Weltwärtsreisende Micaela Moll berichtet aus Kenia

Zu Besuch im Kikuyu-Augenkrankenhaus

Menschen vor einem Krankenhaus
Patienten warten vor dem Krankenhaus.
© CBM
Weltweit sind 17 Millionen Menschen am Grauen Star erblindet und könnten durch eine einfache Operation für rund 30 Euro ihr Sehvermögen wiedergewinnen. Allerdings leben die meisten dieser Menschen von etwa einem Euro pro Tag und können sich eine rettende Augenoperation kaum leisten.
Krankenhaus statt Büroarbeit
In meiner Arbeit als Weltwärts-Freiwillige habe ich täglich mit Menschen mit Sehbehinderungen zu tun, wenn auch nur auf dem Papier. Das Regionalbüro koordiniert von Nairobi aus die Projektarbeit in Zentralafrika, allerdings sind die Augenkrankenhäuser wie zum Beispiel in Kinshasa/Kongo und N’Djamena/Tschad zu weit entfernt, um die Arbeit der CBM „live“ begleiten zu können. Also fragte ich die Kollegen vom Regionalbüro für Ostafrika, ob ich ein kenianisches Projekt besuchen könnte - und was liegt da näher als das Kikuyu-Augenkrankenhaus, etwa 30 Kilometer von Nairobi entfernt?
Rollstühle
Rollstühle sehen hier ein wenig anders aus als in Deutschland.
© CBM
Pro Tag 250 Augen-Patienten
Das Krankenhaus in der Kleinstadt Kikuyu wird seit über 30 Jahren von der CBM unterstützt und behandelt im Durchschnitt mehr als 7.000 Menschen mit Grauem Star pro Jahr. Dr. Tony Walia, ein erfahrener Augenarzt, empfing meinen Kollegen Dennis und mich und führte uns durch die Augenabteilung, vorbei an Sprechzimmern und Operationssälen. Dr. Walia erzählte uns von seinem Alltag.
Gemeinsam mit seinen Kollegen empfängt er pro Tag etwa 250 Patienten. Die meisten kommen früh morgens, zahlen 300 Kenia Shillings (ca. 3 Euro) Aufnahmegebühren und müssen meist drei Stunden warten, bevor sie behandelt werden.
Zwei Menschen in OP Kleidung
Micaela und Dennis in OP-Kleidung.
© CBM
Die längste Nadelspitze der Welt ...
Er führte uns durch den überfüllten Warteraum in den OP-Bereich. Hier befinden sich zwei große Aufwachräume mit jeweils 35 Betten, einer für Männer und einer für Frauen und Kinder. Täglich werden hier etwa 25 Menschen am Auge operiert – von nur einem Arzt. Doch meistens ist der OP mit zwei oder drei Kollegen besetzt.
Wir durften bei einer Operation am Grauen Star zusehen und betraten schüchtern den Raum. Dr. Grady, ein amerikanischer Augenarzt, bereitete sich auf einen neuen Patienten vor, brachte das Elektronenmikroskop in Position und schaltete entspannende Musik ein. Eine Krankenschwester gab dem Patienten eine örtliche Betäubung und ich sah mit an, wie die wohl längste Nadelspitze der Welt unter seinem Augapfel verschwand.
Durch´s Mikroskop betrachtet: Katarakt-OP ganz nah
Dann ging es auf den OP-Tisch. Ein Bildschirm sprang automatisch an und übertrug in Großaufnahme das Geschehen unter dem Mikroskop. Eine andere Schwester brachte uns Stühle, so dass wir die Operation mitverfolgen konnten. Ein Skalpell erschien auf dem Bildschirm, diverse andere Instrumente kamen zur Anwendung und nach zwanzig Minuten war alles vorbei. Der Katarakt wurde erfolgreich entfernt und der Patient wurde schon in den Aufwachraum begleitet. Als nächstes wurden zwei Kinder hereingebracht, doch an dieser Stelle verabschiedeten sich Dennis und ich von dem Team. Eine OP reicht aus, um uns die Arbeit der Augenärzte zu veranschaulichen.
Der Vormittag im Kikuyu-Augenkrankenhaus ist schnell vergangen. Wir haben viel Neues erfahren und einen interessanten Einblick in die Arbeit der CBM erhalten. Vor dem Grauen Star kann man sich leider nicht wirklich schützen. Manche Ärzte behaupten sogar, dass man ihn auf jeden Fall bekommt, wenn man nur lange genug lebt. Gesundes Essen oder für gute Durchblutung sorgen helfen aber, ihn nicht so früh zu bekommen. Doch die hohe UV-Strahlung in Afrika begünstigt die Krankheit zusätzlich. Ich verließ jedenfalls das Krankenhaus mit dem festen Vorsatz, immer meine Sonnenbrille zu tragen, denn ich kann die lange Nadel nicht vergessen!
Micaela Moll
Link: Grauer Star Simulator der CBM
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