125 Euro ermöglicht es Kindern wie Mariappan, nach einer Operation endlich ihre Familie zu sehen, mit anderen Kindern Fußball zu spielen und lesen zu lernen.
Wenn die anderen Kinder aus dem Slum in Tiruchirapalli/Indien draußen Fußball spielen, ist Mariappan unglücklich. Wie gerne würde er mit ihnen ausgelassen herumtollen. Doch er ist blind: "Weil ich nichts sehen kann, wollen die anderen Kinder nicht mit mir spielen", sagt er traurig. So sitzt er oft stundenlang zu Hause.
Neun Quadratmeter als Zuhause Der zehnjährige Junge lebt mit seinen Eltern und drei Geschwistern in einer der ärmsten Gegenden von Tiruchirapalli. Das nur drei mal drei Meter große Zuhause der sechsköpfigen Familie liegt in einem Slum, in dem arme und ausgestoßene Menschen wohnen. Die Familie gehört zur Pavavvai-Kaste, einer der untersten Kasten in der Region. Mariappans Vater Balamunegn ist Lumpensammler. Er sucht im Müll anderer Leute nach Brauchbarem und verkauft es anschließend.
Blind aufgrund von Windpocken Als Mutter Deepa mit Mariappan schwanger war, bekam sie Windpocken. Dass sie ausgerechnet während ihrer Schwangerschaft an diesem Virus erkrankte, hatte schwerwiegende Folgen: Bereits bei der Geburt hatte ihr Kind auf beiden Augen Grauen Star. Mariappans Eltern kannten sich mit Augenkrankheiten nicht aus. Deshalb bemerkten sie erst, als ihr Sohn drei oder vier Jahre alt war, dass er kaum etwas sehen konnte. Der Graue Star lag wie ein Schleier auf seinen Augen.
Früher hat ihm seine Schwester oft stundenlang aus Büchern vorgelesen. Nun lernt Mariappan selbst lesen.
Die Schultafel kann er nicht sehen Mittlerweile besucht der Zehnjährige die fünfte Klasse der Maithraiyan-Grundschule in den Slums von Tiruchirapalli. Doch weil er fast nichts sieht, fällt ihm das Lernen schwer. Niemand nimmt darauf Rücksicht, dass er blind ist. Niemand fördert ihn. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als nach Gehör zu lernen. "Ich kann die Tafel nicht sehen. Alles, was nah vor meinen Augen ist, sieht trüb aus. In der Schule fühle ich mich einfältig und dumm, aber ich hoffe, dass ich eines Tages gut sehen kann", erzählt Mariappan tapfer. Wegen seiner Blindheit ist der Junge auf Hilfe angewiesen. Seine acht jährige Schwester Vijayalakshmi hilft ihm beim Lernen. Nach der Schule liest sie ihm oft stundenlang aus Büchern vor.
Mariappans sechsköpfige Familie lebt in den Slums von Tiruchirapalli.
Eine Operation im "Joseph Eye Hospital" bringt die Wende Doch dann erhält Mariappan Hilfe, die sein Leben verändert. Er wird zur Augenklinik „Joseph Eye Hospital“ in Tiruchirapalli gebracht. Hier operieren ihn die Ärzte unter Vollnarkose am Grauen Star. - Die CBM fördert die Klinik seit 1968. In Kooperation mit den deutschen Lions wurden Erweiterungsbauten finanziert.
Mariappan sieht seine Familie Als die Augenklappe einige Zeit nach der Operation abgenommen wird, sieht Mariappan zum ersten Mal seine Familie – ein ergreifender Moment. Alle sind überglücklich. Seine Mutter Deepa ist zu Tränen gerührt. Dann erkundet der Junge neugierig den Raum, entdeckt eine Wanduhr.
Berufswunsch: Polizist "Nun sehen wir hoffnungsvoller in die Zukunft", freut sich sein erleichterter Vater. Auch der schüchterne Mariappan ist glücklich, dass er endlich sehen kann: "Jetzt kann ich mit den Nachbarskindern spielen. Ich habe vorher noch nie Fußball gespielt, aber ich würde es liebend gerne lernen", so Mariappan. Er schmiedet bereits Pläne: "Ich hoffe, dass ich jetzt fleißig lernen kann. Später würde ich am liebsten Polizist werden." Als er noch blind war, lag die Erfüllung dieses Wunschs in unerreichbarer Ferne. Nun, da Mariappan sehen kann, ist er seinem Ziel, als Polizist für Recht und Ordnung zu sorgen, einen großen Schritt näher gekommen.
Dank an Ärzte und CBM "Ich danke den Ärzten in der Augenklinik und der CBM dafür, dass sie mir das Augenlicht geschenkt haben", so Mariappan. Jetzt lassen ihn die anderen Kinder bestimmt mit Fußball spielen.