Information der CBM vom 03. September 2010

Nach den Naturkatastrophen im Niger

Porträt einer Frau
CBM-Projektkoordinatorin Halina Weyers: im Kurzinterview über die momentane Situation im Niger.
© CBM
Halina Weyers, CBM-Projektkoordinatorin für Westafrika, berichtet im Kurzinterview über die momentane Situation im Niger sowie über die dort von der CBM geförderten Projekte. Bereits 2009 und 2010 litten die Menschen im Land unter langen Dürreperioden und hatten nahezu keine Vorräte mehr. Durch extreme Regenfälle ist der Fluss Niger jetzt über die Ufer getreten und zerstört so die eigentlich dringend benötigte neue Ernte.
Frage: Halina, die Menschen im Niger sind immer wieder von Hungersnöten betroffen. Die letzte große Katastrophe gab es 2005. Auch jetzt droht wieder Hunger. Extreme Wetterlagen wechseln einander ab. Was hat das für Folgen für die Produktion von Lebensmitteln und deren Preise?
Antwort: Die landwirtschaftliche Produktion und die Schafzucht sind durch die harten Wetterbedingungen der letzten Jahre ernsthaft betroffen, zum Beispiel durch Wasserknappheit 2005 und 2009 sowie 2010. Das trifft vor allem auf die Schafzucht in der nördlichen Zone (Agadez) und dem Osten (Diffa) zu. Die Bauern in diesen Gebieten leben ausschließlich von der Schafzucht, die ihre einzige Einkommensquelle ist. Für gewöhnlich essen die Haushalte die von ihrem Viehbestand erzeugten Produkte (Milch, Käse und Fleisch).
Durch Wassermangel werden die Ackerböden stark ausgetrocknet. Kommt es nun zu starkem Regen, fügt dieser dem Boden beträchtlichen Schaden zu und spült das Verbliebene weg. Dies war in diesem Jahr der Fall. Zusätzlich zum Ackerboden haben die Fluten auch Häuser sowie die Viehbestände zerstört. Die Tiere waren bereits durch Monate des Hungers und Durstes sowie durch Krankheiten geschwächt.
Für Hunderttausende von Bauern und deren Familien hat das verheerende Auswirkungen auf den Lebensunterhalt. Um Wasserverunreinigung und das Ausbreiten von Krankheiten zu vermeiden, werden tote Tiere verbrannt. Tiere, die nachweislich verhungert sind, werden zu einem sehr niedrigen Preis schnell verkauft.
Frage: Wie ist die Lage momentan? Wie wirken sich die extremen Regenfälle aus, die nach der Hitzeperiode kamen?
Antwort: Die Vereinten Nationen berichteten, dass mehr als 200.000 Menschen aufgrund der Überschwemmung auf der Flucht sind. Wie die CBM-Partnerorganisation Karkara uns informiert, sind hunderte Haushalte stark betroffen. Selbst Bauern, die noch Tiere besitzen, sind auf Almosen angewiesen, da ihre Weiden überschwemmt sind: sie suchen Hilfe bei Verwandten, die sich jedoch selbst in einer schwierigen Situation befinden. Die Fluten zerstörten die Lebensgrundlage der meisten Leute. Verbrechen und Kriminalität sind auf dem Vormarsch, besonders in städtischen Zentren.
Frage: Ein CBM-gefördertes Projekt hat 43 sogenannte "Survival Yards" angelegt. Die Ernte der bewässerten Gärten soll Menschen mit Behinderungen und ihren Familien das Überleben sichern. Kannst Du kurz das Konzept der Überlebensgärten skizzieren?
Antwort: Das Konzept von „Survival Yards“ wurde als Antwort auf die Hungersnot 2005 entwickelt. Die Idee war es, kleine aber "intensive" Gärten mit genug Artenvielfalt zu schaffen, damit man das ganze Jahr über ernten kann. Jeder Garten besitzt ein System, um die Wasserspeicherung im Boden sowie die Fruchtbarkeit zu verbessern. Alle Gärten werden umzäunt, daneben gibt es entweder eine Wasserquelle oder ein Bohrloch, um eine andauernde Wasserversorgung sicherzustellen. Aufgrund der unkomplizierten Aufstellung der Gärten lernen und kopieren die Nachbarn mit der Zeit das innovative System, was einen breiten Einfluss auf die Gemeinschaft zur Folge hat. Die Familien werden zudem regelmäßig von einem Freiwilligen der Gemeinschaft besucht, der die Gesundheitsprobleme bespricht, die Impfung von Kindern kontrolliert und die Familienmitglieder nötigenfalls zu einem Spezialisten überweist.
Frage: Wie wirkt sich das Klima auf die "Survival Yards" aus?
Antwort: Wie oben beschrieben reagiert das Konzept auf das harte und extreme Klima im Niger. Jeder der 43 Gärten schließt ein großes Angebot an Pflanzen ein. Einheimische Pflanzensorten, die gegen den Wassermangel sehr widerstandsfähig sind, werden von Mitte März bis Mai angepflanzt. Samen von importiertem Gemüse, wie Kohl, Tomaten und Karotten, wachsen von November bis März und während der regnerischen Jahreszeit. Im Juni, Juli und August pflanzen und ernten die Gärtner Kartoffeln und Maniok.
Frage: 25 weitere "Survival Yards" sind in Planung. Wann und durch wen werden sie angelegt?
Antwort: Ende des Jahres und Anfang 2011 sollen die 25 Gärten entstehen. Wie bereits in den vorherigen Jahren werden die Gärten von Menschen mit Behinderungen selbst oder von Familienmitgliedern angelegt.
Link: Grauer Star Simulator der CBM
Link: Brailleübersetzer der CBM
Link: Fingeralphabet
Link: Wissenstest zum Thema Katarakt
Link: Auslegung der Monatsandacht durch Mitarbeiter der CBM
Link: Bereich für Schulen, Kirchen und Gemeinden
Link: Nothilfe für Philippinen
Link: CBM auf Facebook
Link: CBM auf YouTube
Link: Newsletter der CBM bestellen
Link: RSS der CBm abonnieren
Link: CBM Kinderpate werden