Hintergrundinformation zum CBR-Projekt Elikya

Eine Frau zeigt einem Kind eine Sehtestkarte
Neenee, Sehtherapeutin, führt bei einem Gemeinde-Screening Sehtests durch.
© CBM / Foto Backofen Mhm
Das CBR-Projekt Elikya (CBR: Community based rehabilitation, zu deutsch: gemeindenahe Rehabilitation) kann man als eine zentrale Vermittlungsstelle für die wichtigsten CBM-Projekte in der 8-Millionen-Metropole Kinshasa bezeichnen: Elikya arbeitet den anderen zu. Volontaires, ehrenamtliche MitarbeiterInnen des Projekts, sind jeden Tag in allen Stadtteilen unterwegs, suchen nach neuen Klienten und sorgen dafür, dass diese dorthin überwiesen werden, wo man ihnen am besten helfen kann.
 
Das Büro von Elikya liegt zentrumsnah im Stadtteil Limete (Gemeinde St Dominique). Ganz in der Nähe befindet sich das "Hôpital St Joseph", das Sankt-Josephs-Hospital. Die Leiterin, Astrid Moanda, erklärt die Struktur des CBR-Projekts:
 
Viertaused ehrenamtliche Mitarbeiter
Die Erzdiözese Kinshasa besteht aus 160 Gemeinden. Jede dieser Gemeinden ist in 15 bis 25 Basisgemeinden unterteilt (CEVB – Communautés Ecclésiales Vivantes de Base). In jeder Basisgemeinde arbeiten zwei Volontaires (freiwillige, ehrenamtliche MitarbeiterInnen). Da Kinshasa 2000 Basisgemeinden umfasst, gibt es in der Stadt 4000 Volontaires! Jeder Volontaire betreut ca. 20 bis 30 Familien.
 
Auffinden von Menschen mit Behinderungen
Die Volontaires verfügen über grundlegende Kenntnisse zur Erkennung von Krankheiten und Behinderungen. Sie können beispielsweise eine Katarakt-Erkrankung oder eine Mittelohrentzündung feststellen. Wenn ein Volontaire einen potentiellen Klienten entdeckt – also einen Menschen, der an einer Krankheit oder einem Handicap leidet -, gibt er dem Priester der Gemeinde eine Empfehlung.
Gemeindliches Screenings- und Überweisungssystem
Der Priester stellt bei Bedarf eine Überweisung an Elikya aus. Die Patienten werden daraufhin – in der Regel im Rahmen einer Dépistage, eines Screenings in einer der Gemeinden Kinshasas - einer gründlichen Voruntersuchung unterzogen und an die passenden Einrichtungen weiterüberwiesen, z.B. an das St.-Josephs-Hospital, wenn es sich um einen Fall von Grauem Star handelt, oder an das Gehörlosenzentrum Villages Bondeko, wenn eine Schwerhörigkeit diagnostiziert wurde. Die Nachbetreuung der Patienten – z.B. regelmäßige Sehübungen nach der Katarakt-OP - wird ebenfalls von den Volontaires übernommen.
 
Gemeinden berufen "Volontaires"
Ein Volontaire wird von Mitgliedern der Basisgemeinde vorgeschlagen und von der Gemeindeversammlung auf drei Jahre in sein Amt gewählt. Nach Ablauf dieser Zeit kann er für weitere drei Jahre nominiert werden. Für ihre Tätigkeit erhalten die Volontaires lediglich eine kleine Aufwandsentschädigung. 160 Sozialarbeiter (je einer für jede der 160 Gemeinden Kinshasas) der Caritas unterstützen und supervisieren die Volontaires. Die Sozialarbeiter, die ca. fünf Stunden am Tag arbeiten, tun dies ebenfalls auf ehrenamtlicher Basis. Sie schreiben regelmäßig Berichte über die Arbeit der Volontaires an deren Vorgesetzte, die Priester der jeweiligen Gemeinde.
 
Bewußtseinsbildung durch "Assistents Sociales"
Eine wichtige Rolle kommt den "Assistents Sociales" zu. Sie arbeiten in Vollzeit und werden regulär bezahlt. Ihre Aufgabe ist es vor allem, die Menschen für den Umgang mit Kranken und Behinderten zu sensibilisieren. Beispielsweise versuchen sie, Familien mit behinderten Kindern zu vermitteln, dass diese ein durchaus lebenswertes Leben führen können. Immer wieder kommt es vor, dass betroffenen Kinder weggesperrt oder gar getötet werden! Ein Grund dafür ist, dass Behinderte als verflucht angesehen werden. Die Arbeit der "Assistents" verhilft Menschen mit Behinderungen zu mehr Teilhabe und kann sogar lebensrettend sein!
 
Das ausgeklügelte, umfassende System zur Identifikation und Betreuung von Menschen mit Behinderungen gründet sich in der “Èthique Sociale”, der Sozialethik der Katholischen Kirche. Auf dieser Basis wurde Elikya im Jahre 1996 vom deutschen Priester Alois Schmidt initiiert. Er leitete das Projekt bis 2002 und lebt heute in Berlin.
Link: Grauer Star Simulator der CBM
Link: Brailleübersetzer der CBM
Link: Fingeralphabet
Link: Wissenstest zum Thema Katarakt
Link: Auslegung der Monatsandacht durch Mitarbeiter der CBM
Link: Bereich für Schulen, Kirchen und Gemeinden
Link: Nothilfe für Philippinen
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