"Die Liebe Gottes weitergeben"
Interview mit CBM-Augenarzt Dr. Philippin
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Dr. Heiko Philippin untersucht die Augen seiner Patientin Joyce Kaaya.© CBM / argum / Einberger
Seit 2007 lebt der Augenarzt Dr. Heiko Philippin in Ostafrika. Ende 2009 zog er mit seiner Familie von Kenia nach Tansania, wo er im "Kilimanjaro Christian Medical Centre" arbeitet, was ihm Spaß macht. Er liebt bei Operationen am Grauen Star den Moment, wenn er die trübe braun-graue Linse durch eine klare Kunstlinse ersetzt, und freut sich jedes Mal darüber. Seinen Patienten ermöglicht er dadurch eine Rückkehr in ein selbstständiges Leben.
CBM: Heiko, warum hast Du Dich entschlossen, Augenarzt zu werden? Gab es schon Augenärzte bei Euch in der Familie?
Dr. Philippin: Mein Vater unterrichtete als Sonderschullehrer Kinder, die eine Lernschwäche hatten und aus herausfordernden Verhältnissen kamen. Meine Mutter war Kinderkrankenschwester und Hausfrau. Ich bin der erste Augenarzt in unserer Familie. Zunächst habe ich Elektrotechnik studiert. Aber das schien mir langfristig zu trocken. Bei über acht Stunden Arbeit pro Tag wollte ich einen Beruf erlernen, der mehr mit dem Leben und den Menschen zu tun hat. Nach meinem Vordiplom in Elektrotechnik bin ich deshalb zur Medizin gewechselt. Dabei war es von Vorteil, dass ich mich gut mit elektrotechnischen Geräten und Computern auskannte. Ich habe mich dann für die Fachrichtung Augenheilkunde entschieden, weil ich hier z.B. der ganzen Bandbreite an Patienten begegne – vom kleinen Kind bis zum alten Menschen. Ein weiterer Vorteil des spannenden Fachs ist, dass manche Augenkrankheiten mit Medikamenten, andere operativ behandelt werden. Das macht die Arbeit abwechslungsreich. Ich wollte auch schon immer in Entwicklungsländern arbeiten, Augenarbeit kann hier effektiv helfen und viel leisten.
Dr. Philippin: Mein Vater unterrichtete als Sonderschullehrer Kinder, die eine Lernschwäche hatten und aus herausfordernden Verhältnissen kamen. Meine Mutter war Kinderkrankenschwester und Hausfrau. Ich bin der erste Augenarzt in unserer Familie. Zunächst habe ich Elektrotechnik studiert. Aber das schien mir langfristig zu trocken. Bei über acht Stunden Arbeit pro Tag wollte ich einen Beruf erlernen, der mehr mit dem Leben und den Menschen zu tun hat. Nach meinem Vordiplom in Elektrotechnik bin ich deshalb zur Medizin gewechselt. Dabei war es von Vorteil, dass ich mich gut mit elektrotechnischen Geräten und Computern auskannte. Ich habe mich dann für die Fachrichtung Augenheilkunde entschieden, weil ich hier z.B. der ganzen Bandbreite an Patienten begegne – vom kleinen Kind bis zum alten Menschen. Ein weiterer Vorteil des spannenden Fachs ist, dass manche Augenkrankheiten mit Medikamenten, andere operativ behandelt werden. Das macht die Arbeit abwechslungsreich. Ich wollte auch schon immer in Entwicklungsländern arbeiten, Augenarbeit kann hier effektiv helfen und viel leisten.
CBM: Wie bist Du auf die CBM aufmerksam geworden?
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Dr. Heiko Philippin: Wir hatten zu Hause häufig Post von der CBM bekommen, da meine Eltern regelmäßig spendeten. Später habe ich CBM-Stände z.B. beim schwäbischen Landesmissionsfest besucht. Während des Studiums habe ich an einem CBM-Seminar in Zürich teilgenommen. Dieses Seminar behielt ich im Hinterkopf. So kam es, dass ich mich nach dem Studium an der Universität Freiburg und der Facharztausbildung in der Freiburger Universitäts-Augenklinik bei der CBM beworben habe. Ich wurde eingeladen und reiste zum Kandidatenauswahlseminar. Einen Monat später habe ich meine CBM-Arbeit begonnen.
CBM: War es schwer, den Schritt nach Afrika zu wagen?
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Dr. Heiko Philippin: Für meine Frau Marenka war das ein größerer Sprung als für mich, denn sie war noch nicht in Afrika gewesen. Ich bin früher schon viel gereist, z.B. nach Kenia oder Tansania. Die Entscheidung, nach Afrika zu gehen, haben wir gemeinsam getroffen. Für uns beide war das schon länger eine Idee gewesen. Marenka als Physiotherapeutin und ich als Augenarzt.
Marenka Philippin: Ich hatte mich für Physiotherapie entschieden mit dem Hintergedanken, dass dieser Beruf auch in Entwicklungsländern gebraucht wird.
Dr. Heiko Philippin: In Kenia hatte ich meine erste Stelle. Dort habe ich beruflich viel dazugelernt. Marenka und ich haben auf dem Krankenhausgelände gewohnt. Es gab eine Kirchengemeinde im Dorf. Die drei Jahre dort, von Januar 2007 bis Dezember 2009, waren für uns beide eine überwiegend schöne Erfahrung.
CBM: Wie gehst Du damit um, wenn Du Menschen nicht helfen kannst, weil sie zum Beispiel einen Tumor haben?
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Dr. Heiko Philippin: Wenn man mit den Behandlungsmethoden der Medizin an Grenzen stößt, ist das als Arzt immer wieder herausfordernd. Gott sei Dank gibt es aber natürlich noch mehr als medizinische Erkenntnisse. In Kenia kenne ich unwiederbringlich blinde Menschen, die trotzdem viele Fähigkeiten ausleben und ihr Leben nach ihren Wünschen gestalten können. Zum Beispiel der blinde Sänger Reuben Kigame. Er hat in Kenia CDs veröffentlicht, war in den USA regelmäßig auf Tournee und hat einen eigenen Radiosender, auf dem er kostenlos Werbung für unsere Außeneinsätze machte. In Kenia und Tansania gibt es auch Blindenschulen und die "Gesellschaft für blinde Menschen".
Wenn Menschen einen bösartigen Tumor oder Aids im fortgeschrittenen Stadium haben und mit dem Tod konfrontiert sind, ist es schwieriger. Aber in Kenia z.B. hatten wir einen guten Seelsorger und einige Krankenschwestern mit einer Zusatzausbildung in Seelsorge, die den Leuten auf Wunsch beigestanden haben. Viele Menschen sind gläubig und finden Trost, Zuversicht und Halt im christlichen Glauben, der über den Tod hinausgeht. Das hilft auch mir, mit der Situation umzugehen.
CBM: Was motiviert Dich?
Dr. Heiko Philippin: Mir macht die Arbeit einfach Spaß. Ich operiere sehr gerne und meine Kollegen sind nett. Ich nehme gerne an Außeneinsätzen teil. Dabei fahren wir in Dörfer und Städte, untersuchen dort Patientinnen und Patienten und überweisen sie in unser Krankenhaus, wenn eine Operation notwendig ist. Die Arbeit ist abwechslungsreich und erfüllend. Dafür bin ich dankbar.
CBM: Welche Rolle spielt der Glaube?
Dr. Heiko Philippin: Ich komme aus einem pietistischen Umfeld. Während der Konfirmationszeit habe ich meinen persönlichen Glauben gefunden. Dabei bin ich durch Höhen und Tiefen gegangen. Mit meiner Arbeit möchte ich die Erfahrung weitergeben, von Gott geliebt zu sein. Diese Liebe möchte ich praktisch weitergeben – denn das liegt mir mehr als zu predigen. Mein Glaube gibt mir Kraft für die Arbeit.
Hier in Tansania besuchen wir eine anglikanische Kirche, zu der Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern kommen. Mit den Gemeindemitgliedern teilen wir unseren Glauben, so wie damals in der Gemeinde in Kenia.
CBM: Wann gibt es Momente, in denen Du froh bist, als Augenarzt zu arbeiten?
Dr. Heiko Philippin:: Oftmals nach Außeneinsätzen. Wir unternehmen fast jede Woche einen solchen Einsatz. Manchmal kommen hunderte Patienten zur Untersuchung. Viele von ihnen hatten noch nie einen Augenarzt gesehen. Es ist schön, dass wir diejenigen sind, die ihnen helfen. Auch über den Moment, wenn ich bei der Operation am Grauen Star die trübe braun-graue Linse durch eine klare Kunstlinse ersetze, freue ich mich jedes Mal. Die Netzhaut wirft danach wieder ihr orangefarbenes Licht zurück. Das ist so, als ob ich ein sehr schmutziges Fenster mit einem guten Lappen reinige und hinterher wieder so richtig klar durchsehen kann.
Viele Patienten mit Grauem Star müssen sich aufgrund ihrer Sehschwäche von Angehörigen führen lassen. Es ist schön zu erleben, wenn die Patienten nach der Behandlung wieder selbstständig gehen und sich orientieren können. Wir konnten z.B. einem blinden Bauern helfen, dessen Rinder gestohlen worden waren. Er konnte durch seine Erblindung nicht mehr ausreichend auf sie aufpassen. Seit der Operation am Grauen Star konnte er wieder sehen und plante, erneut Rinder zu halten. Eine blinde, alte Frau freute sich nach Operation, dass sie wieder selbstständig auf den Markt oder zur Toilette gehen kann. Manchmal bedanken sich Menschen auch, dass sie wieder einen Baum mit Blüten und Früchten sehen können.
CBM: Hast Du einen Wunsch an die CBM-Spender?
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Dr. Heiko Philippin: Ich bin dankbar, dass sie der CBM ihr Geld anvertrauen. Ich hoffe, dass sie sich damit als Teil der Arbeit sehen und auch am Erfolg der Arbeit teilnehmen. Ich wünsche mir, dass die Menschen weiterhin für die Behandlung des Grauen Stars spenden und auch durch die CBM in die Ausbildung von einheimischen Augenärzten investieren. Das liegt mir am Herzen. Wenn ich nach einer gewissen Zeit das Projekt wechsle, sollte ein einheimischer Augenarzt die Arbeit übernehmen, während ich in einem neuen Projekt weiterarbeite. Wenn wir also Einheimische ausbilden, die unsere Arbeit weiterführen, multipliziert sich die Hilfe. Man sieht langsam die Früchte der Ausbildungsarbeit. Es gibt zwar immer noch zu wenig einheimische Augenärzte in Afrika, aber ihre Zahl steigt stetig.
Auch die Ausbildung anderer Berufsgruppen in der Augenheilkunde geht voran und nicht zuletzt trägt auch die Aufklärung der Bevölkerung langsam Früchte: Das KCMC-Krankenhaus hier in Tansania ist relativ bekannt. Es freut mich, wenn Kinder frühzeitig zu uns kommen, denn das verbessert die Prognose, danach wieder besser zu sehen. Das Baby Baraka, das von einem anderen Krankenhaus aus zu uns überwiesen wurde, kam im Alter von wenigen Monaten. Seit einer Operation am Grauen Star kann es wieder sehen. Es hat sich herumgesprochen, dass man Grauen Star operieren kann – auch bei Kindern –, dass die Operation bezahlbar ist und dass die Menschen anschließend wieder sehen können.
CBM: Was vermisst Du hier in Tansania?
Dr. Heiko Philippin: Gute Freunde aus Deutschland und Kenia, ins Kino gehen, Schokolade. Dafür gibt es hier sehr leckere Früchte. Im Krankenhaus esse ich mittags meist das tansanische Nationalgericht: frisches Gemüse, Reis mit Bohnen.
CBM: Was wirst Du vermissen, wenn Du nicht mehr in Tansania bist?
Dr. Heiko Philippin: Freunde, das Klima, den Kilimandscharo, die Küste, das Obst. Man lässt immer Schönes zurück und ist gespannt, was die neue Aufgabe mit sich bringt.
CBM: Heiko, stell Dir vor, Du sitzt eines Tages als Großvater im Schaukelstuhl am Schluchsee im Schwarzwald, um Dich herum Deine sieben Enkelkinder. Was erzählst Du ihnen aus Afrika? Was würdest Du ihnen mitgeben wollen?
Dr. Heiko Philippin: Ich würde ihnen mitgeben wollen, dass es sich lohnt, die Träume und Visionen umzusetzen, die man als Jugendlicher hatte. Und dass es keine Rolle spielt, wie Leute leben oder wie sie aussehen, es können überall Freundschaften entstehen.
CBM: Gibt es noch Herausforderungen in Afrika?
Dr. Heiko Philippin: Es gibt noch viele Herausforderungen. Zwei davon sind der Grüne Star (Glaukom) und die Diabetische Retinopathie (eine Netzhauterkrankung). Die betroffenen Patienten müssen rechtzeitig zu uns kommen, damit wir ihr Augenlicht erhalten können. Beim Grauen Star dagegen hat man viel länger Zeit und kann auch noch erfolgreich behandeln, wenn er sehr weit fortgeschritten ist. Wir suchen nach Methoden, wie wir auf günstige und effektive Weise betroffene Patienten rechtzeitig finden können. Auch hier in Afrika ist z.B. Aufklärung über Grünen Star und Diabetische Retinopathie sowie deren Behandlung sehr wichtig – das sind Herausforderungen der Zukunft.




