Die Schule Fundal in Guatemala
Helen redet mit den Händen
-
-
Helen ist hörgeschädigt und schielt: Zum Glück sieht sie genug, um Schwarzschrift zu schreiben. Hier übt sie.© CBM / Grossmann
Fundal, Helens Schule, liegt hoch über Guatemala-Stadt. Wenn man das Klassenzimmer betritt, erscheint es erst ungewöhnlich still für eine Schule. Nach einer Weile wird einem klar: Die Kommunikation läuft hier über Gesten und Berührungen. Die Schüler reden mit den Händen, denn sie sind hörgeschädigt und sehbehindert oder gänzlich taubblind. Helen schielt auf einem Auge und ist fast taub. "Sie hat viele Dinge gelernt, von denen ich nie dachte, dass sie das je können wird", sagt ihre Mutter Herlinda begeistert. Denn als Helen geboren wurde, rieten ihr die Ärzte in ihrer Heimatstadt Santa Joaquin, ihr Baby sterben zu lassen. Helen kam mit Herz und Nierenschäden auf die Welt. Ein Kind mit derartigen Behinderungen würde nicht lange leben, war der Tenor der Ärzte. Aber heute spielt Helen Fußball. Nach dem Unterricht kickt sie am liebsten mit dem fünfjährigen Vinício. Sie verständigt sich in Gebärdensprache und das Wichtigste für ihre Mutter Herlinda: Sie lebt.
-
-
Helen und ihre Mutter: Sie machen den Tagesplan für die Schule.© CBM / Grossmann
Helen lernt die Gebärdensprache
Helen ist ganz offensichtlich Herlindas kleine Prinzessin. Diesen Status nutzt sie manchmal aus, um ihrer Mutter ein bisschen auf der Nase herumzutanzen. Früher warf sich Helen oft wütend auf den Boden und stampfte mit den Füßen, wenn sie etwas wollte. Hauptsache Aufmerksamkeit! Das hat sich geändert: In der CBM-geförderten Schule lernte Helen, wie sie sich mitteilen kann. Jetzt fragt sie in Gebärdensprache, wenn sie etwas möchte und versteht ihre Mutter immer besser.
Eigentlich sollte Helen die Schule für Gehörlose besuchen. Aber dort wurde sie nicht aufgenommen, da sie auch eine Fehlstellung der Augen hat. Mehrfachbehinderte Kinder, die wie Helen hörgeschädigt und zugleich sehbehindert sind, werden häufig abgewiesen. Die einzige Schule, die sie aufnahm, war Fundal – ein Projekt mit Modellcharakter für Zentralamerika. Helen hatte viel Glück, denn Fundal gehört zum einzigen Projekt ganz Guatemalas für Kinder mit Mehrfachbehinderungen: Fundación Alex.
Behinderte Menschen sind in Entwicklungsländern eine Randgruppe und warten oft jahrelang auf die Aufnahme in eine geeignete Schule. Für diese Kinder, die sonst nirgendwo einen Platz finden, soll Fundal "fröhlich, angenehm und ermutigend sein", sagt Diana de Bonilla, erzieherische Leiterin des CBM-Partnerprojekts.
Seit 2001 bilden neun Lehrer und Physiotherapeuten insgesamt 30 taubblinde und anderweitig mehrfach behinderte Kinder aus. Gladys, eine Lehrerin, erzählt:
"Die Kinder sind richtig liebenswert und teilen auch selbst viel Liebe aus. Unsere Arbeit ist extrem wichtig."
Schulbesuch mit Hindernissen
Auch Helen fand hier ihren Platz. Zu verdanken hat sie das zwei Umständen. Da Helens Familie arm ist, wie mehr als die Hälfte der 13,5 Millionen Einwohner Guatemalas, konnte sie sich die Schulgebühren nicht leisten. Die Familie wird deshalb unter anderem von der CBM unterstützt und zahlt nur ermäßigte Schulgebühren. Zudem musste Helen mit ihrer Mutter umziehen, damit sie zur Schule gehen konnte. Denn es wäre unmöglich gewesen, von ihrem Heimatort Santa Joaquin aus jeden Tag fünf Stunden zur Schule zu fahren. Die Mutter mietete eine kleine Wohnung in Guatemala-Stadt. Von Montag bis Freitag wohnen die beiden nun auf engstem Raum: Kochen, Schlafen, Wohnen in einem Zimmer. Ihren Vater Walter sieht Helen nur am Wochenende, wenn sich Mutter und Tochter mit dem Bus auf die lange Reise nach Hause begeben.
Der Kontakt zu den Verwandten von Herlinda ist schwierig. Denn sie halten sie für verrückt, weil sie sich so sehr um ihre behinderte Tochter kümmert. "Aber ich kann sie ja nicht sterben lassen", sagt Herlinda mit Tränen in den Augen.
Bevor Herlinda mit Helen nach Fundal kam, konnte sie mit niemandem über die Probleme ihrer Tochter sprechen. Sehr stark spürte sie die gesellschaftliche Ausgrenzung. Herlinda machte sich große Vorwürfe, dass sie an Helens schwerer Behinderung schuld sei. Denn während der Schwangerschaft hatte sie Röteln – eine häufige Ursache für Taubblindheit.
-
-
Kochen ist Helens Lieblingsfach: Trotz ihrer Schwierigkeiten beim Sehen schneidet sie alles sehr akkurat.© CBM / Grossmann
Fundal ist ein Zuhause geworden
In Fundal kann sich Herlinda jeden Freitag mit den Eltern der anderen Kinder austauschen. Denn da haben mal zur Abwechslung die Eltern Schulunterricht. Sie lernen zum Beispiel die Gebärdensprache, damit sie sich besser mit ihren Kindern unterhalten können. Der Zusammenhalt stärkt die Mütter und Väter.
"Fundal ist für uns alle ein Zuhause", resümiert Herlinda. Die Gemeinschaft in der Schule gibt ihnen die Stärke weiterzumachen und schenkt neuen Mut. "Mir geht es in Fundal so viel besser", sagt Herlinda gerührt, "hier haben wir gelernt, die Fähigkeiten unserer Kinder zu schätzen."
Helen träumt von der Zukunft
Und Helen macht Fortschritte: Mit ihrem Hörgerät kann sie sich erstmals selbst hören und infolgedessen das Sprechen lernen. Zudem übt sie in Fundal das Lesen und Schreiben. Endlich kann sie ihre Gedanken auch anderen Kindern mitteilen, mit ihnen spielen. In der CBM-unterstützten Schule lernt sie, selbstständig zu sein und Vertrauen zu haben in das, was sie schon kann oder bald können wird: Wenn Helen groß ist, will sie Sekretärin werden. Aber eigentlich nur, "weil die so schön gekleidet sind."
-
- © CBM / Grossmann
Fundal: Helfen Sie mit!
In Guatemala leben etwa 8.000 Kinder mit Behinderungen. Sie bekommen noch keine Unterstützung in einer geeigneten Einrichtung, würden aber gerne zur Schule gehen und lernen.
Ermöglichen Sie einem Kind mit Mehrfachbehinderung den Schulbesuch! Der Schulbesuch kostet nur 30 Euro im Monat.
Kennwort: Schule
Kennwort: Schule




