Heidemarie Wieczorek-Zeul

Zum 100. Geburtstag der Christoffel Blindenmission (CBM) sende ich meine herzlichen Glückwünsche. 100 Jahre selbstlose Hilfe für arme, benachteiligte und behinderte Menschen in unserer Einen Welt ist Anlass genug, dieses hervorragende Engagement an dieser Stelle entsprechend zu würdigen.

Im Laufe eines Jahrhunderts ist aus dem Bemühen des Gründers, Ernst Jakob Christoffel, im konkreten Einzelfall Hilfe für Augenkranke und Behinderte zu leisten, ein Netzwerk entstanden, das heute in über 1.000 Projekten weltweit im Rahmen struktureller und nachhaltiger Vorhaben agiert.

Eine große Herausforderung, der sich die Christoffel Blindenmission annimmt, ist die Bekämpfung von Augenkrankheiten und Blindheit. Heute leiden nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 161 Millionen Menschen weltweit an einer Sehbehinderung, 37 Millionen Menschen sind blind. 90 % der von Blindheit oder Sehbehinderung betroffenen Menschen leben in Entwicklungsländern. Armut, mangelhafte hygienische Bedingungen, geringe Bildung und fehlende medizinische Versorgung gehören zu den Hauptfaktoren für Erblindung in Entwicklungsländern.

Dank eines groß angelegten Engagements im Rahmen der weltweiten Kampagne zur Blindheitsverhütung „Vision 2020“ ist es in den vergangenen Jahren gelungen, Maßnahmen zur Blindheitsverhütung in den nationalen Politiken der Entwicklungsländer zu verankern. Hierzu hat auch die kontinuierliche Arbeit der zivilgesellschaftlichen Organisationen, wie der Christoffel Blindenmission, einen wesentlichen Beitrag geleistet.

In bedeutendem Maße setzt sich die CBM zudem für behinderte Menschen ein. Diese leiden oftmals unter Diskriminierungen und sind häufig von sozialen, politischen und ökonomischen Prozessen in ihrer Gesellschaft ausgeschlossen. Hinzu kommt, dass adäquate Arbeitsbedingungen und Gesundheitsdienste in Ländern mit Niedrigeinkommen meist nicht zur Verfügung stehen, ihre besonderen Bedarfe werden nicht berücksichtigt. Deshalb sind diese Menschen oft ärmer als Menschen ohne Handicap.

Im Rahmen ihrer Projektarbeit strebt die Christoffel Blindenmission zum einen eine signifikante Armutsminderung für behinderte Menschen an, zum anderen ist das Ziel, sie als gleichwertige Mitglieder mit gleichen Rechten in ihre Gesellschaft zu integrieren. Hierbei ist die CBM ein enger Kooperationspartner der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit, ihre Arbeit erfährt über die Grenzen Deutschlands hinaus hohe Wertschätzung.

Das Engagement von CBM hilft kranken und behinderten Menschen ihr Leben lebenswerter zu gestalten und vor allem ihnen Perspektiven zu eröffnen. Möge sich die Christoffel Blindenmission auch in den kommenden Jahren stets ihren unermüdlichen Einsatz zugunsten kranker, behinderter und benachteiligter Menschen bewahren - alles Gute und viel Erfolg für Ihre künftige Arbeit und Ihr entwicklungspolitisches Engagement.
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