht Hennig, der seit 28 Jahren als Augenarzt für die CBM in Nepal arbeitet, sind am 3. Oktober im Berliner Konzerthaus mit dem Quadriga-Preis für vorbildliche bürgerschaftliche Haltung ausgezeichnet worden. Hennig, der das Sagarmatha Choudary Augenhospital in Lahan leitet, war 1982 mit seiner Frau Kristina für die CBM nach Nepal gegangen. "Ursprünglich wollten wir nur zwei Jahre dort bleiben und danach die Augenarztpraxis meines Vaters in Kusel übernehmen – daraus wurden 28 Jahre...", erzählt Hennig schmunzelnd. In dieser Zeit baute der gebürtige Jenaer die Augenabteilung in Lahan zur zweitgrößten Augenklinik der Welt aus, entwickelte die Fishhook-Technik für Graue-Star-Operationen und rettete so mehr als einer Million Menschen das Augenlicht. 2006 wurde als Ergänzung zu Lahan eine zweite Augenklinik in Biratnagar gebaut.
"Im Lebenswerk des Ehepaares Hennig finden Mitgefühl für die Ärmsten der Armen und soziales Unternehmertum in idealer Weise zueinander", so die Jury des ausrichtenden Vereins "Werkstatt Deutschland" in ihrer Begründung. Dr. Hennig und seine Frau Kristina bekamen die Auszeichnung in der Kategorie "Licht der Empathie" aus der Hand der Schauspielerin Iris Berben, die auch die Laudatio hielt.
"Im Lebenswerk des Ehepaares Hennig finden Mitgefühl für die Ärmsten der Armen und soziales Unternehmertum in idealer Weise zueinander", so die Jury des ausrichtenden Vereins "Werkstatt Deutschland" in ihrer Begründung. Dr. Hennig und seine Frau Kristina bekamen die Auszeichnung in der Kategorie "Licht der Empathie" aus der Hand der Schauspielerin Iris Berben, die auch die Laudatio hielt.
Dr. Hennig – ein Held für augenkranke Menschen
"Sehen können, heißt, sich sicher und geborgen fühlen. Wer nicht sehen kann, fühlt sich verloren, allein, ohne Halt", machte Berben den Stellenwert der Sehkraft deutlich und zitierte Bertolt Brecht: "Wir leben in einem Land, das Helden nötig hat." Dass Hennig so vielen Menschen geholfen habe – und das zunächst unter widrigsten Umständen, ohne Wasser und Strom, mache ihn zum Helden. Auch Kristina Hennig habe "den Mut einer Löwin bewiesen", als sie ihrem Mann ohne Zaudern mit zwei kleinen Kindern nach Nepal gefolgt sei. Falls das Ehepaar im Ruhestand nach Berlin übersiedeln wolle, sei es jetzt schon willkommen: "Menschen wie Sie braucht diese Stadt – Menschen wie Sie braucht Deutschland", rief Iris Berben den Hennigs zu, die mit minutenlangem Applaus bedacht wurden.
Ich danke allen Spenderinnen und Spendern
Ich danke allen Spenderinnen und Spendern
Die Auszeichnung sei für seine Frau und ihn eine große Ehre, freute sich Hennig und fügte hinzu: "Diese Arbeit wurde jedoch nicht nur von zwei Menschen allein bewältigt, sondern dafür braucht es eine gute Organisation. Deshalb möchten wir uns ganz herzlich bei der CBM und ihren vielen treuen Spenderinnen und Spendern bedanken!" Den Preis nehme er stellvertretend für sein ganzes Team in Nepal entgegen, betonte der Augenarzt, der auch das Verdienst seiner Frau hervorhob: "Ohne Dich wäre das nicht möglich gewesen. Du hast unter sehr schwierigen Bedingungen Außergewöhnliches geleistet."
Sie blicke mit sehr viel Zufriedenheit auf die vergangenen Jahre zurück, sagte Kristina Hennig, für die kommenden Jahre wünsche sie sich, dass man das Lebenswerk in Nepal – speziell die neue Augenklinik in Biratnagar - gut vollenden könne.
Vom Provisorium zur modernen Augenklinik
Vom Provisorium zur modernen Augenklinik
Dr. Albrecht Hennig begann seine Arbeit in Nepal vor 28 Jahren unter härtesten Arbeitsbedingungen: "Es gab keinen Strom, bestellte Materialien kamen nicht an, es gab Schwierigkeiten ohne Ende. Manchmal war ich nahe dran, alles hinzuschmeißen", erinnerte sich der Augenarzt. Heute verfügt das moderne Hospital in Lahan über 125 Mitarbeiter und 450 Betten. Die zehn Augenärzte der Klinik leisten rund 60.000 Operationen pro Jahr – davon entfallen rund 90 Prozent auf den Grauen Star.
Für das Leben in Lahan zahlte Familie Hennig trotz allen Idealismus’ einen harten Preis: Einsamkeit, mangelnder Komfort, die Schulausbildung der Söhne weit weg von daheim. Der einzige "Luxus", den sich der Augenarzt gönnte, war ein selbst gebauter Tennisplatz: Ein festgestampfter Boden aus Lehm und Kuhdung mit einer Betonwand, um Aufschläge zu üben.
Im Ruhestand wird Kultur nachgeholt
Im Ruhestand wird Kultur nachgeholt
Warum Dr. Hennig mit 62 immer noch in Lahan arbeitet, begründet er so: „Mein Job dort ist ungemein interessant und gibt mir ein hohes Maß an Befriedigung – viel mehr, als ich vermutlich in Deutschland hätte haben können“, sagt Hennig: „Wenn man am Tag 100 oder 200 Leute operiert hat, ist man abends zwar kaputt, aber man hat das Gefühl, etwas Sinnvolles, etwas Gutes getan zu haben.“ Dennoch hat Dr. Hennig schon Pläne für den Ruhestand: „Ich werde mit meiner Frau Kristina in ihre Heimatstadt Berlin ziehen, Freunde treffen, Sport treiben und vor allem Kultur nachholen.“
Hintergrund "Quadriga-Preis"
Hintergrund "Quadriga-Preis"
Die undotierte "Quadriga" – eine Miniaturskulptur der Quadriga auf dem Brandenburger Tor – wird jedes Jahr vom Verein "Werkstatt Deutschland e.V." an Menschen verliehen, "durch deren Mut Mauern fallen und deren Engagement Brücken baut". Die Preisträger 2010 seien allesamt "Menschen, die durch ihr Wirken ein Zeichen für Aufbruch, Erneuerung und Pioniergeist gesetzt haben", betonte Quadriga-Initiatorin Marie-Luise Weinberger. Weitere Preisträger 2010 waren: Griechenlands Premierminister Giorgos Papandreou, Dr. Wolfgang Schäuble und Lothar de Maizière, die Bundeswehr und der Künstler Olafur Eliasson.




