Gedanken zum Monatsspruch Oktober von Norbert Schroeder

Gottes Gnade gilt für jeden Menschen

Porträt eines Mannes
© CBM
Norbert Schroeder leitet die Personalabteilung der Christoffel-Blindenmission.

Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott?   
                
Hiob 4,17 (Monatsspruch Oktober aus den "Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine für das Jahr 2011")
Diese Frage stellt Elifas von Teman, ein Freund Hiobs. Hiob ist die Gestalt im Alten Testament, die trotz massiven Leids (Verlust von Haus und Hof, gesamtem Besitz, Tod all seiner Söhne und Töchter) den einen Spruch vor sich hinmurmelt und in die Welt hinausschreit: "… der Herr hat‘s gegeben, der Herr hat’s genommen, der Name des Herrn sei gelobt …"

Hiob hält an Gott fest - und verflucht den Tag seiner Geburt
Nachdem auch seine Gesundheit arg angeschlagen ist - Hiob sitzt mit bösen Geschwüren geplagt draußen vor der Tür und kratzt sich mit einer Glasscherbe – hält er daran fest, dass allein Gott, der Herr, zu loben sei, der alles gegeben und alles genommen hat. Allerdings, nach Ankunft von drei Freunden, einer davon ist Elifas, beklagt Hiob in einer langen Tirade (Kapitel 3 des Hiobbuches) den Tag seiner Geburt, verwünscht und verflucht ihn gar.
 
Gott ist heilig und oft dunkel
Im Rahmen einer langen Antwortrede auf die Klage Hiobs sagt Elifas in seiner die Worte unseres Monatsspruchs: Wie kann ein Mensch gerecht sein vor Gott?
Damit spielt er an auf den Gedanken, dass Gott ein ganz und gar heiliger Gott ist, mit dem sich niemand vergleichen kann, dessen Handeln oft dunkel, unverständlich und fremd bleibt. Auch sein Menschen-Recht kann niemand vor ihm einklagen, da Gott und Mensch nicht auf Augenhöhe kommunizieren, sondern so ganz und gar voneinander getrennt sind. Bei Menschen liegen Versagen, Schuld, Sünde und Tod. Gott hingegen ist heilig, gerecht, ewig, gut.
 
Kann ein Sünder vor Gott bestehen?
Martin Luther hat diese Frage sehr umgetrieben: Wie bekomme ich einen gerechten Gott? Und er meinte damit: ich als Mensch kann nie und niemals in den Augen Gottes Gerechtigkeit erlangen. Immer bleibe ich vor ihm ein Sünder, der in Gedanken, Worten und Werken nicht das Verhalten an den Tag legt, das notwendig wäre und vor Gott gelten kann. Immer bleibe ich etwas schuldig: mir selbst, meinem Nächsten und Gott. Gibt es auf die Frage des Elifas und Luthers eine Antwort?
 
Gottes Gerechtigkeit ist eine zusprechende Gerechtigkeit
Luthers Entdeckung nach langen Gewissenskämpfen und –qualen war:
Nicht ich als Mensch kann vor Gott gerecht werden oder sein. Nur Gott selbst kann mich gerecht sprechen. Er spricht mir, dem entfremdeten Menschen, seine Gerechtigkeit zu. Die Gerechtigkeit Gottes ist eine zusprechende Gerechtigkeit. Etwas, das immer schon da ist. Etwas, das als Zusage über dieser Welt steht. Es ist das JA Gottes zu mir, das ab meiner Geburt gilt, das sich in der Taufe manifestiert hat und das ganze lange Menschenleben Gültigkeit hat. Das Zeichen für die zusprechende Gerechtigkeit Gottes ist Jesus. Er ist die uns Menschen freundlich zugewandte Seite des fernen, fremden, unverständlichen und heiligen Gottes.
 
Gottes Gnade gilt allen Menschen
Somit lautet die Antwort auf die Frage des Elifas und Luthers: Nur Gott selbst kann den Menschen gerecht machen. Gott ist es, der jeden Menschen durch Christus hindurch ansieht. Durch Jesus ist der Mensch gerecht vor Gott. Dies nennt die Bibel Gnade. Das Recht Gottes ist seine den Menschen zugesprochene Gnade. Sie gilt für jeden Menschen heute, morgen und für alle Zeit. Und wer sie erfährt, der weiß: es ist sehr gut.
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