Monatsandacht November 2010 - von Daniel Magirius

Im Vertrauen auf Gott Schritte zum Frieden wagen

Porträt eines Mannes
Daniel Magirius
© CBM
"Am besten gefällt mir die Vielfältigkeit der Menschen, mit denen ich bei der CBM zusammenarbeite", sagt Daniel Magirius, wenn es um seine Arbeit geht. Der Theologe arbeitet bei der Christoffel-Blindenmission als Netzwerkadministrator.

Gott spricht Recht im Streit der Völker, er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen.
Jesaja 2,4

Schwerter zu Pflugscharen
Unser Monatsspruch für den Monat November sind mir persönlich sehr bekannte und vertraute Worte des Propheten Jesaja.
Eine besondere Bekanntheit durch eine breite Öffentlichkeit erlangten sie durch ein Kunstwerk, das die damalige Sowjetunion der UNO schenkte und das – im Höhepunkt des Kalten Krieges 1959 – in unmittelbarer Nähe vom UNO-Hauptgebäude in New York aufgestellt wurde. Das Denkmal stellt einen starken Mann dar, der ein Schwert in eine Pflugschar umschmiedet. Darunter der Hinweis auf die biblische Herkunft dieses Motivs, das auch fast wörtlich vom Propheten Micha überliefert wurde.
 
Bild für Friedenssehnsucht
Später, in den 1980er Jahren wurde dieses Bildmotiv zum Symbol der kirchlichen Friedensbewegung, vor allem im Osten Deutschlands. Es spiegelte die Friedenssehnsucht junger Christen in einem Staat wider, der nach außen, aber auch im Inneren immer weiter aufrüstete, und wurde auf Einladungen, Lesezeichen, besonders häufig jedoch als Aufnäher an Jacken und anderer Kleidung verwendet. Sehr zum Missfallen der Staatsmacht, die ihre Autorität und Politik dadurch in Frage gestellt sah, und den Trägern dieses Symbols nachstellte und sie dafür hart bestrafte.
 
Kriegsmaterial wird zu Alltagsgegenständen
Der Vers ist sehr bildlich gesprochen und lehnt sich an Dinge an, die die Hörer zur Entstehungszeit des Textes gewiss gekannt haben. Es geht um Völker und Nationen, um das Schmieden, um Pflugscharen und Schwerter sowie Winzermesser und Lanzen. Es sind Alltagsgegenstände, besser Arbeitsgeräte, die aus dem Kriegsmaterial hergestellt werden sollen. Modern gesprochen geht es um die Konversion von Kriegswaffen. Diese werden von den Leuten als nicht länger notwendig erachtet und einer sinngebenden Verwendung zugeführt.
 
Gottes Handeln als Anstoß zum Tun des Menschen
Die Menschen, so unser Vers, tun dies aus freien Stücken, es gibt niemanden, der sie dazu direkt auffordert. Aber es geht diesem Tun des Menschen ein Handeln Gottes voraus. Er spricht nämlich Recht im Streit der Völker und weist die Nationen zurecht. Und als Folge mit einem einfachen „dann“ – und keinem begründenden „deshalb“ oder „darum“ – verbunden, beginnt das Handeln des Menschen. Der Mensch ist aus sich selbst heraus offenbar nicht wirklich friedensfähig. Er bedarf des Anstoßes von Gott, um den Frieden mit seinen Mitmenschen zu finden. Gottes Eingreifen ist also notwendig.
 
Schritte zum Frieden - ein Wagnis
Im Hinblick auf unsere Zeit schreibt Hans Walter Wolff, ein evangelischer Theologe, „Das Hinarbeiten auf internationale Rechtsabsprachen zur Abrüstung ist zwar dringend zu wünschen, ersetzt aber nicht annähernd, was hier als Konsequenz des Jahwewortes verkündigt wird.“ Dies bedeutet, dass die Hörer des Prophetenwortes gewissermaßen in Vorleistung treten müssen. Wir haben den ersten Schritt zu wagen.
 
Frieden heute: Gewaltverzicht
Wenn wir den Vers bis zum Ende lesen, der nicht mehr Teil unseres Monatsspruchs ist, erfahren wir einiges über den Friedensbegriff des Propheten. Er beschreibt als Ziel, dass „kein Volk wider das andere das Schwert erheben [wird]“. In der modernen Welt sehen wir den Friedensbegriff viel weiter und meinen häufig auch einen „Inneren Frieden“, der durch Verzicht auf Gewalt im ökonomisch-wirtschaftlichen sowie im politischen und gesellschaftlichen Bereich bis hin zum Verzicht auf Gewalt in den Familien geprägt ist.
 
Realität: Friedenshoffnung
Diese Engführung des Begriffes durch den Propheten damals kann nur vor dem Hintergrund seiner Situation verstanden werden. Wann genau das war, das ist unter den Wissenschaftlern umstritten. Unstrittig ist aber, dass es in einer Zeit war, als das Volk Israel einer äußeren Bedrohung ausgesetzt gewesen ist. Deshalb spricht aus unserem Monatsspruch auch die Hoffnung auf Frieden in der Welt als einer Realität, die wir selbst erreichen und selbst erleben können durch Einsicht in das Wort Gottes. Und dieses Wort sagt uns zu – gestern wie heute – dass Gott das letzte Wort spricht im Streit zwischen den, aber auch innerhalb der Völker und den Übermut letztlich zu Fall bringen wird. Wenn wir fest daran glauben und darauf hoffen, dann dürfen wir mit gutem Gewissen den oben geforderten ersten Schritt zum Frieden hin wagen.
Daniel Magirius
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