Flutkatastrophe in Indien/Nepal
Augenzeugenbericht von Dr. Iris Winter
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Augenärztin Dr. Iris Winter: "Die Bilder vom Ort des Geschehens werden mir noch lange im Gedächtnis haften."© CBM
CBM-Mitarbeiterin und Augenärztin Dr. Iris Winter berichtet direkt aus dem Projekt in Lahan/Nepal über ihre Eindrücke der Flutkatastrophe.
Am 18. August, als ein Teil des Dammes des Koshiflusses in Nepal brach und große Teile der Provinz Sunsari überflutete, war ich natürlich sehr schockiert. Erst langsam konnte ich das Ausmaß der Folgeprobleme erfassen. Von einer Stunde auf die andere hatten Tausende Menschen in meiner unmittelbaren Nähe alles verloren: Ihre einfachen Häuser, ihre Lebensgrundlage - das Land, die Saat und die Ernte. Sie mussten nicht nur um ihre Angehörige, sondern auch um ihr eigenes Leben bangen.
Eigentlich sollte an diesem Tag unser Verwalter von Lahan nach Biratnagar kommen. Das klappte jedoch nicht, weil ca. 10 km der Hauptstraße zwischen unseren beiden Kliniken in Lahan und Biratnagar von den Fluten weggerissen wurde. In beiden Krankenhäusern trafen sich sofort alle Mitarbeiter und gemeinsam überlegten wir, wie wir am schnellsten helfen könnten.
Auch die Mitarbeiter spenden
Die Solidarität unter unseren Angestellten und das Mitgefühl für die betroffenen Menschen beeindruckten mich in sehr positiver Weise. Schließlich gehört das betroffene Überflutungsgebiet zu einem Haupteinzugsbereich unserer beiden Kliniken. Mit eigenen Krankenhausmitteln und einem Tagesgehalt jedes Angestellten als persönliche, spontane Spende hatten wir erst einmal genügend Geld, um die allerwichtigsten Dinge wie Grundnahrungsmittel zu kaufen und an die Bedürftigen zu verteilen.
Wir waren an vielen Orten die ersten Helfer. Die Bilder vom Ort des Geschehens werden mir noch lange im Gedächtnis haften. Am 21. August fuhr ich mit einem Team der Klinik Biratnagar zu einigen der eher abseits gelegenen Camps und war sehr berührt über das Ausmaß der Situation. In den Camps trafen wir in erster Linie auf Frauen und Kinder, die äußerst dankbar für unsere Hilfe waren. Die meisten hatten inzwischen ein Dach über dem Kopf in Schulen oder öffentlichen Gebäuden gefunden. Was ihnen blieb, waren wenige Bündel persönlicher Habe, hungrige Kinder und die vage Frage, wie das Leben nun für sie weiter geht.
Sehr positiv war ich über die gute, schnelle und professionelle Organisation und Fürsorge der muslimischen Gemeinde von Inaruwa beeindruckt. Mehrere große Schulen wurden den Flutopfern zur Verfügung und eine Rundumversorgung mit Lebensmitteln sichergestellt.
Auf beiden Seiten des überfluteten East-West Highways waren Tausende Menschen unterwegs - in beiden Richtungen, einmal sich in Sicherheit zu bringen vor den Fluten, andererseits um vermisste oder noch im Wasser eingeschlossene Angehörigen zu finden und zu retten. Im nackentiefen Wasser bildeten sich Menschenketten, um das wenige ihnen Verbliebene aus dem Wasser zu bergen und Kinder über die Fluten zu tragen.
Schnelle Hilfe und Versorgung danach
An mehreren Tagen in Folge fuhren von beiden Seiten des Dammbruches Teams von unseren Kliniken zu den Notunterkünften und halfen eigenhändig bei der Grundversorgung der Menschen. Wir brachten Reis, Nudeln, Öl, Salz, Zucker, Kekse, Milch, Früchte, Strohmatten, Seife und Waschmittel. Nach dieser initialen Phase halfen wir auch mit medizinischer Versorgung insbesondere erkrankter Kinder. Im Weiteren sahen wir unser Mandat mehr auf unserem eigentlichen Arbeitsgebiet, der Augenheilkunde. Dafür wurden alle mit akuten Augenerkrankungen behandelt und die Betroffenen mit Medikamenten versorgt.
Aktuell veröffentlichte Daten sprechen von bis zu 70.000 von der Flut betroffenen Menschen in Nepal und mehr als 3 Millionen im ärmsten Bundesstaat Indiens Bihar sowie der schlimmsten Flutkatastrophe der letzten 50 Jahre in diesem Gebiet. Dieser Dammbruch mit den Überschwemmungen hat nicht nur einen enormen Schaden bei der einheimischen Bevölkerung verursacht, sondern wird sich wohl auch in den nächsten Monaten auf unsere Arbeit auswirken, weil einerseits weniger Patienten unsere Kliniken erreichen können und anderseits auch die Weiterentwicklung unserer Projekte durch die zerstörte Infrastruktur behindert ist.
Beste Grüße
Dr. Iris Winter
Beste Grüße
Dr. Iris Winter





