Entwicklungspolitisches Forum zum 100-Jährigen

Auf Erfahrungen bauen -
neue Herausforderungen annehmen

Gruppenbild der Referenten
FORUMS-TEILNEHMER: Im vollbesetzten Saal des Ludwig-Erhard-Hauses diskutierten Fachleute aus aller Welt über Entwicklung und Behinderung; v.l.n.r.: Rika Esser (CBM), Dr. Matthias Rompel (gtz), Ingelore Bernhardt Timmermann (COALIVI, Chile), Martin Georgi (CBM), Schwester Myrna (Takeo Eye Hospital, Kambodscha), Dr. Valentin Aichele (Dt. Institut für Menschenrechte), Dr. Daniel Etya´ale (WHO).
© CBM / Foto Backofen Mhm

Forumsvorträge

Ingelore Bernhardt Timmermann
Verlässlichkeit und Nachhaltigkeit als Kernkompetenzen und Stärken der CBM.
Zum Vortrag

Lecture of Sister Myrna
Christianity in Development: Respect for Other Faiths
Zum Vortrag (engl.)

Daniel Etya’ale
CBM AT 100: Looking back and projecting to the future
Zum Vortrag (engl.)

Dr. Valentin Aichele
Die UN-Behindertenrechtskonvention: ein Schritt zur inklusiven Gesellschaft!
Zum Vortrag

"Flexibel-Bleiben und Anpassungsfähig-Sein sind Grundvoraussetzungen für die Arbeit einer internationalen Entwicklungshilfeorganisation", sagte Martin Georgi, Direktor der CBM (Christoffel-Blindenmission), beim Entwicklungspolitischen Forum am 27. November in Berlin. Nur eine Organisation, die stets bereit sei zu lernen, könne ihre Ziele und Visionen auch in der Zukunft umsetzen, so Georgi weiter.
Aus Anlass ihres 100-jährigen Bestehens hatte die CBM am Nachmittag unter dem Motto "Auf Erfahrungen bauen – neue Herausforderungen annehmen" Fachleute und Interessierte zu Vorträgen mit anschließender Diskussion eingeladen. Neben Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO), des Deutschen Instituts für Menschenrechte, der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (gtz), von CBM-Partnerorganisationen sowie der CBM, nahmen rund 70 weitere Interessierte daran teil.
Die partnerschaftliche Zusammenarbeit und Verlässlichkeit über viele Jahre sei eine besondere Stärke der CBM, betonte Ingelore Bernhardt Timmermann, die in den 80er Jahren die CBM-Partnerorganisation COALIVI in Chile aufgebaut hat. Sie gratulierte der CBM zu ihrem Jubiläum und sagte: "Die CBM half uns beim Aufbau und unterstützte überall, wo es nötig war. So wurden aus einem Projekt zur Rehabilitation blinder Menschen innerhalb von rund 15 Jahren 99 Projekte, die tausenden Blinden zugute kommen."
Was Eva Luise Köhler u.a. gesagt hat, lesen Sie hier
Eindrücke vom Empfang lesen Sie hier
Zur Pressemeldung
Portrait von Daniel Etya'ale
GAST VON DER WHO: Augenarzt Daniel Etya'ale hofft, dass sich in Zukunft viel mehr Landesregierungen für ihre Menschen mit Behinderungen einsetzen.
© CBM / Foto Backofen Mhm
Nichtregierungsorganisationen brauchen Durchhaltevermögen
Augenarzt Daniel Etya’ale, der seit 1994 Berater der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Fragen der Augenheilkunde für ganz Afrika ist, forderte, dass der Dialog der Nichtregierungsorganisationen (NRO) mit den Regierungen auf Landesebene verstärkt werden müsse. Hier liege ein großes Potenzial, sagte er, gerade für das Thema "Behinderung". Die Bereitschaft der Regierungen, etwas für ihre behinderten Bürger zu tun, würde vielfach unterschätzt. Dieser Dialog fordere von den NROs Durchhaltevermögen. Das sei keine kurzfristige Maßnahme, betonte Etya’ale. Die CBM könne hier als Katalysator mitwirken.
Über die neue UN-Behindertenrechtskonvention, die im Mai dieses Jahres in Kraft trat, sagte Dr. Valentin Aichele, er hoffe, dass durch sie Behinderung endlich ein Teil der Normalität werde. Der Rechtsanwalt und Wissenschaftliche Referent am Deutschen Institut für Menschenrechte mahnte an, es sei Zeit, Abschied zu nehmen von der bloßen Fürsorge für Menschen mit Behinderung hin zu mehr Selbstbestimmung, die auch eine Assistenz miteinschließe.
"Entwicklungszusammenarbeit darf die, denen sie helfen möchte, nicht einengen und als eine christliche Organisation muss man besonders sensibel sein", sagte Schwester Myrna aus Kambodscha. Die Ordensschwester, die seit 24 Jahren für die Christoffel-Blindenmission im Takeo-Augenhospital arbeitet, sagte, ohne Respekt vor der Kultur, der Tradition und dem Glauben der Menschen könne man mehr Schaden anrichten als Gutes bewirken.
Blick ins Publikum
VOLLBESETZTER SAAL: Rika Esser (rechts) leitete den rund zweistündigen Meinungsaustausch.
© CBM / Foto Backofen Mhm
Hinsehen, zuhören, lernen - und lieben
Auf den engen Zusammenhang zwischen Behinderung und Armut wies Dr. Matthias Rompel von der Deutschen Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (gtz) hin. Behinderung sei vielfach sowohl die Ursache wie auch die Folge von Armut.
Dabei sei Behinderung kein privates, sondern ein gesellschaftliches Problem, das nur gemeinsam bewältigt werden könne. Ohne die Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen seien die Millenniumsziele, wie zum Beispiel die Halbierung der Armut, nicht zu erreichen. CBM sei hierbei ein wichtiger Partner.
Allen Foster, Präsident der CBM weltweit, hob zum Abschluss noch einmal hervor, dass es unerlässlich sei, Lernende zu bleiben, um die Inklusion von Menschen mit und ohne Behinderung voranzubringen. "Hinsehen, zuhören, lernen und lieben", sagte der britische Facharzt für Augenheilkunde, seien der Schlüssel, um die Barrieren zwischen den Menschen abzubauen und die gesellschaftliche Veränderung zu bewirken, in der Menschen mit und ohne Behinderung die gleichen Rechte und Chancen bekämen.
Link: Grauer Star Simulator der CBM
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