Vom Starstechen bis zur modernen IOL-Linse

Der Graue Star (Katarakt)

Baby mit Brille
Grauer Star: Die Erkrankung kann angeboren sein. Ronaldo aus Peru braucht nach der OP zunächst eine Brille, später erhält auch er eine intraokulare Linse.
© CBM / argum / Einberger
Was versteht man unter "Grauem Star"?
Als Grauen Star (Katarakt) bezeichnet man die Eintrübung der Augenlinse. Der Betroffene sieht zunächst noch wie durch einen Schleier, der dann immer dichter wird.
Wie viele Personen sind betroffen?
Weltweit sind fast 20 Millionen Menschen blind durch Grauen Star – das ist etwa die Hälfte aller an einer Augenkrankheit erblindeten Menschen. Ca. 90 Prozent von ihnen leben in Entwicklungsländern. Der Graue Star ist die mit Abstand häufigste Ursache für Blindheit.
Was sind die Ursachen für den Grauen Star?
Wissenschaftlich ist die Entstehung des Grauen Stars noch nicht umfassend geklärt. Bekannt ist jedoch, dass die häufigste Form der Alters-Star ist, meist hervorgerufen durch Stoffwechselerkrankungen und Alterung des Gewebes. Grauer Star kann auch angeboren sein (u.a. durch Röteln in der Schwangerschaft) oder durch Verletzungen entstehen. Weitere Risikofaktoren sind ultraviolette Strahlen, Rauchen und Diabetes. In Entwicklungsländern leidet jedes zehnte blinde Kind am Grauen Star.
Wie kann der Graue Star geheilt werden?
Nur durch eine Operation. Es ist die am häufigsten durchgeführte Operation weltweit (sieben Millionen pro Jahr, die meisten davon in Nordamerika und Europa). Es gibt mehrere Operationstechniken: Bei der älteren Methode wird die Funktion der entfernten Linse durch eine Starbrille ersetzt. Millionen starblinde Menschen wurden so erfolgreich operiert. Es gibt jedoch gravierende Nachteile: Die Spezialbrillen können leicht brechen, zerkratzen oder verloren gehen. Ohne sie ist der Operierte jedoch faktisch wieder blind.
Die in der industrialisierten Welt längst zur Routine gewordene Methode, die trüb gewordene durch eine künstliche Linse (IOL) zu ersetzen, war in Entwicklungsländern zunächst wenigen vorbehalten. Haupthindernisse: Der Ausbildungsstand der Ärzte und der Preis der Linsen. Nachdem diese Linsen auch dort kostengünstig und in hervorragender Qualität hergestellt und immer mehr Augenärzte ausgebildet wurden, ist diese Operationsmethode mittlerweile Standard. Die Vorteile: Ein bedeutend besseres Sehvermögen. Die Kosten einer Operation betragen in den Projekten der CBM im Durchschnitt nur 30 Euro, bei Kindern wegen der benötigten Vollnarkose rund 125 Euro.
Seit wann versucht man, den Grauen Star zu heilen?
Erste Zeugnisse einer chirurgischen Behandlung gibt es bereits um 1.800 vor Christus. In einer Gesetz-Sammlung des antiken Babylon heißt es: "Wenn ein Arzt mit dem Messer den ‘nakaptu’ (vermutlich die Hornhaut) öffnet und das Auge heilt, so soll er zehn Silberschekel erhalten." Im Mittelalter waren die "Starstecher" populär. Sie reisten von Stadt zu Stadt und „heilten” Blinde, indem sie die Hornhaut mit einer Nadel durchstachen und die getrübte Linse in den Glaskörper des Auges drückten.
Wer gilt als Erfinder der modernen Star-Operation?
Dem Franzosen Jaques Daviel gelang der erste erfolgreiche Eingriff am 8. April 1745.
Was unternimmt die CBM, um den Grauen Star zu bekämpfen?
Sie hat die Aktion "10 Millionen Augen können wieder sehen!" ins Leben gerufen, um die Spender noch stärker für dieses Problem zu sensibilisieren. Eingebettet ist diese Initiative in „VISION 2020 – das Recht auf Augenlicht” – eine weltweite Kampagne, die von der Weltgesundheitsorganisation mit unterstützt wird, um vermeidbare Blindheit bis zum Jahr 2020 zu überwinden. Die CBM konzentriert sich bei dieser Aktion neben der Steigerung der Operationszahlen vor allem auf die Aus- und Weiterbildung von Ärzten und Pflegekräften.
In Afrika hat – rein statistisch gesehen – ein einziger Augenarzt die Aufgabe, eine Million Menschen zu versorgen. Zum Vergleich: In Deutschland beträgt das Verhältnis in etwa 1:13.000. Die CBM engagiert sich auch auf politischer Ebene, dass in der Gesundheitspolitik der Entwicklungsländer, aber auch in der Förderungspolitik der Geberländer Blindheitsverhütung einen höheren Stellenwert erhält.
  • 2010 hat die CBM rund 644.000 Graue-Star-Operationen ermöglicht, das sind in etwa so viele, wie in allen deutschen Kliniken zusammen. 1966 wurde die erste CBM-geförderte Star-Operation durchgeführt – 2010 war es bereits die Zehnmillionste.
Stand: Juni 2011
Download (PDF): Der Graue Star
Link: Grauer Star Simulator der CBM
Link: Brailleübersetzer der CBM
Link: Fingeralphabet
Link: Wissenstest zum Thema Katarakt
Link: Auslegung der Monatsandacht durch Mitarbeiter der CBM
Link: Bereich für Schulen, Kirchen und Gemeinden
Link: Nothilfe für Philippinen
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