Johanna Harms (1908 bis 1979)

Kriegsgefangenschaft wegen Einsatz für Blinde

Porträt von Johanna Harms
Vor der Ausreise: Johanna Harms um das Jahr 1937.
Foto: CBM/Archiv

Infokasten

Johanna Harms´ Lager-Erinnerungen:
"Im finstern Tal..." von Johanna Harms, Verlag der Lutherischen Buchhandlung Heinrich Harms, Gr. Oesingen, September 2008, € 14,80.
Eine Kurzbiographie hat Sybille Harms-Fitzner herausgegeben (Am Flöth 41, 30629 Hannover).
Am 17. Januar 1908 wurde Johanna Harms in Hermannsburg geboren. Man kann sie eine der wichtigsten Mitarbeiterinnen Ernst Jakob Christoffels nennen. Ihr ist es zu verdanken, dass die von Christoffel 1925 in Täbris/Iran begonnene Arbeit bis Mitte 1941 fortgesetzt werden konnte.

Einsatz im Iran trotz Weltkrieg
 
1937 war Johanna Harms, die auch Hanni genannt wurde, nach Persien gereist, um im Isfahaner Blindenheim bei der Rehabilitation blinder Menschen mitzuarbeiten. Bald darauf begann der zweite Weltkrieg - und 1940 reisten viele Deutsche aus dem Iran aus, um der Internierung durch die russischen und englischen Besatzer zu entgehen.

In dieser schwierigen Zeit und für sie persönlich gefährlichen Situation entschloss sich Johanna Harms 1941, statt nach Deutschland zurückzukehren, im Iran zu bleiben. Sie übernahm im Sommer die Leitung des Täbriser Blindenheims. Ohne ihre Bereitschaft, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen, hätte das Heim womöglich geschlossen werden müssen. In ihrer Obhut waren etwa 40 Kinder, die sie zusammen mit einheimischen Mitarbeitern betreute.
Vierzehnjährige Leidenszeit
Am 9. September 1941 wurde Hanni Harms von den russischen Besatzern verhaftet. Das war der Beginn einer 14-jährigen Leidenszeit in russischen Gefängnissen und Arbeitslagern - man hatte sie 1943 wegen angeblicher "Spionagetätigkeit" zu 10 Jahren Zwangsarbeit verurteilt, die sie voll verbüßen musste. Auch danach durfte sie nicht nach Deutschland zurück, sondern musste fast drei weitere Jahre in Aralsk am Aralsee in Verbannung leben.

Erst 1955 konnte sie in ihre Heimat zurückkehren. In den von ihr ab 1960 veröffentlichten Erinnerungen an ihre Gefangenschaft ("Und ob ich schon wanderte im finstern Tal...", siehe "Lebensstationen") wird deutlich, dass es ihr starker Glaube war, der ihr durch die schweren Jahre in Unfreiheit geholfen hat, nicht den Mut zu verlieren.

Hanni Harms hat für ihre großherzige und mutige Entscheidung, 1940 im Iran zu bleiben und die Blindenheimarbeit weiterzuführen, viele Jahre ihres Lebens opfern müssen. Aber sie ist nicht daran verzweifelt. - In den 60er Jahren kehrte sie auf einer Reise an ihren persischen Wirkungsort zurück und konnte sich in Isfahan davon überzeugen, dass die Blindenrehabiliationsarbeit, an der sie viele Jahre zuvor mitgewirkt hatte, weiterbestand.
Fünf handarbeitende Frauen
Handarbeitsunterricht: Johanna Harms unterrichtet blinde Frauen im Stricken und Sticken.
Foto: CBM/Archiv
16. Januar 1908 Johanna Harms kommt in Hermannsburg zur Welt und wächst mit einer großen Geschwisterschar auf. Ihr Vater ist Missionsinspektor der Hermannburger Mission, die von ihrem Großonkel Louis Harms gegründet wurde.

1921 Schon als dreizehnjähriges Mädchen lernt sie Ernst Jakob Christoffel kennen, der 1921 in Hermannsburg das Missionsfest mitfeiert und so von seiner Arbeit berichtet, dass Johanna tief beeindruckt ist und in ihr der Wunsch erwacht, selbst auch blinden Menschen im Orient zu helfen.
Johannas Vater stirbt früh. Die Mutter hat nicht die Mittel, allen Kindern den Besuch der Oberschule zu ermöglichen - Johanna arbeitet als Haustochter in verschiedenen Haushalten.
1934 - 1936 Johanna besucht eine Bibelschule in Berlin und beendet die Ausbildung als Gemeindehelferin. Danach arbeitet sie für die "Blindenmission im Orient".
1937 Über Russland reist die 29-Jährige nach Persien aus. Sie erlernt persisch, arbeitet zunächst mit Ernst Jakob Christoffel zusammen in Isfahan und leitet ab Juni 1940 das Blindenheim in Täbris.

1941 Gefangennahme am 9. September durch die russischen Besatzer

1943
Verurteilung zu 10 Jahren Zwangsarbeit wegen "Spionagetätigkeit"

1952 Entlassung in die "freie Verbannung" nach Aralsk am Aralsee

1954 erstmals wieder Briefwechsel mit der Familie nach fast 13 Jahren ohne jegliche Kontaktmöglichkeit

Weihnachten 1955 Als sei es ein besonderes Zeichen, läuten die Glocken der Kirche, als Johanna Harms an Heiligabend 1955 nach über 14-jähriger russischer Gefangenschaft und 18 Jahre nach ihrer Ausreise in den Iran nach Hermannsburg zurückkehrt.

1960 Herausgabe des Bändchens "Und ob ich schon wanderte im finstern Tal...", in dem sie ihre Erlebnisse in russischer Gefangenschaft beschreibt; 1962 und 1966 folgen der zweite und dritte Teil ihrer Erinnungen.

25. Mai 1979 Johanna Harms stirbt nach langem, schwerem Leiden.
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