Monatsandacht Juni 2010

Gottes Herz schlägt für seine Menschen

Porträt von Hans-Peter Kuhlmann
Hans-Peter Kuhlmann
© CBM
"Für mich ist bei meiner Arbeit der Kontakt zu Spenderinnen und Spendern besonders wichtig, weil mir dadurch immer wieder der Sinn der Arbeit der CBM deutlich wird", sagt Hans-Peter Kuhlmann. Der Theologe ist bei der CBM in der Spenderbetreuung tätig.

Gott spricht: Sucht mich, so werdet ihr leben.
Amos 5,4
Dieses Wort des Amos wirft uns zurück in das 8. Jh. vor Christus: Israel erlebt eine wirtschaftliche Blütezeit, die Oberschicht des Volkes lebt in Saus und Braus; Arme und Schwache dagegen werden betrogen, wo es geht. Längst ist der Gottesdienst zu heuchlerischem Kult erstarrt – vermischt mit der Machtpolitik der Herrschenden und durchmischt mit anderen Religionen. Sternbilder faszinieren und das Herz hängt an babylonischen Göttern, von denen man sich bessere Ernten, mehr Fruchtbarkeit, Potenz und Kriegsglück verspricht als von Gott.
 
Hört sich das nicht höchst aktuell an?
 
Wirtschaftliche Macht - Maßlosigkeit
Auf der einen Seite wirtschaftliche Macht, nach dem Motto: "Mein Haus, mein Boot, mein Auto". Die Bankentürme stellen inzwischen sämtliche Kirchtürme ihrer Nachbarschaft in den Schatten. Maßlosigkeit führt zu "immer höher, schneller, tiefer, weiter, mehr".
 
Vereinsamung und Kontrollverlust
Auf der anderen Seite Beziehungslosigkeit und in der Folge Vereinsamung, Kontrollverlust, gerissene Hedgefonds-Manager, bestechliche Ratingagenturen, politische Eliten, denen Popularität wichtiger ist als Professionalität, Euro-Krise, Gesellschafts-Krise.
 
Sehnsucht nach Lebenssinn
Tief drin im Menschen sitzt das Wissen, dass es mehr im Leben geben muss, als das Materielle, Sichtbare – nur wo? Im Internet findet man "nur einen Mausklick entfernt" all das, wonach ein gieriger, unersättlicher Lebenshunger verlangt, der trotz alledem nicht gestillt wird. Alle Suche, auch an den falschen Plätzen, kommt aus einer Sehnsucht, die förmlich nach Befriedigung schreit – Zeichen einer unergründlichen Lebens-Angst: Angst, den Lebenssinn zu verpassen.
 
Wirkliche Lebens-Lust nicht ohne Gott
Irgendwann spürt man, dass das eigene Krisenmanagement in eine Sackgasse führt. Ahnt, dass an Gott vorbei Leben nicht zu haben ist. Dass wirkliche Lebens-Lust nur von ihm kommen kann, weil sonst Unfreiheit, Getriebensein, Hetze und Angst die Oberhand gewinnen.
 
Gottes Wirklichkeit umgibt uns schon
"Sucht mich", lädt Gott ein, weil sein Herz für seine Menschen schlägt – gleichgültig, wo man gerade steckt und was man gerade treibt. Obwohl man zurzeit sein eigener Gott ist, weil man keinen Gott hat. Obwohl man sich selbst tröstet, weil man keinen Trost findet. Obwohl man sich selbst durchkämpft, weil keiner da ist, der für einen kämpft. Mitten in der Hektik in uns und um uns herum können wir ihn finden – eintauchen in die Wirklichkeit Gottes, die uns in unserem Leben ja längst umgibt. Nicht erst seit Amos’ Zeiten hat er nie aufgehört, uns zu suchen.
Hans-Peter Kuhlmann

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