Weltwärtsreisende Micaela Moll berichtet aus Kenia

Von Hamburg nach Nairobi

Zwei Menschen in einem Büro
Micaela Moll (rechts) im CBM-Regionalbüro Nairobi/Kenia, mit der Rezeptionistin.
© CBM
Am 10. Februar war es soweit. Ich stieg bei norddeutschem Schietwetter in Hamburg ins Flugzeug. Mein Ziel – das CBM-Regionalbüro für Zentralafrika in Nairobi. Dort werde ich für ein Jahr als "Weltwärts"-Teilnehmerin freiwillig arbeiten. Elf Stunden später betrat ich dann bei warmen 23 Grad zum ersten Mal in meinem Leben kenianischen Boden.
Von Verkehrsregeln keine Spur
Was es heißt, in Nairobi zu leben und zu arbeiten, wurde mir bewusst, als ich vom Flughafen durch die Innenstadt zu meiner neuen Bleibe fuhr. Auf den Straßen stauten sich zur morgendlichen Rush Hour Autos und Lastwagen. Von Fahrbahnmarkierungen und Verkehrsregeln keine Spur. Hupende Matatus – die hiesigen Sammeltaxis – und waghalsige Motorradfahrer bahnten sich ihren Weg durch die Blechlawine. Straßenhändler versuchten, Zeitungen und andere Waren unter den wartenden Autofahrern zu verkaufen. Unzählige Menschen gingen zu Fuß auf dem Seitenstreifen stadteinwärts und wild gestikulierende Polizisten versuchten, zumindest an Kreuzungen und Kreisverkehren für Ordnung zu sorgen.
Ich wurde von der CBM in einer netten, ruhigen Wohnanlage im Stadtteil Kileleshwa untergebracht und teile mir dort eine Wohnung mit meiner Kollegin Kate aus Irland. Am nächsten Tag ging es morgens zur neuen Arbeitsstelle, wo ich von allen Mitarbeitern sehr freundlich begrüßt wurde. Das Regionalbüro, im belebten Stadtteil Westlands gelegen, beherbergt die Regionalbüros für Zentral- und Ostafrika. Hier arbeiten etwa 25 CBM-Mitarbeiter rund um die Uhr und koordinieren die Projektarbeit für 14 afrikanische Länder.
Eine Frau in ihrem Büro
Micaela Moll an ihrem Arbeitsplatz.
© CBM
Der erste große Auftrag
Meine kenianischen KollegInnen geben mir täglich Einblick in die verschiedenen Aufgabenbereiche; das wahre Ausmaß eines Regionalbüros lässt sich erst an der Fülle von Aktenordnern und täglich empfangenen E-Mails ermessen. Ich befinde mich weiterhin im Lernprozess und versuche, mir wichtige Informationen und Arbeitsabläufe einzuprägen. Der erste große Arbeitsauftrag ergab sich für mich, als die Projektstatistiken für das vergangene Jahr zu uns geschickt wurden. Seitdem träume ich von Excel-Tabellen.  
Jeden Tag lerne ich mehr
Darüber hinaus lerne ich jeden Tag in der Mittagspause einen neuen Satz auf Suaheli. Meine KollegInnen bringen mir nützliche Phrasen bei wie z.B.: "Na skia njaa sana" (Ich bin sehr hungrig) oder "Juwa iko wake sana" (Die Sonne ist sehr heiß). Diese Sätze kommen nicht von ungefähr, denn an die Hitze und die Höhenlage musste ich mich erst gewöhnen. Was das Essen anbelangt, kann man auf lokalen Märkten die unterschiedlichsten Obst- und Gemüsesorten kosten oder in riesigen Supermärkten "westliche" Lebensmittel kaufen. Eines bleibt allerdings gewöhnungsbedürftig: barfüßige Straßenkinder in zerschlissenen Kleidern und Mütter mit Babys im Arm warten vor den riesigen Shopping Centern und betteln um ein paar Cents. Da fällt es mir, mit mehreren Einkaufstüten in den Händen, schwer, einfach weiterzugehen.
Keine Frage – im Großstadtdschungel von Nairobi gibt es viel zu sehen und zu erleben. Die  zahlreichen, neuen Eindrücke dieses Landes, dieser Kultur verarbeite ich ganz allmählich. Und mit jedem Tag gewöhne ich mich ein wenig mehr an den Puls der Stadt.
Micaela Moll
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