Warum ist im Ostkongo schon wieder eine bürgerkriegsähnliche Situation entstanden?
Der Osten des Landes ist permanent einer Vielzahl von Einflüssen ausgesetzt, um nicht zu sagen Begehrlichkeiten. Wieder einmal wird versucht, Interesse mit Gewalt durchzusetzen. Zahlreiche Analysen werden und wurden publiziert, um die Frage nach dem "Warum?" zu beantworten. Ich möchte keine weitere Deutung hinzufügen. Viel mehr beschäftigt mich persönlich die Frage, warum wir es zulassen müssen, dass Menschen im Kongo wieder und wieder dieses Leid und Elend durchleben.
Gibt es eine Hoffnung, dass die Flüchtlinge bald wieder zurückkehren können?
Eine fundierte Prognose ist in der gegenwärtigen Situation nicht gut möglich. Wir hoffen natürlich, dass sich die Lage rasch entspannen wird. Ich bin aber wenig zuversichtlich, dass der herrschende Konflikt bald gelöst werden und damit die Rückkehr der Vertriebenen beginnen kann.
Wie haben unsere Projektpartner bislang reagiert? Was tun sie konkret?
Die Art der Programme im Ostkongo erfordert ein hohes Maß an Mobilität, da sich die Arbeit bis in weit entlegene Dörfer erstreckt. Dies erklärt, dass die reguläre Programmarbeit in der gegenwärtigen Situation nahezu vollständig eingestellt werden musste.
Es bedeutet jedoch nicht, dass die Behindertenarbeit als solche eingestellt ist. Die Programme konzentrieren sich auf flüchtende und anders betroffene Menschen mit Behinderungen. Es ist leicht vorstellbar, welche Szenen sich in einer solchen Krisensituation abspielen können, wenn behinderte Menschen und ihre Familien nicht besondere Beachtung geschenkt wird.
Gehörlose Menschen, die nicht den Aufruf zu Nahrungsmittelausgaben hören, hungern. Körperbehinderte Menschen, die im Gerangel um Mehl, Öl und Bohnen nicht die Standfestigkeit besitzen, ihren Platz in der Warteschlange zu behaupten, gehen unter Umständen leer aus. Blinde Menschen, die sich in einer fremden Umgebung unsicherer bewegen als in ihrem vertrauten Umfeld, haben ungleich schwereren Zugang zu Hilfe und Hilfsgütern.
Unsere Partner unterstützen daher aktiv Menschen mit Behinderungen in den Lagern. Sie leisten aber auch Aufklärungsarbeit bei anderen Hilfsorganisationen, damit diese zum Beispiel bei Verteilaktionen Rücksicht nehmen.
Gibt es Berichte von Schicksalen von Menschen mit Behinderungen?
Behinderte Menschen, die sich in die Lager flüchten, sind zum Teil den Mitarbeitern der Programme persönlich bekannt. Selbstverständlich erhalten wir daher auch Berichte über deren besondere Schwierigkeiten. Krücken und Prothesen gehen wegen Überlastung zu Bruch. Wegen eingeschränkter Beweglichkeit kann auf der Flucht leicht der Kontakt zu Familienmitgliedern verlorengehen. Auch können behinderte Menschen oft nur wenig von dem ohnehin spärlichen Hab und Gut mitnehmen.
Wofür wird besonders dringend Geld gebraucht?
Nahrung, Wasser, Medikamente, Wetterschutz, Kochtöpfe, Kocher, Moskitonetze werden gebraucht und die Liste ließe sich noch fortsetzen. Als Fachorganisation sind wir natürlich gefordert, Hilfsmittel Behinderter, die zu Bruch gegangen sind, zu ersetzen oder zu reparieren.
Wir benötigen Unterstützung für die Teams unserer Partner, die sich dieser Ausnahmesituation mit unglaublichem Engagement stellen. Diese Teams müssen mobil sein und über funktionierende Kommunikationseinrichtungen verfügen.