Martin Georgi verabschiedet sich von der CBM

Beeindruckt, wie Menschen mit Behinderungen ihr Leben selbst in die Hand nehmen

Porträt von Martin Georgi
Martin Georgi
© CBM
BENSHEIM. Sechs Jahre lang war Martin Georgi Direktor bei der CBM  für Kommunikation und Fundraising. Zum 30. April dieses Jahres wird er die CBM verlassen, um bei der Aktion Mensch als hauptamtliches Vorstandsmitglied tätig zu werden. Bis die Nachfolge geregelt ist, vertritt Direktionskollege Reinhold Behr seinen Aufgabenbereich. Im folgenden Interview erzählt Martin Georgi über seine Erlebnisse bei der CBM. 
 
Was nehmen Sie von Ihrer Zeit bei der CBM mit zu Ihrer neuen Arbeitsstelle?
Ich habe ein völlig neues Verständnis für die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen gewonnen. Diese Arbeitsfeld ist viel größer und komplexer als ich anfangs dachte – es gibt viele medizinische, soziale und politische Themen, die miteinander verbunden sind. Besonders beeindruckt haben mich die Betroffenen selbst, die ihr Leben in die Hand nehmen, aber auch die Menschen, die an ihrer Seite arbeiten. Die Glaubwürdigkeit und das große Engagement der Leute, die sich mit soviel Energie für Menschen mit Behinderungen einsetzen und trotz kleiner Rente treu und großzügig spenden, hat mich über die sechs Jahre bewegt und getragen.
 
Wenn Sie zurückblicken: Was waren die größten Erfolge?
Da fällt mir als erstes unsere 100-Jahr-Kampagne ein – eine sehr erfolgreiche Kampagne, die uns ganz neu in die Öffentlichkeit gerückt hat. Daneben natürlich der Branding-Prozess, der uns ein neues Gesicht gegeben hat: Wir stehen zu unseren christlichen Wurzeln, sind aber frisch und vertreten ein breites Mandat - inklusive der  Internationalität. Ich habe gemerkt, dass bei Spendern, aber auch bei anderen Partnern das neue Branding sowohl in seiner Botschaft und politischen Dimension, zusammen mit dem Layout und der Gestaltung, gut ankommt. Außerdem haben wir es geschafft, viel mehr in die Öffentlichkeit zu treten als früher, zum Beispiel durch die Plakatkampagnen mit innovativen Motiven.
 
Was lief nicht so gut?
Wir hatten zwar 2008 ein recht gutes Jahr, was die Einnahmen angeht, allerdings ist es schmerzlich, wenn man mehr gute innovative Projekte fördern könnte, aber kein Geld hat, um sie zu finanzieren. Frustrierend und enttäuschend war manchmal, wie langwierig und schwierig es sein kann, Großspender oder Firmen für einzelne Projekte zu finden. Geradezu herzerwärmend war es dagegen mitzuerleben, wie Spender, denen es finanziell nicht so gut geht, buchstäblich ihren letzten Groschen geben.
 
Zudem ist es schade, dass die CBM zwar in 100 Ländern arbeitet, aber mit neun spendensammelnden Mitgliedsorganisationen vergleichsweise klein ist – gemessen an den großen Aufgaben, die noch vor ihr liegen.
 
Wenn Sie Gelegenheit gehabt hätten, Ernst Jakob Christoffel persönlich kennen zu lernen – was hätten Sie ihn gefragt?
Ich würde mich mit ihm über seine Beharrlichkeit und Dickköpfigkeit unterhalten. Ich hätte gerne mehr darüber erfahren, wie er die Kraft fand, dieses damals neue und ungewöhnliche Thema "Kinder und Behinderung" durchzusetzen.
 
Wenn Sie im Mai zu "Aktion Mensch" wechseln, was werden Sie vermissen?
Ohne Pathos kann ich sagen: Auf jeden Fall die qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mit denen ich vertrauensvoll zusammenarbeiten konnte. Die Internationalität der CBM wird mir mit Sicherheit fehlen, auch das Arbeiten in verschiedenen Fremdsprachen.
 
Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?
Ich wünsche, dass sie oder er die Balance zwischen Arbeit und Privatleben besser schafft und von Anfang an darauf achtet, dass das Privatleben nicht zu kurz kommt. Die CBM sollte weiter mutig in die Öffentlichkeit gehen. Ebenfalls ist eine noch stärkere Vernetzung mit anderen Behindertenverbänden, Selbsthilfegruppen und kirchlichen Organisationen wichtig.
 
Sechs Jahre Arbeit für die CBM bedeutete auch, viel zu reisen. Welches Land hat Ihnen besonders gut gefallen?
Als besonders bewegend ist mir die Eröffnung einer Schule für mehrfachbehinderte Kinder in Santiago de Chile in Erinnerung. Es gab dort 70 behinderte Kinder, die davor keine Schule hatten. Bei der Eröffnung hat die zuständige Ministerin geweint, weil sie so glücklich war, dass die CBM aus Deutschland in ihrem Land diese wunderbare Initiative ergriffen hat. Mittlerweile läuft die Schule von allein und wird vom Staat finanziert.
In Äthiopien erschütterte mich die Geschichte einer Frau, die tagelang eine Unterkunft für ein Kind mit einer schweren geistigen Behinderung suchte. Sie wurde überall abgewiesen, das war fast wie eine moderne Weihnachtsgeschichte. Dank der Unterstützung der CBM gelang es doch noch, eine Herberge für das Kind zu finden.
 
Lieber Herr Georgi, der Missionsrat, die Direktion und die Mitarbeiter der weltweiten CBM-Familie wünschen Ihnen bei "Aktion Mensch" alles Gute und Gottes Segen und danken Ihnen herzlich für all das, was Sie in den vergangenen sechs Jahren für die CBM getan haben. 
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