Stefanie Adler
Projektbesuch in Meru/Kenia
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Projektbesuch bei S.P.A.R.K.: v.l. Victoria Bariu (CBM Regional Büro Ostafrika), Christian Garbe (CBM-D), Madhi Madhizhagan (CBM-SAROS-Bangalore) und Stefanie Adler© CBM
Nach einer mehrstündigen Fahrt im März 2011 durch hügelige Landschaft tut sich Meru auf, eine sehr grüne, ländliche Provinz am Fuße des Mount Kenia. Aufgrund der unmittelbaren Nähe zum Äquator und der ausgedehnten Regenzeiten kann hier das ganze Jahr Obst und Gemüse geerntet werden. Weitläufige Teefelder und Bananenplantagen erstrecken sich auf den Hügeln der Provinz und spiegeln die Bedeutung der Landwirtschaft für die Menschen in dieser Region wider.
Aufgrund der geographischen Entfernung der Projekte in Zentralafrika zum CBM-Regionalbüro in Nairobi/Kenia und der oftmals erschwerten Zugangsmöglichkeiten in diesen Ländern ist ein Projektbesuch oft nicht leicht zu realisieren. Als einige Kollegen des Regionalbüros einen Projektbesuch in Kenia planten, konnte ich sie begleiten und die Arbeit der CBM vor Ort kennenlernen. Die Arbeit im Regionalbüro gestaltete sich in den letzten Monaten sehr abwechslungsreich und ich konnte mich in verschiedener Weise in die Projektarbeit einbringen. Ich erhielt dabei Einblicke in die verschiedenen Prozesse des Projektmanagements und die konkreten Wirkungsbereiche für Menschen mit Behinderungen in Zentralafrika.
Besuch im Projekt
Der Besuch in Meru war dabei nur einer der Höhepunkte. Wir treffen dort Caroline Mukami, die Projektkoordinatorin des CBM geförderten Projektes S.P.A.R.K. (Service for the Poor in Adaptive Rehabilitation). Caroline berichtet uns von den zahlreichen Schwierigkeiten, die Kinder und Erwachsene mit Behinderungen in den oftmals weitabgelegenen Farmen im Alltag bewältigen müssen. Sie erzählt außerdem von ihren therapeutisch ausgebildeten Mitarbeitern, die auch entfernt lebende Familien besuchen. Dabei finden sie gelegentlich auch Kinder mit einer Behinderung, die manchmal aus Angst und auf Grund von Vorurteilen von ihren Eltern im Haus versteckt werden.
Das Projekt unterstützt die gemeindenahe Behandlung und Rehabilitation für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Behinderungen in der Region Meru und setzt sich für deren Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ein. Bewusstseinsbildung für die Probleme und Fähigkeiten von Menschen mit Behinderung steht dabei im Vordergrund.
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Meru© CBM
Inklusion im Schulalltag
Gemeinsam machen wir uns auf den Weg zur Meru Saleem Academy, einer staatlichen Grundschule, wo etwa 800 Schüler zwischen drei und zwölf Jahren in verschiedenen Gebäuden unterrichtet werden. Wir treffen Paul Gatimu, einen von der CBM ausgebildeten Therapeuten im Bereich Low Vision, der bereits zwei Schüler mit einer Sehbehinderung erfolgreich in den regulären Unterricht der Schule integrieren konnte.
Ein Beispiel seiner Tätigkeit ist die fünfjährige Schülerin Nissi, bei der im Alter von drei Jahren eine Rückbildung des Sehnervs diagnostiziert wurde. Nachdem wir den Klassenraum des Mädchens betreten haben, erklärt der Therapeut die möglichen Ursachen dieser häufig diagnostizierten Sehbeeinträchtigung. So können etwa Infektionen im Kindesalter zum Absterben der Sehnerven führen. Auch Nissi verfügt nur noch über ein geringes Sehvermögen, welches durch einen operativen Eingriff nicht mehr verbessert werden kann. Mithilfe einer Standlupe, die speziell für sie angefertigt wurde, kann das Mädchen in ihren Schulbüchern lesen und Aufgaben in ihrem Heft lösen.
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Nissi in der Schule© CBM
Um Nissi und andere Kinder mit einer Sehbehinderung im täglichen Unterricht bestmöglichst zu fördern, wurden die Lehrer für die besonderen Bedürfnisse dieser Schüler geschult. So wurde Nissis Lehrerin auf die nicht ausreichenden Lichtverhältnisse im Klassenzimmer aufmerksam und es konnte eine zusätzliche Leselampe für das Mädchen angebracht werden. Die Bemühungen des Therapeuten, der Lehrerin und Schulleitung zeigen sichtbare Erfolge: Nissi erreicht gute Schulergebnisse und ist, wie wir schnell bemerken, ein fröhliches und aufgeschlossenes Mädchen.
Ohne die frühzeitige Unterstützung müsste die Fünfjährige eine Blindenschule besuchen, in der sie fast ausschließlich in Braille unterrichtet würde. Ihr noch vorhandener Sehrest würde sich dabei weiter verschlechtern. Die Integration in eine reguläre Schule ermöglicht ihr also nicht nur den Kontakt zu Kindern ohne Behinderung, vor allem jedoch erwirbt das Mädchen hier wichtige Kenntnisse und Fertigkeiten für ein selbständiges, eigenbestimmtes Leben.
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Sport verbindet: Die Sportgruppe dienen neben der sportlichen Ertüchtigung auch der Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung.© CBM
Sport verbindet die Menschen
Doch auch die Inklusion von Erwachsenen in die Gemeinschaft ist eine wichtige Aufgabe, erklärt uns die Projektkoordinatorin nach dem Besuch in der Grundschule. Oftmals werden Erwachsene mit Behinderungen nicht als gleichwertige Akteure in der Gemeinde wahrgenommen und aufgrund ihrer Andersartigkeit sozial ausgegrenzt. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken und Vorurteile abzubauen, unterstützt die CBM ein Sportprojekt für Menschen mit physischen Behinderungen.
Wir fahren zu einer Gemeindehalle, in der sich regelmäßig Menschen verschiedenen Alters zum Sitzvolleyball treffen. Noch nie hatte ich diese Sportart erleben können und so konnte ich mir nur schwer vorstellen, wie Menschen, die aus verschiedenen Gründen physische Behinderungen haben, einen so schnellen und körperlich anspruchsvollen Sport betreiben können. Nach wenigen Spielminuten erkannte ich, dass jeder Spieler seine eigene Technik entwickelt hatte, mit seiner körperlichen Beeinträchtigung umzugehen und den Ball geschickt über das Netz zu befördern. Alle Teilnehmer hatten sichtlich Spaß an ihrem Spiel und ermunterten sich durch gegenseitige Zurufe.
Die Gründung dieser Sportgruppe mit derzeit mehr als 200 Mitgliedern dient jedoch nicht nur der sportlichen Ertüchtigung und dem Austausch untereinander, sondern auch der Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung für die Rechte von Menschen mit Behinderungen in der Gemeinde. So entschlossen sich nach der Gründung immer mehr Menschen mit Behinderungen aus der Umgebung, sich der Gruppenaktivität anzuschließen und bei öffentlichen Spielen über ihre Behinderung zu sprechen. Eine Frau berichtet uns, wie sie zuvor oft versucht hatte, ihre physische Behinderung aufgrund der Vorurteile ihrer Mitmenschen zu verstecken, und welches Selbstbewusstsein sie nun durch den Sport gewinnen konnte.
Das Projekt und die verschiedenen Aktivitäten für Kinder und Erwachsene machen deutlich, wie auch mit wenigen Mitteln viel im Leben einzelnen Menschen und einer Gemeinschaft erreicht werden kann. Während des Besuches wurde mir umso mehr bewusst, dass Menschen mit Behinderungen nicht nur medizinische oder therapeutische Behandlung benötigen, sondern vor allem das Verständnis und die Anerkennung ihrer Mitmenschen.




