Monatsandacht Dezember 2010 - von Jörn Halbe
Mit Richtungssinn leben
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CBM-Mitglied Dr. Jörn Halbe, Pfarrer i.R.© CBM
"Ich bin Theologe, war lange Zeit Leiter der pastoralen Aus- und Fortbildung in der Nordelbischen Kirche und bin nun im Ruhestand. Worum es mir ging und nach wie vor geht: Sehnsucht zu bilden – auf Grund der Versprechungen Gottes."
Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!
Matthäus 3,2
Matthäus 3,2
"Kehren Sie, wenn möglich, um!", kommt die gleichbleibend distanziert freundliche Stimme aus dem Navigationsgerät. (Ich nenne sie meine "Trude", manchmal meine "Minna".) Sie weiß nicht, wer ich bin. Aber wo ich bin. Und sie kennt mein Ziel.
Es sei denn, ich habe mich eben entschlossen, ein anderes Ziel anzusteuern – spontan, und ohne Trude/Minna umzuprogrammieren. So viel Freiheit muss sein. Sie wird auch nicht böse, fragt nicht warum; sie hält lediglich fest an dem, was mein Ziel war, und rät, wenn es anders gar nicht mehr geht: "Kehren Sie, wenn möglich, um!"
Aber ich habe mich anders entschieden. Es ist "was dazwischengekommen": Ich kehre mit neuem Ziel um.
"Es begab sich aber zu der Zeit ..." Da ist – der Maria, dem Josef zuerst, dann aller Welt "was dazwischengekommen". Die Engel konnten’s nicht für sich behalten, die Hirten konnten’s nicht fassen, Herodes und die seines Schlages konnten’s nicht dulden: Da die Welt nicht zum Ziel kommen konnte, nicht zu Gerechtigkeit, Freude und Frieden, kamen Gerechtigkeit, Freude und Frieden, kam ihr Ziel – in die Welt.
Das Ziel ihrer Sehnsucht war dies schon immer gewesen: Gerechtigkeit, Freude, Frieden. "Himmelreich", "Gottesherrschaft" waren die großen Worte dafür. Dann aber hatte das Warten den Worten die Sehnsucht genommen und der Sehnsucht die Worte. Das Ziel lag zu fern, auf dieses Ziel hin zu leben.
Nun aber war in der Welt (ihr in die Krippe gelegt; "denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge"): Das Umgekehrte ist möglich! Nicht immer nur auf dies ferne Ziel hin, sondern schon von diesem Ziel her zu leben: "Gerechtfertigt". Und das bedeutet: Im Reinen mit Gott, dessen froh und getrost, darum mutig zum Frieden. – Etwa so:
Ich danke Gott und freue mich
Wie's Kind zur Weihnachtsgabe,
Dass ich bin, bin! Und dass ich dich,
Schön menschlich Antlitz! habe;
Dass ich die Sonne, Berg und Meer,
Und Laub und Gras kann sehen,
Und abends unterm Sternenheer
Und lieben Monde gehen;
Und dass mir dann zumute ist,
Als wenn wir Kinder kamen
Und sahen, was der heil'ge Christ
Bescheret hatte, Amen!
[…]
(Matthias Claudius, täglich zu singen)
So etwa ... Und wenn am Ende einer fragt: "Wenn das möglich ist – wie einkehren in diese Möglichkeit?", dann nur eins nicht vergessen: Sie liegt nicht fern, irgendwann, irgendwo; sie liegt Ihnen ganz nahe. Kehren Sie, weil möglich, um!
Wie's Kind zur Weihnachtsgabe,
Dass ich bin, bin! Und dass ich dich,
Schön menschlich Antlitz! habe;
Dass ich die Sonne, Berg und Meer,
Und Laub und Gras kann sehen,
Und abends unterm Sternenheer
Und lieben Monde gehen;
Und dass mir dann zumute ist,
Als wenn wir Kinder kamen
Und sahen, was der heil'ge Christ
Bescheret hatte, Amen!
[…]
(Matthias Claudius, täglich zu singen)
So etwa ... Und wenn am Ende einer fragt: "Wenn das möglich ist – wie einkehren in diese Möglichkeit?", dann nur eins nicht vergessen: Sie liegt nicht fern, irgendwann, irgendwo; sie liegt Ihnen ganz nahe. Kehren Sie, weil möglich, um!
Dr. Jörn Halbe




