Die CBM in der DDR
Hilfe für Blinde in schwieriger Zeit
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(v.l.n.r.:) Hanns-Lothar Förschler, Christian Garms und Günter Völkel, damaliger Direktor der CBM/DDR, unterzeichneten am 4. 9. 1991 in Potsdam den Vertrag zur Vereinigung von CBM Potsdam und CBM Bensheim.© CBM
Mit dem Bau der Berliner Mauer 1961 wurde auch die Einheit der Christoffel-Blindenmission in Deutschland gewaltsam zerstört. Allen Widrigkeiten zum Trotz
halfen ostdeutsche CBM-Freunde weiterhin blinden und anders behinderten Menschen im Sinne Ernst J. Christoffels.
halfen ostdeutsche CBM-Freunde weiterhin blinden und anders behinderten Menschen im Sinne Ernst J. Christoffels.
Person und Werk Pastor Ernst J. Christoffels sind seit fast 100 Jahren eng mit den Städten Berlin und Potsdam verbunden. Seit der Gründung der Blindenmission 1908 brauchte der Missionar treue Unterstützer, um seine Predigt der Liebe in den von ihm eröffneten Heimen in der Türkei und Persien in die Tat umsetzen zu können. So warb er in Berlin und Potsdam bei guten Freunden für seine Arbeit. 1912 zog die Geschäftsstelle der Christlichen Blindenmission von Danzig nach Berlin. Neue Freundeskreise entstanden. Die Jugendarbeit blühte auf. Im sogenannten "Dritten Reich" wurde ihr Wirken unerträglich eingeengt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg stand nicht nur Pastor Ernst J. Christoffel vor einem Neubeginn. Der Spenderkreis war zerschlagen. Im Westen wurde vom oberfränkischen Geroldsgrün und später von Bad Sachsa aus die Missionsarbeit wieder aufgenommen.
Der Freundeskreis im Osten
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Schwester Christa Adler (links) war jahrelang im Vortragsdienst tätig und Helmut Dietrich (rechts) leitete jahrzehntelang die CBM in der DDR.© CBM
Bis zum Mauerbau 1961 gab es einen gemeinsamen CBM-Vorstand für Ost und West. Danach entwickelten sich zwangsläufig zwei Freundeskreise, die erst ab 1992 wieder offiziell zusammenarbeiten konnten. In all den Jahren brach die inoffizielle Verbindung zwischen Bensheim und Potsdam nie ab. Bensheimer Mitarbeiter besuchten die Freundestreffen in Ostberlin. Rentner wurden auf ihren Reisen in den Westen zu wichtigen Kontaktpersonen. Trotz aller politischen Widrigkeiten wuchs der Freundeskreis im Osten langsam, aber stetig.
"Wenn ich auf die Zeit des Neuanfangs nach 1945 zurückblicke, kann ich nur sagen: Das ist vom Herren geschehen und ist ein Wunder vor unseren Augen."
Hermann Kloppe, ehemaliges Mitglied des CBM-Vorstands in der DDR
Schwerpunkt der Hilfe: Ostafrika
1969 berief der damalige CBM-Direktor in Bensheim, Siegfried Wiesinger, Helmut Dietrich zum Leiter und späteren Direktor der CBM/DDR (1969-1988). Neue Wege wurden eingeschlagen. Bald ermöglichte der ostdeutsche CBM-Freundeskreis Hilfssendungen vor allem nach Tansania, Kenia und Bangladesch. Im Mittelpunkt stand die Versorgung mit Blindenhilfsmitteln sowie augenmedizinischen und optischen Geräten, aber auch mit Musikinstrumenten aus Klingenthal für Blindenschulen. Auch in Lasky/Polen und in Budapest/Ungarn wurden Behinderteneinrichtungen und Schulen finanziell unterstützt. Und nach Südamerika wurden Blindenatlanten in spanischer Sprache geschickt - das war dort damals eine Neuheit.
Vom Staat war keine Hilfe zu erwarten, es sei denn, die Spendengelder wären auf das Solidaritätskonto zur Unterstützung „befreundeter Befreiungsbewegungen“ überwiesen worden. Deshalb mussten andere Möglichkeiten gefunden werden, Hilfssendungen auf den Weg zu bringen. So kam es zu einer sehr engen Zusammenarbeit mit der Caritas.
Mobiler Begleitdienst – eine Neuheit in der DDR
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Geschäftsstelle Potsdam: Die Mitarbeiter 2009, (v.l.) Peter Pomplun, Ingeburg Bröther, Hildegard Pomplun, Edith Meyer, Manfred Meyer.© CBM
1988 rief Helmut Dietrich den "Mobilen Begleitdienst" ins Leben. Da nicht alle Spenden in die Projekte fließen konnten, wurde diese Arbeit im Inland damals zum wichtigen Bestandteil der Behindertenhilfe der CBM/DDR. Ausgebildete Mitarbeiter betreuten mehrfachbehinderte blinde Kinder in ihren Familien: eine bislang einmalige Hilfe für Betroffene. Die Einrichtung, die 2008 ihr 20-jähriges Bestehen feierte, wurde mittlerweile von einem anderen Träger (EJF-Lazarus, Berlin) übernommen und ist heute als Frühförder- und Beratungsstelle aktiv. Dankbar blickt sie auf die Anfangsjahre ihrer Tätigkeit unter dem Dach der CBM zurück.
70.000 CBM-Freunde in den neuen Bundesländern
1988 übernahm Pfarrer Günter Völkel (1988 – 1999) als langjähriger Vorstandsvorsitzender der CBM in der DDR die Leitung des Werkes. Ende der 80er Jahre wurde es dann sogar möglich, Mitarbeiter des Luth. Krankenhauses in Tansania zum "Brillenmacher" in den Rathenower Optischen Werken ausbilden zu lassen.
Seit der offiziellen Vereinigung der Freundeskreise von Ost und West am 1. Januar 1992 steuert die Bensheimer Zentrale die Finanzen und die Überseearbeit. Von Potsdam aus wird weiterhin der engagierte Freundeskreis in den neuen Bundesländern betreut. Nach der Wiedervereinigung konnten auch über den kirchlichen Rahmen hinaus neue Spender gewonnen werden. So wuchs die Zahl der CBM-Freunde in der ehemaligen DDR von 13.000 auf über 70.000 (Stand: 2008) an: ein Vertrauensbeweis für die jahrzehntelange Fortführung der Arbeit im Sinne Ernst J. Christoffels.




