Interview mit Simon Bridger
Wir helfen den Ärmsten der Armen
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Simon Bridger
Foto: CBM
Ich glaube nicht, dass die Arbeit der CBM in Uganda besonders wichtig ist. Sie ist überall auf der Welt wichtig. Das Besondere an der CBM ist, dass sie sich wirklich mit den Ärmsten der Armen identifiziert. Es gibt eine Verbindung zwischen Armut und Behinderung, und vor allem hier in Uganda sehen wir sehr viel Behinderung, welche vermeidbar ist und direkt mit Armut in Zusammenhang steht.
Frage: Was bedeutet "CoRSU" und was ist der Zweck dieser Organisation?
CoRSU steht für "Comprehensive Rehabilitaion Services for Uganda", das heißt "umfassende Rebabilitationsdienste für Uganda" - und das ist auch der Zweck der Organisation, Menschen mit Behinderungen umfassend zu rehabilitieren. CoRSU möchte den Menschen vom Dorf vom chirurgischen Eingriff über fachliche Rehabilitation bis hin zur Begleitung, wenn sie zurück in ihren Gemeinden sind, "umfassend" helfen, damit sie ihr Leben selbstständiger und besser gestalten können.
Bei aller Arbeit, die wir leisten, steht immer wieder die Frage im Vordergrund, wie wir die Lebensqualität der Menschen verbessern können. CoRSU steht nicht alleine da, sondern ist Teil eines Netzwerk von Bemühungen zur Rehabilitation. Im Moment sind die von der CBM unterstützten vorhandenen Einrichtungen völlig überlastet.
Um dem Bedarf gerecht zu werden, sind die Beteiligten zu dem Schluss gekommen, eine für diese Aufgabe spezielle Organisation zu gründen – CoRSU - und die erforderlichen Dienste spezifisch auszubauen. Die neue Rehabilitationsklinik und das Rehabilitationszentrum werden an einer Hauptzufahrtsstrasse zur Hauptstadt Kampala gebaut.
Frage: Was ist der aktuelle Stand des Projektes?
Im Moment sind wir mit dem Bau beschäftigt. Dieser begann im März, nachdem sich die Situation im Nachbarland Kenia etwas beruhigt hatte. Wir sind den deutschen Spendern der CBM für ihre bisherigen Spenden sehr dankbar. Wir haben im Vertrauen die Bauverträge unterschrieben, in der Erwartung, dass bis zur 2. Jahreshälfte der Fehlbetrag noch aufgebracht wird.
Wenn die erforderlichen Mittel zusammenkommen, wird die 1. Bauphase im November abgeschlossen sein, sodass wir Anfang 2009 die Klinik in Betrieb nehmen können.
Ein großer Teil der Mitarbeiter wird mit den Fachärzten von der alten in die neue Klinik wechseln. Im Laufe der Zeit werden weitere Mitarbeiter rekrutiert werden, um die absehbar steigende Anzahl von Patienten zu betreuen. Hierzu wollen wir spezielle Weiterbildungslehrgänge organisieren.
In den kommenden Monaten wird uns zweierlei besonders beschäftigen:
1. die Qualität der Konstruktion sicherzustellen. Hier muss von der Qualität des Sandes bis hin zur Qualität der Wasserhähne alles überwacht werden, und natürlich auch, wie die Handwerker arbeiten. Pfusch am Bau gibt es überall auf der Welt.
2. die gesamte Ausrüstung des Spitals. U.a. müssen viele Geräte vom Ausland angeschafft(z.B. Röntgenapparat, Sterilisatoren etc.) und einiges muss im Sonderauftrag lokal hergestellt werden(z.B. die Betten für das Reha-Heim oder die Kleiderfächer für die Mitarbeiter).
Bis Ende des Jahres soll alles am richtigen Platz stehen – ein logistischer Alptraum!
Frage: Aus welchem Umkreis und aus welchem Umfeld kommen die Patienten?
Festzuhalten ist, diese Klinik ist ein Jahrhundertwerk! Sie ist einmalig in Ost-Afrika, wenn nicht sogar in Afrika südlich der Sahara. Wir werden Kinder mit Behinderungen nicht nur aus Uganda, sondern aus allen Nachbarländern behandeln, was bis dahin nicht möglich war.
Das gesamte Einzugsgebiet von CoRSU umfasst nicht nur Uganda, sondern auch den Sudan, die Demokratische Republik Kongo, Rwanda, Tansania und Kenia; vor allem alle Regionen mit viel Armut und auch solche, die von Kriegen und Unruhen erschüttert sind.
Frage: Wann soll das Projekt abgeschlossen sein?
Das Projekt wird abgeschlossen, wenn es keine Behinderung durch Armut mehr gibt!
Die erste Phase des Bauprojektes soll Ende 2008 beendet sein.
Eine zweite Phase ist geplant, die wir im Jahr 2009/2010 zu realisieren hoffen.
Frage: Was sind die Hauptvorteile gegenüber der jetzigen Situation?
Bis jetzt wurde unsere Arbeit im Rahmen eines Allgemein-Krankenhauses geführt. Dies hat Vor- und Nachteile. Der Nachteil ist, dass andere Gesundheitssituationen höhere Priorität bekommen als die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen. In CoRSU können wir die medizinische Hilfe und die Rehabilitation im Zusammenhang mit Behinderung an oberste Stelle setzen.
Hinzu kommt, dass die Gebäude von CoRSU gezielt für die Situation von Behinderten geplant sind - keine Stufen, behindertegerechte Toiletten usw. Im Moment wird die Arbeit in zwei kleinen Operationssälen durchgeführt. In CoRSU wird es sechs Operationssäle geben. Wir erwarten mit dem großzügigen Bau, der Überbelastung ein Ende zu setzen und unsere Arbeit auf weitere Ursachen von Behinderung hin auszubauen.
Kampala, Ende März 2008





