Lebensmittelverteilung in Kenia

Jericas Traum: ein Wassertank!

Die 28-jährige Jerica (Mitte) sitzt mit ihren sechs Kindern vor ihrer Hütte. Sie ist blind.
© CBM
Auf einer einfachen Bank sitzt ein junge Frau. Am ausgemergelten Körper trägt sie einen schmutzigen Rock und eine verwaschene Vliesjacke, die Füße sind nackt. Sie ist kaum mehr als Haut und Knochen. Auf dem Arm hält sie einen Säugling, ihr Blick ist ins Leere gerichtet und fünf weitere Kinder scharen sich um sie. Alle sind schmutzig, aber ihre Mutter kann das nicht sehen. Jerica Kalanyu ist blind.
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Blind - und voller Angst
Dass Jerica vor der Hütte sitzt, ist schon ein Fortschritt. "Als wir sie im Juni gefunden haben, hat sie die Hütte nicht verlassen", berichtet Hellen Nacheri Mwngania, Projektmitarbeiterin beim CBM-Partner Diözese Meru. Jerica hat Angst. Einmal wurde sie fast überfahren, als sie am sechs Kilometer entfernten Brunnen Wasser für die Familie holen wollte. Die 28-Jährige ist vor zwei Jahren erblindet.
Ein Junge reicht einer Frau einen gefüllten Teller, weitere Kinder sitzen daneben
Jerica (2.v.r.) bekommt von ihrem Ältesten einen Teller mit einer Mahlzeit gereicht.
© CBM
Nur noch ohne Schuhe unterwegs
Morgens steht sie auf, setzt sich auf die Bank und wartet, dass eines der älteren Kinder kommt, um ihr Essen und Trinken zu geben, ihr Mann unterstützt sie nicht, hat das Interesse an ihr verloren. Oft füttert sie der zwölfjährige Sandrick. Dann sitzt sie dort und kann ohne Hilfe nirgends hin. Schuhe trägt sie nicht mehr, denn nur, wenn sie den Boden unter Füßen spürt, kann sie sich ein wenig zurechtfinden.

Träume von einem besseren Leben geplatzt
Sie berichtet von unerträglichen Rückenschmerzen, die nach oben zum Kopf gezogen seien und ihr schließlich das Augenlicht genommen haben. Damals vor zwei Jahren war sie längere Zeit im örtlichen Krankenhaus und bekam die Diagnose: Erblindung auf Grund eines Unfalls. Doch mehr als die Diagnose und eine Rechnung, die die Familie nur mit dem gesparten Geld bezahlen konnte und indem sie ihre drei Felder verkaufte, hat sie dort nicht erhalten. Sie erhielt kein Training, um den Alltag zu bewältigen, keine Beratung, welche Möglichkeiten sie auch als sehbehinderte junge Frau hat und keine Hoffnung. Ihre Träume von einem besseren Leben für ihre Kinder waren geplatzt. Wie sollte sie den Kindern Bildung bieten, wenn sie nicht einmal Geld für Essen hatte, sondern vielmehr rund um die Uhr auf deren Unterstützung angewiesen war? 
Eine Frau hält sich am Arm eines Jungen fest, der einen kleinen Sack trägt
Sandrick (rechts) führt seine Mutter nach dem Erhalt der Lebensmittelration wieder nach Hause zurück.
© CBM / argum / Einberger
Hoffnung auf Ernte im Januar
Seit Mitarbeiter der Diözese von Meru sie im Juni das erste Mal besuchten, hat sich schon vieles verbessert. Ein Mal im Monat geht Jerica mit ihrem ältesten Sohn zur Essensverteilung. Dort bekommen sie eine Monatsration, bestehend aus Erbsen, Linsen, Mais und Öl. Jede Woche kommt Projektmitarbeiterin Hellen vorbei, die nach dem Rechten schaut. Außerdem hat die Familie Saatgut erhalten. Hellen konnte die Dorfgemeinschaft dazu bewegen, der Familie beim Sähen zu helfen. Das Feld hat Jerica von ihrem Schwager gepachtet. Wenn die Natur mitspielt, kann die Familie im Januar das erste Mal ernten.

Monatliche Essenspakete stärken die ganze Familie
Ihr Mann, der täglich auf dem Markt versucht, ein bisschen Geld zu verdienen, kommt nun mittags nach Hause, um für die Kinder zu kochen. So sind die Kinder gestärkt und können mittags wieder in die Schule gehen. In der Vergangenheit waren sie oft gar nicht in der Schule, sondern haben bei den Nachbarn um Essen gebettelt. Die Diözese wird Jerica ein Training in lebenspraktischen Fertigkeiten geben, sodass sie selbständig essen und trinken lernt, sich mit einem Langstock frei bewegen und wieder für die Kinder sorgen kann. Dann kann Jerica auch wieder an der Verwirklichung ihrer Träume arbeiten: Bildung für die Kinder, einem eigenen Garten und einem Wassertank, um nicht mehr sechs Kilometer zum nächsten Brunnen laufen zu müssen.
Link: Grauer Star Simulator der CBM
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